Commerzbank plant größte Kapitalerhöhung der Geschichte: Was dies für die Portemonnaies der Mitarbeiter bedeutet

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Mit der größten Kapitalerhöhung der deutschen Geschichte setzt die Commerzbank zum Befreiungsschlag an. Durch die Ausgabe neuer Aktien in zwei Schritten will das Institut bis Juni insgesamt rund 11 Mrd. Euro an neuem Kapital aufnehmen und die stille Einlage des Bundes von noch 16,2 Mrd. Euro zu einem Großteil begleichen.

Darüber hinaus will die Commerzbank aus eigenen Mitteln 3,27 Mrd. Euro beisteuern. Damit hätte das Institut 14,3 Mrd. oder knapp 90 Prozent der stillen Einlage des Bundes bedient. Die verbleibenden 1,9 Mrd. Euro will das Institut zu 9 Prozent voll verzinsen, was eine Summe von 171 Mio. Euro für 2011 ausmacht.

Die restliche Summe soll in den Folgejahren sukzessive beglichen werden. "Das wuppen wir dann aus eigener Kraft", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing auf der Pressekonferenz am heutigen Mittwoch (6. April) in Frankfurt.

Wieso die Kapitalerhöhung eine gute Nachricht für die Mitarbeiter ist...

Laut Gesetz sind die Gehälter bei der Commerzbank gedeckelt, wenn die stille Einlage des Bundes nicht zu 50 Prozent zurückbezahlt ist oder die Commerzbank die Verzinsung nicht voll erbringt. Mit der laufenden Kapitalerhöhung und der Zinszahlung von 171 Mio. Euro für 2011 sind beide Kriterien für die Deckelung hinfällig. "Wenn wir die 170 Mio. Euro geschafft und gezahlt haben, dann wird es in diesem Jahr auch keinen Gehaltscap geben", betonte Blessing.

Damit ist bei der Commerzbank der Weg frei für die Anhebung von Gehältern und Boni. Bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2010 hatte Blessing die Höhe der variablen Vergütung für 2010 bereits als "untere Bandbreite" bezeichnet.

...und wieso die Kapitalerhöhung eine schlechte Nachricht sein könnte

Mit der Ausgabe neuer Aktien in Höhe von insgesamt 11 Mrd. Euro fällt üblicherweise der Wert der Altaktien - ein Effekt, der als Verwässerung bezeichnet wird. Dies könnte auch so mancher Mitarbeiter der Commerzbank am eigenen Portemonnaie zu spüren bekommen. So hat das Institut für 2010 variable Vergütungen von gut 440 Mio. Euro bezahlt, was rund 10 Prozent der gesamten Personalaufwands ausmachte.

Wie bei anderen Banken auch wird mit steigender Höhe der Boni ein wachsender Anteil der variablen Vergütungen in aufgeschobener Form ausbezahlt, was über aktienbasierte Instrumente erfolgt. Kurz: Die aufgeschobenen Vergütungsbestandteile dürften durch die Kapitalerhöhung und die folgende Verwässerung kräftig im Wert fallen.

So steht es zumindest im Lehrbuch. Die Kursentwicklung der Commerzbank-Aktie nach der Bekanntgabe der Kapitalmaßnahme gibt indes Anlass zur Hoffnung. So legte die Aktie bis Mittag um etwa 3,5 Prozent auf rund 5,80 Euro zu, womit sich der Wert an die Spitze des DAX katapultierte.

Im Financial Time-Blog Alphaville wird über die Gründe für diese erstaunliche Entwicklung spekuliert. Die Blogger gehen davon aus, dass einige Shortseller auf dem falschen Fuß erwischt wurden und sich mit Commerzbank-Aktien eindecken mussten.

Doch viel wichtiger dürfte die Frage sein, wie sich die Aktie mittelfristig entwickelt und auch hier spricht einiges für eine positive Überraschung. "Wir nehmen dem Markt die Unsicherheit, die er vorher hatte", sagte Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz bei der Pressekonferenz. Einen dritten Schritt zur Kapitalerhöhung erteilte Strutz eine Absage. Tatsächlich hatte die Unsicherheit über die Rückzahlung der stillen Einlage des Bundes in Höhe von 16,2 Mrd. Euro in den vergangenen Monaten wie Blei auf der Aktie gelegen. Diese Unsicherheit scheint jetzt verflogen.

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