Branche erklärt X: Versicherungen – Immer bereit für den schlimmsten Fall

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Im Versicherungsgeschäft geht es um mehr als Autoversicherungen und Altersvorsorge.  Vielmehr handelt es sich um eine Riesenbranche, die in 2010 weltweit Prämien in Höhe von 4,3 Billionen US-Dollar einsammelte.

Auch als Arbeitgeber ist die Branche nicht zu unterschätzen. So beschäftigen Versicherungsunternehmen allein in den Vereinigten Staaten, dem größten Versicherungsmarkt der Welt, rund 2,3 Mio. Mitarbeiter. In Großbritannien sind es 275.000 Beschäftigte und auch in Deutschland geht die Beschäftigtenzahl in die Hunderttausende.

Dabei gibt es zwei recht unterschiedliche Gebiete:

Versicherungen – Hierbei geht es um die Absicherung von Standardrisiken für Privatpersonen und Unternehmen. Dabei kann es sich um Sachversicherungen wie Haftpflicht- oder Autoversicherungen oder um Personenversicherungen wie z.B. eine Risikolebensversicherung handeln. Darüber hinaus kommt der Branche – gerade auch in Deutschland – bei der privaten Altersvorsorge mit Renten- und Kapitallebensversicherungen eine zentrale Rolle zu.

Rückversicherungen – Dieser Markt ist deutlich kleiner. Rückversicherungen wie die Munich Re in Deutschland und die Swiss Re in der Schweiz versichern andere Versicherungskonzerne gegen Großschäden wie z.B. Erdbeben und Flutkatastrophen ab. Darüber hinaus versichern sie Großprojekte, die von Standardversicherungen nicht abgedeckt werden.

Keyplayer

Stellen und Karrierewege

Underwriting – Dabei handelt es sich um die Mitarbeiter, die im Auftrag der Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften die Risiken zeichnen. Daher müssen sie u.a. Risikoanalysen anstellen, Branchenstatistiken, demografische Entwicklungen usf. durchgehen sowie die Kunden selbst einschätzen.

Aktuare – Versicherungen bieten viele Arbeitsplätze für Mathegenies an, wozu namentlich die Aktuare zählen. Diese entwickeln auf Basis von statistischen und anderen mathematischen Modellen Risikobewertungen, die die Grundlage für die Entscheidungen der Underwriter bieten.

Vertrieb – Versicherungsgesellschaften unterhalten riesige Vertriebsorganisationen. Diese beraten z.B. Privatkunden bei der Absicherung ihrer Risiken und der Altersvorsorge.

Schadensbearbeitung – Die Mitarbeiter dort wickeln die Zahlungen für Schäden ab. Dabei geht es nicht um Verwaltungstätigkeiten, sondern auch um die Bekämpfung von Versicherungsbetrug.

Vergütungen und Boni

Aktuare zählen zu den bestbezahlten Mitarbeitergruppen der Branche. Laut dem Bureau of Labor Statistics liegt der Median der Jahresgehälter in den Vereinigten Staaten bei 88.000 US-Dollar, wobei allerdings die Top 10 Prozent über 160.000 Dollar einstreichen. In Deutschland hat eine Umfrage der Deutschen Aktuar Vereinigung von Ende 2010 ein Bruttojahresgehalt von rund 80.000 Euro ermittelt. Allerdings werden diese Zahlen durch den hohen Anteil von jungen Wirtschaftsmathematikern, die sich noch in der Ausbildung zum Aktuar befinden, statistisch nach unten gezogen. Diese Gruppe erzielte Jahresgehälter von 50.600 bis 90.000 Euro. Vor allem in jüngster Zeit arbeiten immer mehr Aktuare als Consultants oder Contractor an Projekten, die mit der Einführung der europäischen Liquiditätsrichtlinie Solvency II zusammenhängen. Ähnlich wie bei Basel III bei den Banken sollen mit schärferen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften eine Zahlungsunfähigkeit von Versicherern vermieden werden. Dabei wird von Aktuaren in Großbritannien berichtet, die für derartige Projekte ein Tageshonorar von 2000 Pfund verlangen.

Anforderungen

Die Qualifikation zum Aktuar kann mehrere Jahre dauern. Allerdings werden die Kosten zumeist von den Arbeitgebern bestritten. Um einen Fuß in die Tür zu bekommen, benötigen Sie einen mathematisch ausgerichteten Studienabschluss.

„Bewerber müssen ihre analytischen und sozialen Kompetenzen bereits in Praktika bewiesen haben. Idealerweise haben sie dabei ihr Talent für Versicherungs- und Finanzprobleme gezeigt“, sagt Verena König vom Talentmanagement der Munich Re. „Persönlicher Einsatz, gute Kommunikationsfähigkeit und Offenheit runden das Idealprofil ab“, ergänzt König.

Auch für Stellen im Underwriting ist ein souveräner Umgang mit Zahlen und Kommunikationsfähigkeit gefragt, da dort mit Kollegen aus anderen Abteilungen und Kunden zusammengearbeitet werden muss.

Versicherungsgesellschaften haben mit einem immer herausfordernderen Umfeld zu kämpfen. So stellt Solvency II beispielsweise auch bei der Arbeitsabwicklung und in der Technologie hohe Anforderungen. Bei der Entwicklung des regulatorischen Umfelds auf dem Laufenden zu bleiben, ist daher wertvoll und „hilft sicherzustellen, dass Sie die Stellenaufgaben wirksam und effizient ausführen“, ergänzt Jonas Ang, Head of Human Resources bei AIA in Singapur.

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