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Kommentar: Warum die Demokratie Gehaltsgrenzen für Manager verhindert

Merkels Koalition will die Höhe von Manager Gehältern kappen, bellte Bloomberg am Montag Abend ins Off. Eine schöne Schlagzeile: interessant, schrill – und vor allem exklusiv.

Ob sich über letzteres aber einer bei der Nachrichtenagentur freuen kann, darf bezweifelt werden. Statt dessen hätte die “Newsagency” Ronald Pofalla ihr Ohr leihen sollen. Der umtriebige CDU-Generalsekretär widersprach noch am Montag Abend dem von der SPD bereits am Wochenende lancierten Vorschlag: Mit dem süffisanten, für Journalisten peinlichen Hinweis, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe.

Was lehrt uns diese kleine Episode aus dem aufregenden Medienalltag? Das Thema Gehaltsgrenzen/Boni für bessere Menschen/Besserverdiener/Banker mit Billionenverlusten wird uns noch lange beschäftigen. Ändern freilich wird sich wahrscheinlich nichts.

Natürlich kann den Sozis – nach dem selbstgemachten Wahldesaster in Hessen – niemand verdenken, dass sie sich an das Thema Gehaltsobergrenzen klammern wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Und diese Reizthema hat auf jeden Fall genug Spannkraft, um die SPD noch stärker als zuletzt aus dem Stimmen-Jammertal nach oben zu katapultieren.

Das weiß natürlich auch die CDU, die unter anderen Umständen vermutlich ebenfalls für Obergrenzen beim Verdienst eintreten würde. Leider, leider ist den Roten das Thema aber früher eingefallen. Damit wäre ein entsprechender Gesetzentwurf für die Schwarzen als Wahlkampfmunition nicht nur unbrauchbar, sondern extrem gefährlich. An der Wahlurne würden nicht wenige “wechselwillige Wechselwähler” zum Kreuzchen bei der SPD neigen. Und das muss ein guter Politik-General natürlich verhindern.

Pofallas Hinweis, das weitere Vorgehen in einer Arbeitsgruppe der Koalition zu besprechen, ist deshalb vor allem ein Versuch, Zeit zu gewinnen. In der vagen Hoffnung, dass das Thema Boni in ein paar Monaten keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlocken wird.

Sollte die Union – wie es die Umfragen (noch) vorhersagen – tatsächlich mit der FDP auf Bundesebene eine Koalition bilden können, dann wird die Partei der Freiheit schon dafür sorgen, dass ihre Bonus-Empfänger-Klientel auch in Zukunft befreit von öffentlicher Empörung und effekthaschenden Schlagzeilen ihre Gewinnbeteiligung – ob verdient oder nicht – kassieren kann.

Ein Hoch auf die Demokratie – selbst wenn sie dafür sorgt, dass alles so bleibt, wie es ist.

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