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Rückblick 2008 – Die Stimmung war schlechter als die Lage

Die Finanzkrise hat doch noch Deutschland erreicht. Dabei wollten Entscheider wie Bundesfinanzminister dem Publikum doch tatsächlich weißmachen, dass es sich bei den Folgen der US-Hypothekenbankkrise um ein Problem der Angelsachsen, wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, handele.

Seit aber auch die Bild-Zeitung täglich über Rettungsfonds, Pleite-Banker und Domino-Effekte auf andere Branchen berichtet, wissen nicht nur notorische Schwarzseher, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Finanzdienstleister ernster ist als angenommen.

Gleichwohl gab es auch in diesem Krisenjahr Unternehmen, Geschäftsbereiche und Personengruppen, die Grund zum Strahlen hatten. “Dass man im Vergleich zum Rekordjahr 2007 Abschläge hinnehmen musste, war zu erwarten”, sagt Tim Zühlke, Personalberater bei Indigo Headhunters in Frankfurt. Zwar sei das Volumen im M&A-Geschäft um 30 Prozent gesunken, angesichts des hohen Niveaus im Vorjahr sei das aber immer noch ein gutes Ergebnis.

Ein gutes Jahr 2008

… feierten die Empfänger von Boni. Trotz der im Sommer 2007 ausgebrochenen Finanzkrise konnten sich die meisten Banker im Januar und Februar über die Extrazahlung freuen. Schließlich haben Institute wie die Deutsche Bank das Geschäftsjahr 2007 dank hoher Gewinne im Investmentbanking mit einem Rekordergebnis abgeschlossen.

… erlebten auch die Privatkundenberater. Plötzlich hat sie wieder jeder lieb. Sogar Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Dabei hätte der Investmentbanker diese Spezies Banker vor drei Jahren – im Zuge der Umwidmung des Instituts in eine “global führende Investmentbank (… mit starkem Privatkundengeschäft”) – am liebsten zur Adoption freigegeben. Nun, da sich die fetten Renditen aus dem Investmentbanking in milliardenschwere Bilanz-Hypotheken verwandelt haben, sind die verlorenen Söhne (und Töchter) wieder willkommen.

… hatten die Mitarbeiter der Citibank. Die Privatkunden-Tochter der US-Citigroup wurde wider Erwarten nicht an einen deutschen Konkurrenten verkauft, sondern an eine in Deutschland weitgehend unbekannte französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. Die hat auf dem Heimatmarkt die gleichen Probleme wie die meisten Banken in Deutschland: einen zu geringen Marktanteil gepaart mit zu niedrigen Gewinnmargen. Wachsen kann man dann nur noch im Ausland.

… verbrachten ETFs. Die börsengehandelten Indexfonds erlebten einen unvorhergesehenen Boom. Die passiv “gemanagten” Fonds lassen sich gerade in Krisenjahren besser verkaufen als “Stockpicker”-Fonds (die mehrheitlich schlechter abschneiden als der jeweilige Vergleichsindex.) Der Wermutstropfen für die betroffenen Asset Manager: Ihre Gehälter liegen natürlich deutlich unter den Salären der “aktiven” Kollegen”.

… Restrukturierer. Während Trading-, Derivate- und Finanzierungs-Team abspecken mussten oder aufgelöst wurden, stieg die Nachfrage nach Sanierungsexperten. Und im Gegensatz zur letzten Krise im Anschluss an den Dotcom-Boom mischen nicht nur die Deutsche Bank und Goldman Sachs in diesem Geschäft mit. Selbst Institute, wie die WestLB, die nur dank einer Finanzspritze des Steuerzahlers überhaupt noch atmen können, haben diesen Nischenmarkt als Wachstumsturbo entdeckt.

Ein hartes 2008 erlebten dagegen

Corporate-Finance-Banker. “Das Geschäft mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen ist tot”, sagt Patrick Riske, Personalberater bei Fricke Finance & Legal. “Und das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen läuft derzeit nur auf Sparflamme.” Froh sein dürfen all diejenigen, die ihren Job behalten, obwohl sie den lieben Tag vor allem Däumchen drehen. Anbieter aus der zweiten und dritten Reihe, wie die Concord Investment, zogen dagegen die Reißleine. Mehrere ECM-Mitarbeiter mussten gehen.

… die Mitarbeiter von Fidelity. In zwei Wellen hat der US-Fondsriese 30 Mitarbeiter in Frankfurt “entsorgt”. Nicht nur Mitarbeiter in Zentralfunktionen wie dem Personalwesen, Marketing und Controlling wurden entlassen, auch einen Vertriebsmitarbeiter trafs, sagte ein Insider.

… die Mitarbeiter von Commerzbank und Dresdner Bank. Im x-ten-Anlauf haben es die beiden Frankfurter Großbanken doch noch geschafft, einen weiteren nationalen Champion – neben der Deutschen Bank – zu schaffen. Sollte dieser Traum eines jeden Industriepolitikers tatsächlich wahr werden, dann ruht das Fundament der neuen Commerzbank auf den 9.000 Stellen, die im Zuge der Übernahme gestrichen werden sollen. Ein klitzekleiner Trost bleibt den betroffenen Bankern freilich. Das Management hat sich verpflichtet, bis 2013 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. So mancher Mitarbeiter, der gerade die 50 übersprungen hat, könnte so versucht sein, in den Vor-Vorruhestand zu gehen.

… die Private-Equity-Branche. Die als Heuschrecken verunglimpften Finanzköche mussten erleben, dass ihre Künste während eines Feuersturms nicht gefragt sind. Milliardenschwere Käufe sind verschwunden, weil die Banken auf Nummer sicher und die Kreditvergabe praktisch eingefroren haben. Finanziert werden nur noch Deals, im dreistelligen Millionenbereich. Freilich zu wenig, um die renditehungrigen Investoren zu weiteren Engagements zu bewegen. Von “Überrenditen” war 2008 jedenfalls keine Rede mehr.

… die Mitarbeiter von Hypo Real Estate und IKB. Die beiden Pleitebanken konnten nur durch Geldspritzen und Bürgschaften der Steuerzahler am Leben erhalten werden. Während das Überleben des Münchener Immobilienfinanzierers trotzdem weiter an einem seidenen Faden hängt, können sich die Mitarbeiter der IKB einmal bei den Kollegen der Coreal Creditbank anschauen, wie der neue Eigentümer – die auf Pleitekandidaten spezialisierte US-Heuschrecke Lone Star – die frühere Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden saniert hat. Natürlich auf Kosten der Arbeitnehmer!

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