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Glück im Unglück – die Gehaltsentwicklung im deutschen Bankensektor

Wer im Bankensektor in nächster Zukunft Gehaltssteigerungen anvisiert, begibt sich idealerweise in die Kundenbetreuung, die Kreditabteilungen oder die Anlageberatung. Nach aktuellen Studienergebnissen der Vergütungsberatung Personalmarkt sind in jenen Bereichen im Gegensatz zum aktuellen Branchentrend noch Gehaltssteigerungen möglich. Während Filialleiter, Softwareentwickler und Controller in den vergangenen zwei Jahren die größten Gehaltseinbußen der Branche hinnehmen mussten, konnten Kreditberater, Kundenbetreuer und Anlageberater im gleichen Zeitraum ihre Durchschnittsgehälter signifikant steigern.

Der Gehaltsmaßstab der Studie hat sich an realen Gehältern der Banker, unabhängig von tariflichen Vereinbarungen, orientiert: “Als Grundlage haben uns reale Gehälter inklusive Prämien, Überstundenregelungen, betrieblicher Altersvorsorge und anderer Sonderbezüge gedient”, erklärt Tim Börger, Geschäftsführer von Personalmarkt das Studiendesign.

Besonders heftig hat es nach Angaben der Studie die Filialleiter getroffen, deren Jahresgehälter zwischen den Befragungsperioden 2003/2004 und 2004/2005 um rund 5.000 Euro von durchschnittlich 74.329 Euro auf 69.289 Euro zurückgegangen sind. Aber auch die Controller mussten den Studienergebnissen zufolge deutliche Einbußen von rund 2.500 Euro hinnehmen. Ihre durchschnittlichen Grundgehälter sanken damit von knapp 59.000 Euro auf 56.500 Euro.

Die Gewinner der Branche waren dagegen Mitarbeiter der Kreditabteilungen. Ihre Gehälter wuchsen im betreffenden Zeitraum um 3.659 Euro auf ein durchschnittliches Jahresgehalt von 93.369 Euro an. Damit waren sie insgesamt die Spitzenverdiener unter den Befragten.
Auch die Anlageberater hatten allen Grund zur Freude: Ihre Grundgehälter stiegen um beinahe 1.600 Euro von 62.272 Euro auf 63.860 Euro.

Die Studie basiert auf anonymen Befragungen bei allen Bankengruppen. Ihre Validität vor allen Dingen auf die Höhe der Datensätze stützt. Daher ist nicht bekannt, wie hoch die konkreten Anteile der einzelnen Bankensektoren an den Studienergebnissen sind.

“Die Gehaltsentwicklung hängt jedoch stark vom Sektor ab: Die Gehaltsunterschiede zwischen beispielsweise privaten Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind deutlich”, meint Arne Sievert, Personalberater bei Kienbaum Executive Consultants.

Auch die Kollegin bei einem Frankfurter Headhunter pflichtet Sievert bei: “Letztes Jahr haben zum Beispiel die Bondmärkte geboomt. Die Gehälter und Prämien von Bondspezialisten sind daraufhin gestiegen. Dieses Jahr beleben sich die Aktienmärkte und damit auch die Gehälter in diesem Segment.”

Es ist schwer, die Gehälter in den unterschiedlichen Banken in nur einer Studie zu betrachten. Die Sektoren sind zu unterschiedlich, um sie wirklich adäquat vergleichen zu können. Nichtsdestotrotz belegt die Studie einen Gehaltstrend im Bankensektor, den alle Personalberater bestätigen konnten: “In den letzten fünf Jahren sind die variablen Gehälter im Vergleich zum fixen Anteil deutlich gestiegen. Das bezieht sich sowohl auf den variablen Anteil am Gesamtgehalt als auch auf die Anzahl derjenigen, deren Gehalt überhaupt eine variable Komponente beinhaltet”, erzählt Böger.

Damit hängt im Bankensektor die eigene Gehaltsentwicklung künftig zunehmend von der ganz privaten Leistung des Einzelnen ab. So sichern sich die Banken sowohl gegen Leistungsausfall als auch gegen schwächelnde Märkte ab. Dabei gilt die einfache Faustregel: Je größer die Nähe zum Markt, desto höher das Risiko und desto höher fällt auch der erfolgsbezogene Anteil des Gehalts aus.

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