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Österreich: Auch kein El Dorado für deutsche Banker

Auswandern ist in: 165.000 Personen kehrten Deutschland im Jahr 2007 den Rücken. Unser Nachbarland Österreich zählte dabei mit zu den beliebtesten Auswandererländern – 10.000 Deutsche siedelten dem Statistischen Bundesamt (Destatis) zufolge im vergangenen Jahr in die Alpenrepublik um. Auch der ein oder andere Banker war sicher darunter.

Denn gerade für Banker scheint Österreich auf den ersten Blick ein gutes Pflaster zu sein, kam doch die alpenländische Bankenbranche bislang recht stabil durch die aktuelle Finanzkrise. “Österreichs Finanzwirtschaft hat sich, so wie das unsere Stresstests in den vergangenen Jahren indiziert haben, auch im Realitätstest als stabil und schockresistent erwiesen”, erklären jüngst die beiden Vorstände der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA, Mag. Helmut Ettl und Dr. Kurt Pribil.

Also, alles eitel Sonnenschein in Österreichs Banken? Die Einschätzung, dass einen Banker angesichts der Stressresistenz der Banken ebenfalls ein sorgenfreies Arbeitsleben erwartet, widerlegt eine Befragung der Arbeiterkammer (AK) Salzburg unter den Bankangestellten des Bundeslandes. Diese ergab: Die Stimmung der Beschäftigten bei Banken ist deutlich schlechter als allgemein angenommen.

Arbeitsbelastung, Druck, Überwachung

Rund 40 % der Befragten gibt beispielsweise an, durch die strukturellen und betrieblichen Veränderungen in der Bankenbranche Nachteile zu erleiden: “Geklagt wird vor allem über zusätzliche Aufgaben und somit höhere Arbeitsbelastung, mehr Druck und verstärkte Überwachung”, sagt Walter Steidl, Regionalgeschäftsführer der Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA-DJP).

Salzburgs Banker seien fast doppelt so stark durch psychischen Stress und Innovationsstress belastet als die Mitarbeiter in anderen Branchen. Hauptklagegrund war die steigende Arbeitsbelastung der Banker – 87 % der Befragten, die unter Stress leiden, nannten den wachsenden Arbeitsumfang als Grund. Fast die Hälfte leidet der Studie zufolge unter starker Burn-Out-Gefährdung.

“Wo der Schuh drückt, zeigen vielfach die Kommentare zusätzlich zu den standardisierten Fragen”, erläutert Hilla Lindhuber von der AK Salzburg die Detailergebnisse der Studie. “Eine häufige Klage ist, dass Banken zu Vertriebsmaschinen werden und Berater zu Keilern.” Hinzu kämen unrealistische Zielvorgaben, die zu einem immensen Verkaufsdruck führen, bürokratische Auflagen und laufende Kontrollen.

Verkaufsdruck, Überwachung, Arbeitsbelastung – all das dürfte deutschen Bankern unangenehm bekannt vorkommen. Die zunehmenden psychischen und physischen Belastungen deutscher Banker haben ja jüngst auch deutsche Gewerkschaften beklagt. Trotz der im Vergleich zu Deutschland also durchaus besseren Stimmung in der Bankenbranche erwartet deutsche Banker bei einem Wechsel nach Österreich also kein El Dorado!

Kommentare (1)

Comments
  1. Für unsere österreichische Bankenwelt gilt: Alles, was eine Expertise hat, die den Banken in Bezug auf Osteuropa weiterhilft, ist gefragt. Der Rest dämmert eher so dahin wie unsere Nationalmannschaft…

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