Geburtsprobleme: Allianz-Bank droht anhaltendes Untergewicht

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Die mit großen Ambitionen angekündigte Allianz-Bank hat mit schweren Geburtsproblemen zu kämpfen. Obwohl der ursprüngliche Termin der "Entbindung" bereits um zwei Monate auf Anfang Juni verschoben wurde, droht die Geburt eines ziemlich untergewichtigen Geschöpfs.

Statt wie erhofft mit einer Mio. Kunden wird das als Zweigniederlassung der ehemaligen Dresdner-Bank-Tochter Oldenburgische Landesbank firmierende Institut zum Geburtstermin lediglich 350.000 Kunden schwer sein.

Die OLB ist eine in Nordwest-Deutschland aktive Regionalbank. Ende März betreuten die 2.354 Mitarbeiter (31.12.2008: 2.314) in 174 Filialen nach Unternehmensangaben mehr als 400.000 Kunden.

Ab dem 2. Juni stellt die OLB den bundesweit mehr als 10.000 Vertretern der Allianz und 130 Allianz-Bankagenturen einfache, leicht verständliche Produkte bereit und bietet die dafür nötige rechtliche und technische Infrastruktur.

Noch bis Ende Mai darf die Allianz versuchen, Dresdner-Bank-Kunden, die seit dem Verkauf zur Commerzbank gehören, abzuwerben. Ein Großteil der im Laufe der Jahre von Allianz-Vertretern vor allem durch Geschenk- und Werbeaktionen gewonnenen Kunden hat aber offenbar kein Interesse daran, als Bankkunde zur Allianz zu wechseln.

Das Management der Allianz Bank ist trotzdem zufrieden. Das Geschäftsvolumen der zur Allianz Bank gewechselten Kunden beträgt etwa 3,1 Milliarden Euro, heißt es heute in einer Mitteilung.

Man habe etwa 80 Prozent der Kunden erreicht, mit denen die Allianz sehr intensiv Bankgeschäft betrieben habe, sagte der Vorstandsvorsitzende Andree Moschner in einem Interview.

Ob es der Bank wie im Interview angekündigt gelingen wird, mit einfachen Bankprodukten jedes Jahr 100.000 Kunden zu gewinnen, bleibt freilich abzuwarten. Schließlich liefern sich Direktbanken und Filialbanken seit Jahren eine teure Werbeschlacht um Spar- und Girokonten, Wertpapierdepots und Verbraucherkredite. In diesem Umfeld können Banken langfristig nur dann Geld verdienen, wenn sie besonders kostengünstig wirtschaften.

Im Zuge des Verkaufs der Dresdner Bank an die Commerzbank wechseln nach Angaben eines Allianz-Sprechers rund 500 Dresdner Banker zur Allianz Bank. Davon sind wiederum 30 in München und Frankfurt mit Zentralfunktionen befasst. Ob weitere Mitarbeiter eingestellt werden, hängt vom Wachstum der neuen Bank ab.

Mit der Gründung der Allianz Bank ist übrigens kein Konkurrenzverbot verbunden. Allianz-Vertreter in Nordwest-Deutschland dürfen ihren Kunden weiter Spar- und Kreditangebote verkaufen, selbst wenn nebenan eine OLB-Niederlassung steht, so der Sprecher weiter. Allerdings sei sichergestellt, dass OLB und Allianz-Vertreter keinen Zugriff auf die Datenbanken der anderen Seite bekommen werden.

Eine OLB-Sprecherin war zunächst nicht zu erreichen.

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