Müssen sich deutsche Privatbanken vor Konsolidierungswelle fürchten?

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Diese Frage ist durchaus berechtigt, schließlich hat die Frankfurter Großbank in den vergangenen Jahren bereits einige Institute wie die geschluckt (Berliner Bank, Norisbank), angebissen (Postbank) und angegriffen (Citibank, jetzt eine Tochter der französischen Genossenschaftsbank Credit Mutuel).

Jetzt zeichnet sich mit der kolportierten Mehrheitsübernahme der traditionsreichen, aber angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim der große Wurf im prestigeträchtigen Private Banking an.

Trotz der bevorstehenden Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank rechnen Experten nicht mit einer Konsolidierungswelle bei nichtbörsennotierten Privatbanken.

"Wenn ein Privatbankier oder eine Privatbank bei ihrem Geschäftsmodell bleibt und dieses mit Vernunft und Augenmaß betreibt, gibt es keinen Grund, warum weitere aus dem Markt ausscheiden sollten," sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz.

Er sieht den Einstieg der Deutschen Bank bei Sal. Oppenheim deshalb nicht als Startschuss für weitere Übernahmen. "Ich rechne nicht damit, dass privat geführte Banken zunehmend von der Bildfläche verschwinden werden", so Schmitz, der zugleich Vorstandssprecher von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf. Die Probleme bei Sal. Oppenheim seien nicht struktureller, sondern individueller Art, erklärte er.

Eine zu starke Dominanz der Deutschen Bank am heimischen Markt befürchtet Schmitz nicht. "Auch in anderen Ländern gibt es einen oder mehrere nationale Marktführer, die Raum für andere geben", sagte er. "Zudem ist der Marktanteil zum Beispiel der Deutschen Bank immer noch kleiner als das Genossenschaftslager."

Auch die deutsche HSBC-Tochter will ihre Position stärken. "Wir wollen auf jeden Fall organisch wachsen", so Schmitz. "Das anorganische Wachstum hängt von Gelegenheiten ab, von Kaufpreisen und ob es in die Strategie passt." Konkrete Übernahmeziele gebe es aber derzeit nicht.

Eine Schwächung des Investmentbankings durch die Finanzkrise erwartet Schmitz nicht; auch wenn viele Institute, nachdem sie sich die Finger mit strukturierten Produkten verbrannt haben, jetzt auf weniger Risiko setzen wollen. "Gerade das Investmentbanking ist ein integraler Bestandteil im Bereich der Finanzierung der Großunternehmen und des gehobenen Mittelstands", erklärte Schmitz. "So lagen die Volumina im Anleihebereich für Unternehmen im ersten Halbjahr bei 50 Mrd. Euro versus 10 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum."

Während sich die Deutsche Bank in punkto Sal. Oppenheim offiziell weiter bedeckt hält, ist Vorstandschef Josef Ackermann in punkto Boni für Investmentbanker und 25-Prozent-Rendite-Ziel in die Offensive gegangen.

Er sei ein überzeugter Anhänger der Marktwirtschaft und deshalb gegen Preisfestsetzungen, sagte Ackermann dem Spiegel. "Das gilt auch für Bezüge". Boni seien nötig, um gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu behalten. Seine Bank habe in den vergangenen Monaten einige gute Leute verloren, die mit hohen Garantie-Boni abgeworben worden seien.

Gleichzeitig kündigte er aber an, seine Bank werde parallel zu den erfolgsabhängigen Boni auch ein "Malussystem" einführen. "Man kann seine Boni also auch künftig wieder verlieren", sagte der Bankchef. Bislang hatte erst die Schweizer Großbank UBS eine solches Instrument eingeführt.

Ein Großteil der erfolgsabhängigen Vergütung werde in Aktien ausgezahlt, die nicht sofort zu Bargeld gemacht werden könnten, so Ackermann weiter. Wenn der Aktienkurs der Bank sinke, verliere der Bonus an Wert.

Gut möglich, dass sich die Private-Banking-Landschaft in Deutschland schon bald weiter verändern wird. Erst vor wenigen Tagen hat der größte Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär angekündigt, im In- und Ausland wachsen zu wollen. Vor Investoren hat Bank-Chef Boris Collardi unverblümt angekündigt, Privatbanken im Ausland zu kaufen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Als Käufer kommen aber nicht nur die Eidgenossen in Frage, sondern auch die Franzosen. Daniel Truchi, Private-Banking-CEO bei der Societe Generale, will ebenfalls klotzen und nicht kleckern. Ein solcher Schritt müsse einen Quantensprung für diese Sparte dartsellen, sagte Truchi. Der Konzern würde die Sparte bei einem Zukauf unterstützen, wenn dieser gut zur Pariser Bank passe.

Es sollte uns deshalb nicht wundern, wenn nach Sal. Oppenheim schon bald für eine andere deutsche Privatbank die Götterdämmerung naht.

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