Wiener Streichkonzert: Bank Austria will bis zu 1000 Stellen abbauen

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WillibaldCernko

Bank Austria-Chef Willibald Cernko.

Die Kunst des Streichkonzerts beherrschen auch die Österreicher. Laut Bank Austria-Chef Willibald Cernko sei die Alpenrepublik völlig „over-banked“. Daher müsse ein signifikanter Anteil der noch 360 Filialen des Instituts in Österreich dichtgemacht werden, kündigte Cernko jetzt an. Auf eine konkrete Zahl, wie viele Stellen gestrichen werden, wollte sich der Chef der österreichischen Unicredit-Tochter indes nicht festlegen. Es könne aber durchaus auf 10 Prozent der noch 10.000 Stellen hinauslaufen.

Um wirtschaftlich zu arbeiten, müssten Bankfilialen 5000 Kunden betreuen. Dagegen gebe es hierzulande zu viele Filialen, die lediglich 2000 Kunden aufwiesen. Mithin werde in den kommenden fünf Jahren republikweit ein Drittel aller Bankfilialen wegfallen.

Die Rentabilität des Bankgeschäfts liege europaweit bei 5 Prozent; in Österreich seien es immer noch 7,5 Prozent. Vor der Krise seien es indes 10 bis 12 Prozent gewesen. Einen ähnlichen Wert will auch die Bank Austria künftig wieder erreichen.

Laut der Wirtschaftsberatung McKinsey sind in Europa rund 10 Prozent Eigenkapitalrendite erforderlich, um die Kapitalkosten zu decken. Auch die Consultants hatten dem europäischen Retailgeschäft einen beträchtlichen Konsolidierungsbedarf attestiert.

Allerdings rechnet Cernko damit, um betriebsbedingte Kündigungen herumzukommen. Denn die Bank Austria beschäftigt eine hohe Zahl altgedienter Mitarbeiter. Daher stehe ab 2014 eine Pensionierungswelle an. „Nicht jede Stelle muss dann wieder neu besetzt werden“, sagte Cernko.

An die Stelle des ausgedünnten Filialgeschäfts sollen Partnergeschäfte treten, wie sie z.B. die Post in ländlichen Gebieten betreibt. Ebenso sollten die neuen elektronischen Medien  wie z.B. Smartphones intensiver genutzt werden.

Das Wiener Streichkonzert dürfte auch in München aufmerksam verfolgt werden. Denn die Hypo Vereinsbank, die wie die Bank Austria zur italienischen Unicredit Gruppe gehört, hat im Filialgeschäft mit ähnlichen Rentabilitätsproblemen wie das österreichische Schwesterinstitut zu kämpfen.

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