☰ Menu eFinancialCareers

PwC-Nachfrage nach Insolvenz-Spezialisten rückt Konkurse ins Rampenlicht

Könnten Sanierungen und Insolvenzen der nächste Zug sein, auf den man aufspringen muss? Personalberater berichten, das Thema sei zurzeit nicht so heiß, aber als weltgrößter Spezialist für Insolvenzen ist PwC vielleicht der Branche einen Schritt voraus.

Auf den ersten Blick erscheint dies unwahrscheinlich. Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Großbritannien ist auf einem Allzeittief, stattdessen sind Privatinsolvenzen und Konkurse kleinerer Unternehmen auf dem Vormarsch.

Doch ein Rekordschuldenstand britischer Unternehmen hat Ängste aufkommen lassen, dass einige Firmen in Zeiten härteren wirtschaftlichen Klimas zu kämpfen haben werden. Kreditversicherer Euler Hermes hat kürzlich ein Abbremsen des Wirtschaftswachstums in Großbritannien für 2005 auf 2,3% prognostiziert, und obwohl Euler Hermes gleichzeitig einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 11% erwartet, könnten sich doch immer mehr Unternehmen als Sanierungsfall wiederfinden.

Unterdessen investieren viele US-Fonds in britische Turnaround-Kandidaten. Dies alles bedeutet, dass für größere Beratungsfirmen Unternehmensrestrukturierungen und Sanierungen zunehmend die reine Insolvenzabwicklung ersetzt. Der Trend, aufkommende Probleme bereits in sehr früheren Stadien anzugehen, ist nicht auf die großen Konzerne beschränkt, sondern setzt sich zunehmend auch bei den mittelgroßen Unternehmen durch.

Ian Powell, Partner und Leiter der “Business Recovery Services” bei PricewaterhouseCoopers in Großbritannien berichtet: “Wir erneuern unser Team im traditionellen Geschäft weiterhin kontinuierlich, aber wir erkennen natürlich Entwicklungen am Markt und stellen speziell Kräfte mit Kenntnissen in den neuen Markttrends ein.” PwC zielt dabei insbesondere auf die Sektoren Handel, Versorger und Telekommunikation ab.

Duncan Swift, Leiter der Ernährungs- und Landwirtschaftsabteilung bei Grant Thornton Recovery and Reorganisation, bestätigt: “Es mag weniger Insolvenzen geben, aber es gibt eine versteckte Nachfrage nach “Auferstehungsspezialisten” mit einem ausgeprägteren Geschäftssinn als die traditionellen Insolvenzverwalter ihn haben.

Swift berichtet zudem von einer starken Nachfrage an anderer Stelle: “Wir stellen mehr Kräfte für unsere Restrukturierungsteams ein und suchen zunehmend nach Finanzbuchaltungsgeneralisten mit einer mehr als vierjährigen Erfahrung in Sanierung und Rettung großer Unternehmen, die es gewohnt sind, Geschäftsleitungen zu unterstützen und echte Turnaround-Arbeit zu leisten.”

Und diese Nachfrage erstreckt sich auch auf Nicht-Buchhalter: “Wir suchen auch Senior Manager, die bereits erfolgreich Unternehmen durch harten Zeiten gelenkt haben und die eine neue Laufbahn einschlagen wollen, in der sie anderen Unternehmen helfen, ebenso erfolgreich zu sein.”

Aber was ist mit all den Privatinsolvenzen – diese bedeuten doch garantiert Mehrarbeit für Spezialisten für Privatinsolvenz?

“Ich bin aufgrund von Privatinsolvenzen um einiges mehr beschäftigt,” sagt Rachael Davison, eine auf Privatinsolvenzen spezialisierte Beraterin bei Ensors Chartered Accountants in Ipswich, England.

“Grant Thornton stellt auf allen Ebenen Kräfte ein, die die zunehmende Menge an Privatinsolvenzen und freiwilligen Individualregelungen bearbeiten sollen,” berichtet Swift. “Das sind in der Regel Leute mit einer klassischen Ausbildung im Rechnungswesen, die sich auf Privatinsolvenzen spezialisieren, oder sie kommen sogar aus der Verwaltung.”

