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Fußball WM 2010: Dürfen Banker während der Arbeitszeit mitfiebern?

Es wird wieder ernst: Der Anstoß für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 erfolgt am kommenden Freitag (11. Juni) um Punkt 15 Uhr in Südafrika. Dabei trennen Berlin und Kapstadt 9420 Kilometer oder elf Flugstunden. Dennoch müssen deutsche Fans nicht wie in Japan und Südkorea vor acht Jahren zur Frühstückszeit vor den Fernseher eilen, denn in Südafrika gilt westeuropäische Zeit wie in Großbritannien. Doch anders als bei den Inselbewohnern gilt in Südafrika keine Sommerzeit. Mithin gibt es zwischen Berlin und Kapstadt keinerlei Zeitverschiebung.

Dennoch fallen einige Spiele in die Arbeitszeit: So wird beispielsweise die spannende Vorrunden-Partie zwischen Deutschland und Serbien am Freitag (18. Juni) um 12.30 Uhr angepfiffen. Dann wird sich zeigen, wer unter den deutschen Finanzdienstleistern ein guter – oder schlechter – Arbeitgeber ist.

Dabei sind die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Fußball-WM beachtlich – im positiven wie im negativen Sinne: So rechnet Klaus Wübbenhorst, Chef des Konsumforschungsunternehmens GfK, mit einer Belebung der Konjunktur: “Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Fußball-WM wieder ein kleines Konjunkturprogramm sein wird. Die Unternehmen werden mehr Werbung machen, Händler ebenso wie Sponsoren. Und die Kunden werden Flachbildfernseher, Radios, Trikots und WM-Acessoires kaufen. Das werden wir beim Konsum spüren.”

Doch das ist nur die Schokoladenseite. Dem gegenüber stehen die wirtschaftlichen Ausfälle aufgrund von WM-bedingten Krankschreibungen und mentaler Abwesenheit. Bei den Briten – die zumindest in der Vorrunde das gleiche Problem haben – wird mit Kosten von 1 Mrd. Pfund (1,2 Mrd. Euro) aufgrund von Arbeitsausfällen während der WM gerechnet, wie aus einer Erhebung des Chartered Management Institute hervorgeht.

Dabei haben sich branchenweit in den zurückliegenden Jahren flexible Arbeitszeitmodelle durchgesetzt, was das Mitfiebern der Fans erleichtern dürfte. Dennoch müssen viele Mitarbeiter um die WM-Freuden zittern, da viele Banken sich hierzu nicht äußern wollen. Hier ein Überblick:

Deutsche Bank: Der deutsche Branchenprimus lehnt eine Stellungnahme zu dieser wichtigen Frage ab. Mithin sind die Aussichten für die gut 30.000 Mitarbeiter in Deutschland ungewiss – zumindest was das Serbienspiel betrifft.

Commerzbank: Etwas auskunftsfreudiger zeigt sich die Nummer zwei in Deutschland: Bei der Commerzbank gibt es keine zentrale Regelung. Hier entscheiden die Führungskräfte vor Ort, ob ein Mitfiebern erlaubt ist oder nicht. Am Konzernsitz in Frankfurt wird indes eine Möglichkeit zum Public Viewing geschaffen – mit einigen hundert Plätzen.

Hypo-Vereinsbank: Bei der Tochter der italienischen Unicredit-Bank gilt die Arbeitszeitregelung “Flexibel im Team” (FIT). Demnach entscheiden die Führungskräfte in den Teams, ob die Spiele geschaut werden dürfen. “Flexible Arbeitszeitmodelle erlauben das grundsätzlich”, ergänzt ein HVB-Sprecher. Das Mitfiebern zähle jedoch nicht zur Arbeitszeit. Überdies würden einige Spiele in der Vereinsgaststätte des Betriebssportclubs übertragen.

DZ Bank: Auch das genossenschaftliche Spitzeninstitut muss bei dieser Frage passen.

Allianz: Die Allianz hat ihre Hausaufgaben gemacht und die Vorbereitung für das Serbienspiel bereits getroffen. “Da werden wir an allen Standorten der Allianz Deutschland das Spiel übertragen”, sagt eine Sprecherin des Versicherungsriesen. So werde beispielsweise am Standort München-Neuperlach ein Besprechungsraum mit Großleinwand und Kinobestuhlung für das denkwürdige Ereignis hergerichtet. Dennoch gibt es auch bei der Allianz einen Wermutstropfen: Die Mitarbeiter müssen ausstempeln und sich eine verlängerte Mittagspause genehmigen.

Munich Re: Obgleich die Munich Re kein Public Viewing plant, scheint die Weltmeisterschaft doch gerettet: “Die flexiblen Arbeitszeitmodelle bei Munich Re bieten unseren Mitarbeitern ein hohes Maß an persönlicher Freiheit bei der Einteilung ihrer Arbeitszeit. Dies ermöglicht unseren Mitarbeitern, bei Interesse, tagsüber Spiele der Fußballweltmeisterschaft sehen zu können”, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Postbank: Für das Serbienspiel ist die Postbank vorbereitet. Der Retailspezialist bietet an zwölf Standorten Möglichkeiten zum Public Viewing in den Räumlichkeiten des Unternehmens an.

NordLB: Obgleich noch nichts definitiv ist, wird bei der NordLB mit Hochdruck an einer Lösung für das Spiel gegen Serbien gearbeitet. Womöglich wird die Partie über Großleinwand übertragen.

BayernLB: Nach den Affären der zurückliegenden Jahre scheint die BayernLB das Thema WM ruhiger anzugehen. Laut einem Unternehmenssprecher sind keine Veranstaltungen geplant. Wer indes die betroffenen Spiele ansehen möchte und die Zeit erübrigen kann, der darf den Fernseher anschalten. Allerdings gilt auch hier: Es muss ausgestempelt werden.

LBBW: Auch die LBBW verweist auf ihre flexiblen Arbeitszeitmodelle. Demnach entscheiden die einzelnen Bereiche bzw. die Abteilungsleiter über konkrete Regelungen. “Wichtig ist, dass der Geschäftsbetrieb mit den Kunden nicht beeinträchtigt wird”, betont ein Unternehmenssprecher. Ein Public Viewing werde nicht zentral organisiert, dennoch würde die Angelegenheit von einzelnen Unternehmensteilen selbst aktiv in die Hand genommen. Glücklich dürfen sich beispielsweise die LBBW-Mitarbeiter in Mittelamerika schätzen: So werden die deutschen Spiele in dem German Center in Mexico-City tradionell auf einer Großleinwand übertragen.

WestLB:Bei der WestLB herrscht normale Arbeitszeit. “Da gibt es keine Sonderregelung”, hieß von Unternehmensseite.

Zum offiziellen Spielplan klicken Sie hier.

Kommentare (1)

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  1. Bei meiner Bank werden die WM-Spiele über das Intranet (!) übertragen.

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