Kommentar - Postbank führt Öffentlichkeit in der Bonus-Debatte hinters Licht

eFC logo

Das Postbank-Management hat sich trotz eines Vorsteuerverlusts von 821 Mio. Euro für das vergangene Jahr einen fetten Bonus gegönnt. Dabei ist nicht die Summe das Problem - 16,2 Mio. Euro für zehn Vorstandsmitglieder ist nicht viel - sondern die Art und Weise, wie das Unternehmen Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter in die Irre geführt hat.

Bei der Bekanntgabe der tiefroten Zahlen Ende Februar hatte Vorstandschef Wolfgang Klein nämlich noch vollmundig verkündet, dass die Vorstände wegen des Verlustes keinen Bonus bekommen werden.

Zweieinhalb Wochen später gilt das offenbar nicht mehr. Wie aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, hat der Vorstand trotz des Rekordverlusts im vergangenen Jahr knapp 60 Prozent mehr kassiert als 2007.

Zwar ist die "erfolgsabhängige" Vergütung gesunken, doch für die einzigartige Managementleistung, dass sich die Deutsche Bank (!) an der Postbank beteiligt hat, erhalten die Postbank-Manager eine als "Sonderbonus" getarnte Bleibeprämie. Allein Vorstandschef Klein hat durch den Einstieg des Branchenprimus einen Bonus von 2,4 Mio. Euro - in alter Währung 4,8 Mio. Mark - bekommen und sein ohnehin nicht karges Salär auf über 3,3 Mio. Euro katapultiert.

Es ist müßig zu diskutieren, ob das Management für die Beteiligung eines Dritten an der Postbank eine Prämie verdient hat. Dass der Aufsichtsrat diesem "Deal" überhaupt zugestimmt hat, schlägt dem Fass aber den Boden aus.

Nur zur Erinnerung: Die Postbank ist keine Investmentbank, die ihren Kunden "giftigen Finanzmüll" aufgeschwatzt hat, sondern Marktführer im Privatkundengeschäft. Das Institut konkurriert mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken, aber nicht mit Goldman Sachs.

Und Manager, die das Kunststück fertig bringen und bei einer Bank für Kleinsparer binnen Jahresfrist einen Verlust von mehr als 800 Mio. Euro zu "erwirtschaften", haben alles verdient, nur keine Bleibeprämie.

Pikanterweise hat CEO Klein während der Bilanzvorlage darauf hingewiesen, dass ein durchschnittlicher Postbanker per annum lediglich 50.000 Euro verdient. Seine Ankündigung, dass die Mitarbeiter die Krise leider, leider am eigenen Geldbeutel spüren werden, ist angesichts seiner Millionenprämie fürs Nichtstun der Gipfel der Unverfrorenheit.

P.S.: Die Mitarbeiterzahl der Postbank ist 2008 übrigens gesunken. Ende vergangenen Jahres verzeichnete das Institut 21.127 "Vollzeitkräfte" - 350 weniger als ein Jahr zuvor.

Während sich die 7.300 Beamten auch in Zukunft nicht um ihre Arbeitsplätze sorgen müssen, gilt das für die Angestellten nur bedingt. Für die meisten Mitarbeiter der Postbank haben die Betriebsräte einen Kündigungsschutz bis 2012 ausgehandelt.

Spätestens dann dürfte - so sich die Deutsche Bank die Post-Tochter bis dahin einverleibt hat - das große Zittern beginnen. Schließlich ist ein Unternehmenszusammenschluss keine Wohlverfahrtsveranstaltung, sondern hat vor allem den Zweck, die Kosten zu senken.

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close