Aber Personalberater scheinen dieser Entwicklung hinterher zu hinken. “Personalvermittlungsfirmen scheinen nicht sehr interessiert zu sein an Kräften, die im Bereich Privatinsolvenzen arbeiten wollen,” berichtet Davison von Ensors. “Sie halten es vielleicht für zu langweilig.”

Im Moment ist der Markt für traditionelle Insolvenzverwalter in der Tat eng. Scott Burkeman, Insolvenz-Spezialist beim Personalvermittler Michael Page in London erklärt: “Der Markt ist nicht mehr so betriebsam wie noch vor 18 Monaten, aber für Top-Kandidaten mit Spezialisten-Qualifikationen gibt es immer eine Nachfrage.”

Die Jahresgehälter für diplomierte Finanzbuchhalter mit dreijähriger Berufserfahrung betragen in den Sanierungs-, Restrukturierungs- und Insolvenzverwaltungs-Teams der Big Four in London derzeit rund 40.000 britische Pfund (58.000 Euro), während die Bezahlung für Manager mit einer Qualifikation des Joint Insolvency Examination Boards (JIEB) bei 45.000 bis 55.000 Pfund (65.000 bis 80.000 Euro) beginnen.

In Leeds, einem Zentrum des Insolvenzgeschäfts, gibt es ebenfalls keine erhöhte Nachfrage nach Insolvenz-Spezialisten, wie Lee Sweeney von Sharp Consultancy berichtet. “Es mag weniger Insolvenzen geben, aber dafür gibt es mehr Arbeit. Wenn sie einstellen, suchen die Unternehmen Bewerber mit Erfahrungen in der Restrukturierung, denn das ist derzeit das Geschäft. Die besten Möglichkeiten gibt es auf den Management-Ebenen – und trotz des Rückgangs der Unternehmensinsolvenzen gibt es keine Entlassungen in diesem Bereich.”

Qualifizierte Finanzbuchhalter mit dreijähriger Berufserfahrung in der Wirtschaftsprüfung können in die Insolvenzarbeit wechseln und dort zwischen 30.000 und 40.000 britische Pfund (43.000 bis 58.000 Euro) verdienen, erklärt Sweeney, “aber mit einem JIEB-Abschluss kann noch eine Schüppe mehr draufgelegt werden, denn ein solcher zeigt, dass man Kenntnisse und Ehrgeiz hat.”

Für diejenigen mit einer bestehenden Buchhaltungsspezialisierung ist es nicht so einfach, in den Bereich Insolvenzen und Restrukturierungen zu wechseln – die Meisten beginnen ihre Laufbahn in diesem Bereich innerhalb von drei Jahren nach dem Abschluss – aber es ist möglich.

Die JIEB-Qualifikation ist nicht vorgeschrieben für eine Arbeit im Bereich Insolvenzen und Sanierungen, und die meisten Arbeitskräfte in diesem Sektor – geschätzt etwa 6.000 bis 7.000 – haben sie auch nicht. Aber es kann ihrer Karriere einheizen: “Das JIEB-Examen wird in der Regel die Karriereaussichten und die Bezahlung verbessern,” erklärt Steven Law, Mitglied des R3-Gremiums, der Vereinigung der professionellen Unternehmenssanierer, und Leiter der Insolvenzen-Abteilung bei Ensors.

Sie werden Spaß an der Arbeit haben müssen – und die dreht sich nicht nur um die Nachwirkungen finanzieller Desaster. In vielen Fällen ist es ein Saniererjob – wenn Sie also Spaß an der Herausforderung haben, ein Unternehmen aus einer schwierigen Situation zu retten, könnte dies eine Arbeit für Sie sein.

Die JIEB-Qualifikation wird im Insolvenzenbereich in der Regel nur für Positionen im Management benötigt. Für Finanzbuchhalter kann dieser Kurs im Abend- und Wochenendstudium in einigen Monaten abgeschlossen sein. Die Quote derjenigen, die ihn im ersten Anlauf bestehen, beträgt allerdings nur 40%. Sie benötigen dieses Examen, zuzüglich Berufserfahrung und Mitgliedschaft in der “Insolvency Practitioners’ Association”, um lizenzierter Insolvenzverwalter zu werden, womit Sie Teil einer 1.600-Mann-starken Elite werden.

Für weitere Informationen über die JIEB-Qualifikation, besuchen Sie www.r3.org.uk

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier