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Markt für Interim-Manager wächst weltweit

Nach gängigem Klischee ist Abwechslung das Salz in der Suppe des Lebens und nach einigen Jahren im selben Job kann es gut sein, dass Sie den Grund für dieses Klischee erkennen. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen erfinden sich einige Führungskräfte aus dem Finanzsektor als Interim-Manager neu.

Anders als z.B. Büroaushilfskräfte stehen Interim-Manager an der Spitze der Nahrungskette, wenn es um kurzfristige, hochanspruchsvolle Jobs geht. Sie sind hocherfahrene, sehr kompetente, vielseitig orientierte Persönlichkeiten, die ins Spiel gebracht werden, um eine Lücke zu füllen oder ein Problem zu lösen und anschließend wieder zu gehen. Und sie sind hochbezahlt.

Interim-Vorstandschefs in Kontinentaleuropa: Internationale Kenntnisse sind ein Plus

In Deutschland, Frankreich und Italien gibt es einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Interim-CFOs.

Gerard Fournier, Managing Director bei Boyden Interim Management (BiM) in Frankreich, berichtet, die Ernennung von Interim-Managern zu CFOs sei in den letzten Jahren zunehmend populärer geworden. Dr. Dietmar Kablitz, Leiter von EIM Executive Interim Management in Deutschland, erklärt, sein Unternehmen habe im letzten Jahr 15 Interim-Finance-Directors vermittelt, viele von ihnen in Private Equity finanzierten Unternehmen.

Laut Kablitz besitzen die meisten Interim-CFOs in Deutschland mindestens acht Jahre Erfahrung, viele von ihnen sogar über 15 Jahre. Die besten Interim-Manager haben ihre Karrieren in den Diensten verschiedenster Arbeitgeber verbracht. “Unsere Kunden wollen einen Kapitän, der bereits fünfmal ums Cap Horn gesegelt ist”, meint er. “Sie wollen jemanden, der jeden Sturm kennt, der furchtlos ist und ein Team leiten kann.”

Wenn Sie als Interim-CFO in Deutschland oder Frankreich arbeiten möchten, werden Sie Kenntnisse über die lokalen Accountingprozesse genauso vorweisen müssen wie idealerweise Vertrautheit mit US GAAP oder den International Financial Reporting Standards (IFRS). Boyden sucht Fournier zufolge zum Beispiel derzeit einen Interim-CFO für einen multinationalen französischen Konzern mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. Nachdem der Konzern von einer britischen Holding übernommen wurde, wird ein Vorstandsvorsitzender gesucht, der kompetent in Bezug auf internationale Rechnungslegung ist, um die Integration abzuschließen.

Bernard Giesel, ehemaliger CFO von Konica in Deutschland, hat sich als Interim-Manager mit Fokus auf finanzielle Restrukturierung neu verwirklicht. Er berichtet, für den Job bräuchte man spezielle Fähigkeiten: “Sie brauchen die finanziellen Fähigkeiten eines CFOs und das Können eines Managers, um ihre Fähigkeiten in verschiedenen Unternehmen auch einsetzen zu können.”

Der italienische Markt ist kleiner, wächst aber ebenfalls. Maurizio Quarta, Leiter der auf Interim-Management spezialisierten Agentur ‘Temporary Management and Capital Advisors’ in Mailand, berichtet, lokale wie auch internationale Unternehmen suchen nach Interim-CFOs. Sie verdienen Quarta zufolge in der Regel 30 bis 50 Prozent mehr als Festangestellte in vergleichbaren Positionen. Ein Interim-Finance-Director in Italien kann Zahlungen von bis zu 700 Euro am Tag erhalten.

Interim-Finanzchefs in Großbritannien: Coming-out

In Großbritannien hatten Interim-Finance-Directors ihr Coming-out, als die Reed Health Group einen Interim-Finanzchef in Person von Atholl Craigmyle einstellte, einem ehemaligen Finance Director beim konkurrierenden Healthcare-Recruiter Corinth Healthcare.

