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Banker wählen die Schweiz wegen guter Work/Life-Balance

Die Schweizer Finanzzentren stehen in dem Ruf, kostspielige Wohnorte zu sein. Zwei neue Studien zeigen, dass das nicht wirklich so ist.

Im letzten Monat veröffentlichte Mercer Human Resources Consulting, eine der weltweit führenden Beratungsgesellschaften, eine Studie, der zufolge Senior Manager in der Schweiz über die höchsten Realeinkommen unter den europäischen Führungskräften verfügen. Mit einem durchschnittlichen Einkommen von 133.000 Euro verdienen Schweizer Führungskräfte mehr als ihre Gegenstücke im restlichen Europa, fand Mercer heraus. Zieht man dann noch die reale Kaufkraft, basierend auf Steuern, Sozialbeiträgen und den loaklen Lebenshaltungskosten hinzu, können Schweizer Führungskräfte Mercer zufolge fast 50% mehr konsumieren als ihre Pendants in Frankreich oder Großbritannien.

Diese Ergebnisse werden von einer jüngst veröffentlichten Mercer-Studie zu den weltweiten Lebenshaltungskosten untermauert. Die Miete für eine Luxuswohnung mit zwei Schlafzimmern kostet in Zürich monatlich 1.487 Euro, in Genf 2.004 Euro, in Paris 1.900 Euro und in London 2.472 Euro, so Mercer. Ein Hamburger mit Pommes frites ist dagegen in London und Paris mit 6,38 Euro bzw. 5,90 Euro relativ günstig, verglichen mit 7,05 Euro in Schweizer Städten.

Banker wählen die Schweiz als ihr Arbeitsland

Der hohe Lebensstandard und die neu entdeckte Kosteneffizienz veranlassen Banker in die Schweiz zu gehen, sagen Recruiter. Philippe Le Gallo, Director beim Schweizer Finanzdienstleistungs-Rekruiter Sources Expert, berichtet, er bekomme wöchentlich 10 bis 20 Bewerbungen von Bankangestellten aus London, Paris, Frankfurt und Mailand. “Es geht um die Lebensqualität,” meint er. “Es ist einfach schöner, am Genfer See zu leben als in den Vorstädten von London.”

Isabelle Quehen vom Recruiter Isabelle Quehen Conseil berichtet Ähnliches: “Wir bekommen eine Menge Bewerbungen von Leuten aus London oder Paris, die wegen der Lebensqualität in die Schweiz wollen.”

Christian Sulger-Buel, Managing Director bei Sulger-Buel & Company, einem auf Private Banking spezialisierten Headhunter, meint, dass Leute zu einem Umzug von London nach Zürich oder Genf nachdenken, wenn ihre Kinder größer werden. “London ist toll für Singles und Paare mit jungen Kindern,” erzählt er. “Aber wenn Sie das Schulgeld für Ihre Kinder an englischen Schulen bezahlen müssen, wird das sehr teuer. Kontinentaleuropäer sind es einfach nicht gewohnt, solche Summe an Schulgeld zu zahlen.”

Boni oder Berge?

Die durchschnittlichen Gehälter für Führungskräfte mögen in der Schweiz höher sein, für Banker scheint das jedoch nicht zu gelten. Headhuntern zufolge sind die Boni in der Schweiz eher gering.

“In London zahlen Ihnen einige Banken nahezu unbegrenzte Boni,” sagt Le Gallo. “In der Schweiz sind die Bonifikationen selten höher als 50% des Fixgehalts.”

“In der Schweiz werden traditionell höhere Fixgehälter und niedrigere Bonifikationen gezahlt,” meint dazu Sulger-Buel. Der Leiter des Private Banking bei einer britischen Bank verdient ihm zufolge ungefähr 150.000 britische Pfund (226.300 Euro), zuzüglich einer Bonifikation, die das zwei- bis dreifache dessen ausmacht. In Zürich sei das Fixgehalt rund 20% höher, der Bonus betrage in der Regel aber nur 50- 100%.

Banker, die einen Wechsel in die Schweiz erwägen, sollten die finanziellen Nachteile einer niedrigeren Bonifikation gegen die Vorteile, nahe der Schweizer Berge und Seen zu leben, abwägen, raten Recruiter. Aufregung könnte ein weiterer Faktor sein. “Die Lebensqualität in der Schweiz ist enorm hoch,” meint Sulger-Buel. “Aber es ist auch sehr langweilig, aber das steht auf einem anderen Blatt…”

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