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Ist Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein ein Heuchler?

Die Frage könnte man stellen, wenn man sich seine jüngsten Kommentare auf der Zunge zergehen lässt. Während einer Bankenkonferenz in Frankfurt sagte der Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein: “Der Zorn der Öffentlichkeit über die Gehälter der Bankmanager ist nachvollziehbar und angemessen.”

Wie das Wall Street Journal in einer kritischen Analyse der Blankfein-Rede bemerkte, könnte die Investmentbank in diesem Jahr einen Rekord-Pro-Kopf-Bonus von 770.000 Dollar ausschütten. Und das in einer Zeit, in der in den USA auch zwei Jahre nach Beginn der Subprime-Krise weiter Geldinstitute schließen müssen.

Von einem Verbot jener toxischen Wertpapiere, die zu einer “Kernschmelze” der Finanzmärkte geführt haben, will der smarte Goldman-Boss selbstredend nichts wissen. “Wenn wir also Instrumente wie Derivate, die vor mehreren Jahrzehnten entwickelt wurden, abschaffen, statt sie zu regulieren, werden wir dadurch vielleicht den Zugang zu Kapital und eine effiziente Absicherung gegen und Verteilung von Risiken beschränken”, so Blankfein.

Er vergaß freilich zu erwähnen, dass Investmentbanken wie Goldman Sachs, aber auch Konkurrenten wie Morgan Stanley und die Deutsche Bank, genau jene Produkte jahrelang ohne jede Skrupel an andere Geschäftsbanken weiterverscheuert haben. Und zwar auch dann noch, als die Finanzingenieure von Goldman Sachs mit als erste verstanden hatten, welche Bilanz-Zeitbomben mit diesen außerbörslich gehandelten Papieren tickten.

Blankfein jetzt deshalb aber für die Schieflage vieler Landesbanken verantwortlich machen zu wollen, wäre dennoch Unsinn. Schließlich sollte man von hochbezahlten Bankmanagern – egal ob sie nun eine Privatbank, Genossenschaftsbank oder Sparkasse leiten – erwarten können, dass sie die damit verbundenen Risiken einschätzen können.

Insofern hat sein Hinweis, die Finanzaufsicht pragmatischer zu gestalten, etwas für sich: “Die Regulierungsbehörden müssen die Marktteilnehmer regelmäßiger und vorausschauender einbeziehen”, forderte Blankfein. Dabei dürfe sich die Überwachung nicht auf die Kontrolle bestimmter Kennziffern beschränken. In manchen Fällen könnten potenzielle Probleme deutlich werden, bevor man dies schwarz auf weiß an den Zahlen sieht, so der Goldman-CEO weiter.

Blankfein – ein Heuchler? Wohl nicht! Eher ein Mann, der den Augenblick, der Stärkste zu sein, fast schon überschwenglich genießt, während andere Bankmanager noch lange an den Folgen von Subprime und Lehman-Zusammenbruch knabbern werden.

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