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TARIFVERHANDLUNGEN: Banker wollen Jobgarantie – Arbeitgeber lehnen ab

Überschattet von Stellenabbauplänen bei der Deutschen Bank sind die Tarifgespräche über ein neues “Rationalisierungsschutzabkommen” für die Beschäftigten bei privaten und öffentlichen Banken fortgesetzt worden.

In der dritten Tarifrunde forderte die Gewerkschaft Verdi am Dienstag in Frankfurt den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen, Standortsicherung und die Verlängerung der Altersteilzeit.

Für die Arbeitgeber geht es um Grundsätzliches. “Wir sind nicht bereit, über einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen auf Tarifebene zu verhandeln”, sagte Carsten Rogge-Strang, Sprecher des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV).

Der AGV führt die Verhandlungen gemeinsam mit dem Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB).

Eine solche Regelung finde sich in keinem Flächentarifvertrag, so Rogge-Strang weiter. Da 120 der 140 Mitgliedsinstitut mittelständische Banken seien, könne der Arbeitgeberverband eine solche Vereinbarung nicht unterschreiben.

Verdi hatte das Abkommen, das bereits 1983 unterzeichnet und seitdem mehrfach modifiziert wurde, bereits per Dezember 2008 gekündigt. De jure gilt das Vertragswerk für die Mitglieder der kleineren Gewerkschaften Deutsche Bankangestelltenverband und DHV aber weiter. In der Finanzbranche ist es aber üblich, dass mit Verdi ausgehandelte Verträge von anderen Arbeitnehmervertretungen übernommen werden.

Die Gesprächsrunde in Frankfurt wurde von Protesten begleitet. Rund 100 Bankbeschäftigte verlangten – in Anspielung auf den staatlichen Schutzschirm für Krisen-Institute – einen Schirm für Angestellte. Dazu stellten die Mitarbeiter vor dem Verhandlungsort, der Bundesanstalt für Finanzmarkstabilisierung (Soffin), zwei weiße Sonnenschirme auf.

Derweil gingen 300 Beschäftigte der Dresdner Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, dwp-Bank und Hamburger Sparkasse auf die Straße und forderten die Bankarbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Nach Ansicht der Arbeitgeber gibt es keinen breit angelegten Personalabbau infolge der Finanzkrise. Verdi-Sprecher Uwe Foullong dagegen betonte, dass “gerade im angeschlagenen Landesbankenbereich sehr viele Stellen in Gefahr” seien, und “die Mitarbeiter mehr Jobsicherheit” bräuchten.

Bereits im April hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften nach einem monatelangen Konflikt auf den Abschluss eines Gehaltstarifvertrages geeinigt. Danach bekamen die rund 250.000 Beschäftigten – die Arbeitgeber sprechen von 240.000 – von privaten Banken, Bausparkassen sowie Landes- und Förderbanken rückwirkend zum November vergangenen Jahres 2,5 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung.

Derweil meldet das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), dass sich die Finanzkrise bislang kaum auf den Arbeitsmarkt für Banker und andere Finanzexperten bemerkbar gemacht hat.

Im August seien rund 500 Banker mehr arbeitlos gewesen als vor einem Jahr, teilte das IW mit. Insgesamt seien im August rund 7100 Bankexperten ohne Job gewesen – ein Jahr zuvor seien es 6600 gewesen. In Deutschland gibt es nach Berechnungen des IW rund 588.000 Bankfachleute. Entsprechend liege die Arbeitslosenquote bei vergleichsweise niedrigen einem Prozent.

Auch bei anderen Finanzexperten habe sich die Krise bislang noch kaum in Form höherer Arbeitslosenzahlen ausgewirkt, so das IW weiter. Von den rund 188.000 Versicherungsfachleuten seien im August rund 5.200 ohne Job gewesen, eine Zunahme um rund 250 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres.

Die Verhandlungen zwischen Verdi und dem Arbeitgeberverband wurden vertagt. Das nächste Gespräch wird voraussichtlich Ende November/Anfang Dezember stattfinden.

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