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Kommentar: Gehaltsgefälle bei Zentralbankern ist ein Unding

Notenbanker müsste man sein. Am besten in der Schweiz. Denn trotz Finanzkrise durften sich die eidgenössischen Inflationsbekämpfer im vergangenen Jahr über eine mehr als großzügige Saläraufbesserung freuen.

Wie aus dem jetzt veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht, haben die drei Mitglieder des Direktoriums, Präsident Jean-Pierre Roth, Philipp Hildebrand und Thomas Jordan im vergangenen Jahr ein Fixgehalt von je 814.700 Franken bekommen. Das entspricht etwa 533.000 Euro bzw. 723.000 Dollar.

Berücksichtigt man bei Roth noch die Beiträge für seine Pensionskasse steigt die Summe sogar auf 1,1 Mio. Franken. Im Vorjahr musste sich der Chef der Zentralbank dagegen noch mit 845.000 Franken bescheiden.

Nicht nur das gemeine Volk dürfte Roth ob dieses Einkommens beneiden. Auch der eine oder andere Kollege in wesentlich größeren – und vermutlich wichtigeren – Notenbankzentralen könnte sich da unterbezahlt vorkommen.

So führte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der Franzose Jean-Claude Trichet mit Jahresbezügen von 351.816 Euro im vergangenen Jahr ein vergleichsweise bescheidenes Dasein. Und zwar nicht nur im Vergleich zu den Eidgenossen, sondern auch im Vergleich zu rangniederen Kollegen.

Warum ausgerechnet der Chef der deutschen Bundesbank, Axel Weber als einfaches Mitglied im erweiterten EZB-Rat mit 379.514 Euro deutlich mehr als Trichet verdient, bleibt jedenfalls ein Räsel. Das wäre so, als ob der Chef einer Landeszentralbank mehr als Weber verdienen würde. Schließlich hat die Bundesbank seit der Gründung des Euros operativ nichts mehr zu entscheiden.

Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, hat im vergangenen Jahr trotz permanenten Verfehlens des Inflationsziels von zwei Prozent immerhin noch 290.000 Pfund Sterling verdient. Nach dem das Pfund in den vergangenen Monaten bis zu einem Drittel seines Wertes im Vergleich zum Euro verloren, liegt er mit umgerechnet 310.000 Euro ungefähr auf EZB-Niveau.

Dass es sich bei diesem Betrag in Wahrheit um einen Fliegenschiss handelt, wird deutlich, wenn man sich die Pension des in die Wüste geschickten Chef der Royal Bank of Scotland anschaut: Fred “the Shred” Goodwin muss seit seinem Rausschmiss mit der bescheidenen Summe von rund 700.000 Pfund auskommen – pro Jahr versteht sich.

Den Gehaltsvogel schießen übrigens die Amerikaner ab. Der (vermutlich) mächtigste Notenbanker der Welt, Federal-Reserve-Chairman Ben Bernanke, verdiente zuletzt 191.300 Dollar (141.000 Euro) – nicht pro Monat, sondern für das ganze Jahr.

Es ist natürlich müßig, darüber zu spekulieren, wie dieses irrwitzige Einkommensgefälle zustande kommt. Hoffentlich drücken die jeweiligen Regierungen in den Aufsichtsgremien damit nicht nonverbal ihre Wertschätzung für ihre Währungshüter aus.

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