Craigmyle ersetzte den unerwartet zurückgetretenen Finanzchef von Reed, Mark Garrett. Craigmyle hat bei Reed einen einmonatigen Vertrag, der von Monat zu Monat verlängert werden kann, bis endgültig ein Nachfolger gefunden ist. “Interim-Management kann eine sehr lebendige Art der Arbeit sein”, sagt er. “Wenn ein Unternehmen einen Interim-Manager ins Spiel bringt, hat es häufig in der Vergangenheit eine Krise oder eine Affäre gegeben. Interim-Manager ziehen einen klaren Strich und geben eine neue Perspektive.”

Die Benennung eines Interim-Finanzchefs wird in der Regel geheim gehalten, aber es scheint doch so, dass Craigmyle alles andere ein Einzelfall ist. Eine aktuelle Umfrage der auf Interim-Management spezialisierten Personalvermittlung Praxis unter 1.450 professionellen Interim-Managern zeigt, dass 18 Prozent der im Lande tätigen Interim-Manager als Finanzchefs tätig sind.

Michael Turrell, Managing Director bei International Interim-Management, einer Londoner Interim-Manager-Vermittlung, hat bereits überall Finanzchefs untergebracht – von kleinen und mittleren Unternehmen bis hin zu FTSE-100-Unternehmen. Er meint, es gebe mehr Interim-FDs als alles andere. “In der Regel sind es Leute in den Mitvierzigern oder darüber”, berichtet er. “Jüngere Finanzchefs verfügen nicht über den Erfahrungsschatz, nach dem die Firmen suchen.”

Turrell sagt, die Gehälter der Interim-FDs seien breit gestreut, von durchschnittlich rund 750 britischen Pfund (1.100 Euro) bis 1.500 Pfund (2.200 Euro). “Interim-FDs erhalten einen Tagessatz, der sich in etwa mit den sonstigen Personalkosten des Unternehmens deckt. Dies beinhaltet Fixgehalt, Bonus, Pensionszusagen sowie alle Zusatzleistungen wie Krankenversicherung und Firmenwagen.”

Interim-Vorstandschefs in den USA: Große Erfahrung erforderlich

Interim-Management ist in Europa weiter verbreitet als in den USA. Paul McDonald, Executive Director bei Robert Half Management Resources, berichtet, dort würde die Institution des Interim-Managers oft mit der Rolle von Nachwuchskräften mit Zeitverträgen verwechselt.

Doch das trifft es ganz und gar nicht. McDonald erklärt, Interim-CFOs in den Diensten von Robert Half in den USA hätten üblicherweise 15 Jahre und mehr Erfahrung im Rechnungswesen oder im Finanzsektor sowie gute Management-Fähigkeiten. “Viele waren früher leitende Angestellte bei den Big Four”, berichtet er. “Oder sie kommen aus der Rechnungslegung des öffentlichen Sektors und verfügen gleichzeitig über Erfahrungen in der freien Wirtschaft und sie haben oft Abschlüsse als CPA oder MBA.”

Roderik Alewynes lässt sich von Boyden Interim Management (BiM) als Interim-Manager vermitteln. Der gebürtige Holländer ist seit zwölf Jahren in den USA und war zuvor Controller und CFO in der Messer Gruppe, einem deutschen Industrieunternehmen.

“Ich habe bereits eine feste Einstellung in Aussicht, es ist momentan jedoch noch nicht ganz klar, wann es losgeht”, berichtet Alewynes. “Das erscheint mir die beste Art zu sein, um die Zwischenzeit zu überbrücken.”

Vince Papi, Leiter von BiM in den USA, berichtet, dass die Unternehmen in der Regel Interim-Vorstandschefs einsetzen, während sie nach jemand anderem suchen, der die Rolle ausfüllen kann. Papi zufolge verdienen die meisten Interim-Manager in den USA rund 20 Prozent mehr als Festangestellte in vergleichbaren Positionen. Dies kann 1.000 US-Dollar (800 Euro) pro Tag und mehr ausmachen.

Und nun?

Wenn Sie als Interim-Manager arbeiten wollen, müssen Sie sich zunächst bei einem auf Interimsmanagement spezialisierte Personalvermittler vorstellen. Einige werden in diesem Artikel genannt. Andere, europaweit tätige, finden Sie hier:

https://www.askgrapevine.com/publications/interimsample.pdf

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