GASTKOMMENTAR: Ein Plädoyer für flexible Arbeitgeber

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Flexible Arbeitnehmer treffen auf...

Flexibilität gehört neben Kommunikationsbereitschaft, Teamfähigkeit und Internationalität zu den Arbeitnehmer-Eigenschaften, die bei jedem Arbeitgeber gefragt sind und als solche in keiner Bewerbung unerwähnt bleiben sollten.

So sind viele Banker nach der Bankenkrise und dem Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen bereit, das bisherige Reihenmittelhaus in Frankfurt aufzugeben und quer durch die Republik umzuziehen, um einen neue Stelle in einer neuen Stadt anzutreten.

Der Banker ist dabei bereit, große Lasten auf sich zu nehmen. Während der Einarbeitungszeit nimmt der Betroffene eine Wochenendbeziehung zu seiner Familie in Kauf. Nach der Probezeit ist der Arbeitnehmer sogar bereit, Frau, Kinder und gegebenenfalls Vierbeiner nachkommen zu lassen. Dies stellt gravierende Herausforderungen dar: Kindergartenplätze und Schulen müssen gefunden und der Freundeskreis neu aufgebaut werden. Auch sonstige private und berufliche Veränderungen stehen an.

Daneben muss ein weiterer handfester Aspekt beachtet werden: Im Bankensektor werden bekanntlich in Frankfurt die höchsten Gehälter bezahlt. Wer also für den neuen Job nach Düsseldorf, München, Hamburg oder Berlin umzieht, ist monetär schlechter dran und muss mit Gehaltseinbußen von 20 bis 25 Prozent rechnen.

... unflexible Arbeitgeber

Obgleich Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Flexibilität abfordern, sind sie selbst oftmals unflexibel wie ein Brett. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Gehaltsfrage. Wieso wird in Düsseldorf, Hamburg, München, Stuttgart und Berlin weniger gezahlt, wenn doch Mieten und Lebenshaltungskosten genau so hoch oder höher als in Frankfurt liegen. Zumal die Provisionssätze, die die Banken von ihren Kunden verlangen, landauf landab gleich ausfallen.

So habe ich einen ganz argen Fall beobachtet. Dabei hat eine Bank dieselbe Stelle innerhalb von 14 Monaten gleich dreimal ausgeschrieben. Denn die Bezahlung für die Stelle war - wie ich erfahren habe - derart schlecht, dass die Neulinge gleich wieder eine bessere (und vor allem besser bezahlte) Stelle fanden und das, obgleich die kurzfristigen Perspektiven in der Abteilung sehr positiv ausfielen.

Auch bei anderen Unternehmen wird das Gehalt regelmäßig klein geredet. Doch wie wollen diese Häuser im Wettbewerb bestehen, wenn statt der Champions-League nur die Kreisklasse angeheuert wird?

Diese Problematik lässt sich sowohl auf der Buy- als auch auf der Sellside beobachten. Stellen sind teilweise seit über einem Jahr unbesetzt, obgleich das Budget für die Stelle freigegeben ist.

Eigentlich müssten die Institute abseits von Frankfurt höhere Gehälter zahlen. Denn die übrigen Städte sind sämtlich attraktiver als Bankfurt und damit leider auch deutlich teurer.

Wenn die Banken außerhalb Frankfurts verlangen, dass Arbeitnehmer flexibel sind und umziehen, dann sollten die Banken auch so flexibel sein, angemessene Gehälter zu zahlen.

Unser Gastkolumnist hat bei verschiedenen Adressen gearbeitet und die "Konsolidierung" des deutschen Bankensektors am eigenen Leib erfahren.

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