Wieso gibt es so wenige deutsche Frauen in den Führungspositionen der Branche?

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Kein gutes Zeichen für die Gleichstellungsdebatte sind die Ergebnisse eines Rankings von Financial News. Darin hat das englische Branchenfachblatt die 100 einflussreichsten Frauen der europäischen Finanzbranche gekürt. Doch in das Ranking scheinen es lediglich zwei deutsche Frauen geschafft zu haben: Elga Bartsch, Chefsvolkswirtin Europa bei Morgan Stanley und Uli Fricke, Chefin und Miteigentümerin des Venture Capital Unternehmens Triangle. Bezogen auf die Größe des Landes und der Volkswirtschaft ist das eher bescheiden.

Triangle verwaltet nach eigenen Angaben 100 Mio. Euro und investiert in Universitätsausgründungen. Mithin ist das Unternehmen auch sehr technologieorientiert. Obgleich Venture Capital noch immer eine Männerdomäne ist, bereut die Ökonomin ihren Berufsweg keine Minute. "Ich bin aus ganzem Herzen Unternehmer."

Besonders reizt es sie, an der Schnittstelle zwischen Unternehmertum und Forschung zu arbeiten. "Es ist ganz toll, wenn man sehen kann, wie sich ein Geschäft entwickelt." Denn die Spezialität von Triangle besteht in der Investition in ganz junge Uniausgründungen. "Es ist eine sehr erfüllende und lehrreiche Aufgabe", ergänzt Fricke.

Mangelnde Vorbilder von entscheidender Bedeutung

Einen Hauptgrund für die unterdurchschnittliche Zahl von Frauen in Führungspositionen der Finanzbranche sieht Fricke in den mangelnden Vorbildern. "In einer männerdominierten Finanzwelt, da gibt es weniger Vorbilder", sagt Fricke. Somit könnten sich viele junge Frauen kaum vorstellen, einen solchen Karriereweg einzuschlagen.

Dabei macht Fricke einen interessanten Unterschied zwischen den wirtschaftswissenschaftlichen und den technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen aus. So lange weniger junge Frauen, ein technikorientiertes Studium ergriffen, so lange sind sie auch in den entsprechenden Führungspositionen unterrepräsentiert. Dagegen halten sich die Geschlechter in den Wirtschaftswissenschaften die Waage. "Da geht die Schere später auseinander", ergänzt Fricke.

Eine direkte Behinderung der Karrierewege durch Männer spiele indes eine untergeordnete Rolle. "Das ist sehr individuell", ergänzt Fricke: Viele Männer seien Frauen in Führungspositionen gegenüber offen, andere verhielten sich eher konservativ und Frauen müssten sich erst bewähren.

Angelsachsen und Franzosen sind deutlich weiter

Nach ihren Erfahrungen im Vorstand der European Venture Capital Association (EVCA) sind bei dem Thema Frauen in Führungspositionen der Finanzbranche die angelsächsischen Länder und auch Frankreich weiter, was übrigens durch das Financial News-Ranking bestätigt wird.

Die Situation würde sich erst ändern, wenn Eltern und Medien begännen, die Finanzberufe als attraktiven Karriereweg an junge Frauen zu vermitteln. Diese Strategie sieht Fricke bereits in ihrem eigenen Unternehmen verwirklicht. Von den acht Investmentmanagern bei Triangle sind drei Frauen, was deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt.

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