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Branche erklärt VIII: Compliance und Risikomanagement – Die Augen und Ohren von Risiko und Regulierung

Die Risikomanagement-Teams in Investmentbanken sollen sicherstellen, dass die Banken keine allzu großen Risiken eingehen und beim Streben nach großen Gewinnen noch größere Verluste einfahren.

Nahezu jede Investmentbank musste während der Finanzkrise Milliarden von US-Dollar abschreiben, weshalb der Druck für ein vorsichtigeres Wirtschaften niemals höher war als heutzutage.

So sollen Risikomanager die Mitarbeiter dabei stoppen, riesige Verluste zu verursachen, während die Compliance-Teams darauf achten, dass die Beschäftigten sich tatsächlich an die rechtlichen und regulatorischen Vorgaben halten.

Seit der Finanzkrise zeigen die Regulatoren immer deutlicher ihre Zähne und die Banken werden von immer neuen regulatorischen Auflagen geradezu erdrückt, was diese dazu zwingt, ihre Compliance Teams auszubauen. Dennoch verfolgen die Aufsichtsbehörden einzelner Länder abweichende Ansätze, weshalb der Ruf nach einer stärkeren internationalen Koordination der Reform der Finanzdienstleistungen immer lauter wird.

Eine besonders weitreichende Form der Regulierung stellt Basel III dar, wodurch die Eigenkapitalvorschriften für Banken deutlich verschärft werden. Damit hat die Arbeit im Risikomanagement deutlich zugenommen und Morgan Stanley hat beispielsweise seine Mitarbeiterzahl im Risikomanagement seit dem Anfang der Finanzkrise in 2008 verdoppelt.

In Großbritannien befindet sich die Regulierungs-Politik noch im Fluss. So wird die Bank of England als Zentralbank mehr Aufgaben von der Aufsichtsbehörde Financial Services Authority (FSA) übernehmen. Ähnliches gilt für Deutschland und die Schweiz, wo derzeit BaFin und Finma über die Banken wachen.

In den Vereinigten Staaten stellt die sogenannte Securities and Exchange Comission (SEC) den Wachhund in den Finanzdienstleistungen dar. In Hongkong übernimmt diese Aufgabe die Securities and Futures Commission und in Singapur die Monetary Authority.

Neben den nationalen Aufsichtsbehörden werden die europäische Finanzdienstleister auch von EU-Aufsichtsbehörden kontrolliert: der European Banking Authority (EBA) in London, der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) in Frankfurt und der European Securities and Markets Authority (ESMA) in Paris.

„Insgesamt handelt es sich um ein sehr anspruchsvolles Umfeld. Wir müssen flexibel sein und beim sich ständig verändernden regulatorischem Umfeld auf dem Laufenden bleiben. Das Gleiche gilt für die Produkte und Dienstleistungen, die das Unternehmen anbietet“, sagt ein Chief Operating Officer einer US-Investmentbank in Asien.

Stellen und Karrierewege

Die Risikomanagement-Teams der Banken untersuchen dabei recht unterschiedliche Risiken:

Market Risk: Viele handelbare Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen und Zertifikate unterliegen einem Marktrisiko, das von makroökonomischen Entwicklungen und Ereignissen wie Kriegen oder terroristischen Anschlägen abhängt. Dies wird auch als systematisches Risiko bezeichnet.

Credit Risk: Damit wird das Risiko bezeichnet, dass ein Kreditnehmer seine Schulden nicht mehr ganz oder teilweise zurückzahlen kann.

Operational Risk: Hierbei handelt es sich um Risiken, die sich aus dem internen Geschäftsbetrieb einer Bank ergeben wie z.B. Problemen mit der IT, dem Fehlverhalten oder Betrugsversuchen von Mitarbeitern.

Wenn Sie als Trainee im Risikomanagement einer Investmentbank beginnen, dann werden Sie wahrscheinlich durch die verschiedenen Risikobereiche rotieren.

Doch auch die Compliance Teams bei Banken sind in verschiedene Kategorien unterteilt.

Sales and Trading Compliance: Dabei arbeiten die Angestellten mit den Sales-Mitarbeitern und den Tradern zusammen, um sicherzustellen, dass ihre Tätigkeit im Einklang mit den Vorschriften der nationalen Aufsichtsbehörden stehen. Die Mitarbeiter des Sales and Trading Compliance spezialisieren sich oft auf bestimmte Produktgruppen wie z.B. Aktien, Anleihen oder Derivate.

Control Room Compliance: Hierbei handelt es sich um zentrale Funktionen, wobei beispielsweise darauf geachtet wird, dass vertrauliche Informationen nur den erforderlichen Mitarbeitern zugänglich sind. Falls z.B. bestimmte Mitarbeiter auf die „Stop and Wach-Liste“ gesetzt werden, dann obliegt es der Control Room Compliance, dass diese auch tatsächlich beobachtet werden.

Monitoring and Surveillance: Dort werden bestimmte Verhaltensweisen und Transaktionen untersucht, die ein Hinweis für betrügerische Tätigkeiten darstellen könnten, wozu die Ausnutzung von Insiderinformationen oder Marktmanipulationen zählen.

Anti Money Laundering: Diesen Mitarbeitern obliegt es, dass in der Bank keine Geldwäsche betrieben wird – also z.B. keine Drogengelder in legale Gelder verwandelt werden.

Vergütungen

Die Gehälter in Risikomanagement und Compliance steigen langsam an, was auf den kontinuierlichen Ausbau dieser Felder bei Banken zurückgeht. So kann ein Head of Compliance, der für ein bestimmtes Land zuständig ist, laut dem Recruitment-Unternehmen Robert Walters durchaus mit einem Salär von 195.000 bis 400.000 Dollar rechnen. Doch die Anfangsgehälter liegen eher bei 50.000 Dollar und steigen nach zwei bis vier Jahren Berufserfahrung auf 72.000 bis 135.000 Dollar an.

Anforderungen

Erstaunlicherweise zählen zu den gefragtesten Kompetenzen Kommunikations- und Teamfähigkeit, da die Mitarbeiter mit den unterschiedlichsten Abteilungen der Bank zusammenarbeiten müssen. „Unser Job besteht darin, sich Situationen anzuschauen, in denen die Alarmglocken abgeschaltet sind“, erläutert Simon Kidd, der Senior Risk Manager bei der britischen Großbank HSBC ist. „Persönliche Integrität, ein scharfer Verstand und ein Auge fürs Detail stellen daher wichtige Qualitäten für die Arbeit im Risikomanagement dar. In der Praxis bedeutet dies, mutig zu sein und altbekannte Weisheiten in Frage zu stellen und falls erforderlich, die guten und schlechten Aspekte offen anzusprechen. Es geht auch darum, vorauszuschauen und bevorstehende Risiken zu erkennen und analysieren zu können, welches Risiko am größten ist“, sagt Kidd.

Michael Weiss aus dem Compliance von Goldman Sachs ergänzt: „Wir suchen nach Mitarbeitern mit einem großen Interesse an den Finanzmärkten und einem Auge fürs Detail, die Risiken identifizieren, Veränderungen anstoßen und eng mit anderen zusammenarbeiten können.“

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