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Branche erklärt V: Corporate Banking – Operation am offenen Herz des Kapitalismus

Das BASF-Werk in Ludwigshafen.

Das BASF-Werk in Ludwigshafen.

Beim Corporate Banking handelt es sich um einen Oberbegriff von verschiedenen Bankdienstleistungen, die für Großunternehmen erbracht werden. Das mag einfach klingen, ist es oftmals aber nicht.

So kann beispielsweise eine Bank einen Kredit an ein Unternehmen vergeben, um einen ganz einfachen Fall zu nennen. Andererseits kann sie auch an der Vergabe eines komplizierteren Konsortialkredites beteiligt sein, den mehrere Banken einem Unternehmen gemeinsam gewähren.

Die Dienstleistungen des Corporate Bankings umfassen auch das Cash Management, wobei die Zahlungsströme des Unternehmens gemanagt werden, um seine Liquidität zu sichern. Weiterhin werden Währungsgeschäfte abgewickelt oder im Treasury das Vermögen des Unternehmensgeldes verwaltet.

Dabei zielen Corporate Banker auf ganz unterschiedliche Branchen ab wie das Gesundheitswesen, den öffentlichen Sektor, den Einzelhandel – dies kann bis zu Spezialwissen in Nischen gehen. Diejenigen, die sich um Energie, Bergbau oder Anlagenbau kümmern, können beispielsweise Experten in der Projektfinanzierung sein, indem sie ein neues Kraftwerk oder eine Mine finanzieren.

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Stellen und Karrierewege

Von vielen Absolventen werden weiterführende Studien wie z.B. ein Master in Finance verlangt. Dennoch spielt auch das ‚Training-on-the-Job‘ eine wichtige Rolle. So beginnen Junior Corporate Banker oft als Kreditanalysten, untersuchen die Geschäftsergebnisse der Unternehmen als Grundlage für die Entscheidung, ob diese einen Kredit erhalten oder nicht. Sie können auch das Senior Sales arbeiten oder die Kundenbetreuer unterstützen, die Produkte an Geschäftskunden verkaufen. Ein Senior Banker bezeichnet dies als „Kulijob“, wobei Informationen gesammelt werden, ohne viel Einfluss auf die Entscheidung ausüben zu können.

Dagegen sind die Stellen, die eine längere Berufserfahrung verlangen, oft näher am Kunden. So gibt es Spezialisten für Business Development, die neue Kunden anwerben, und Relationship Manager, die die existierenden Kunden betreuen. Zu beiden Jobprofilen gehören Treffen mit den Geschäftsführern und Finanzchefs von Unternehmen aber auch eine Menge Fachkenntnisse.

Philippe Touati, der bei ANZ in Singapur das Firmenkundengeschäft leitet, erläutert, dass es verschiedene Arten von Kundenbetreuern gibt: Einige arbeiten lediglich die „Request for proposals“ ab, wobei es sich um Ausschreibungen zur Refinanzierung von Unternehmen handelt; diejenigen, die bei möglichen Geschäften als erste von Kunden angerufen werden; und sogenannte „Trusted Advisors“, die einen engen Kundenkontakt pflegen. „Die guten befinden sich in der zweiten und dritten Kategorie und bei den besten handelt es sich um ‚Trusted Advisors‘“, erzählt Touati.

Kundenbetreuer werden von einem ganzen Team unterstützt. Wenn jedoch das Unternehmen einen Finanzierungsbedarf hat, dann sind es die Kundenberater, die Rat zu Transaktionen und Strukturierungen geben.

Falls Sie keinen Kundenkontakt haben wollen, aber dennoch im Corporate Banking arbeiten möchten, dann können Sie immer noch im Risk oder Credit Assessment arbeiten, oder aber im Product, Operations oder Treasury Management.

Vergütung

Laut den internationalen Banken, mit denen wir gesprochen haben, steigen Absolventen normalerweise mit 35.000 Dollar ein (mehr in Deutschland und der Schweiz), allerdings kann die Vergütung berufserfahrener Kundenbetreuer laut Recruitern durchaus auch 210.000 Dollar erreichen.

Laut dem Personalvermittlungsunternehmen Robert Walters verdienen Kundenbetreuer in ihren ersten vier Berufsjahren 30.000 bis 70.000 Dollar, was jedoch bei erfahreneren Mitarbeitern auf 115.000 bis 192.000 Dollar ansteigen kann. Auf dem gleichen Senioritätslevel werden in Europa 120.000 bis 142.000 Dollar gezahlt.

Anforderungen

Sie müssen umgänglich sein, um Geschäfte zu erhalten und Kundenbeziehungen zu pflegen, allerdings müssen Sie auch gut mit Zahlen umgehen können. Denn schließlich gibt es keinen Grund, Geld an Kunden zu verleihen, wenn eine Rückzahlung unwahrscheinlich ist.

„Unser Geschäft schließt Risiken ein. Wir gehen Verbindlichkeiten in beträchtlicher Höhe in engen Deadlines und in einem wettbewerbsintensiven Umfeld ein“, sagt Matthew Gibbons, Managing Director in Leveraged Finance bei BNP Paribas. „Ein messerscharfer Verstand und ein analytischer Kopf zusammen mit der Bereitschaft, über längere Zeit hart zu arbeiten, sind entscheidende Voraussetzungen für den Erfolg von Deals“, ergänzt Gibbons.

Sie müssen nicht nur bei den Entwicklungen in verschiedenen Branchen auf dem Laufenden bleiben und abschätzen, welche Auswirkungen dies auf den Risikoappetit Ihrer Kunden hat, sondern sich auch der regulatorischen Hürden und kulturellen Empfindlichkeiten in verschiedenen Ländern bewusst sein, da viele Banker unterschiedliche Länder oder Regionen betreuen.

Im Grunde müssen erfolgreiche Corporate Banker eine ausgewogene Kombination aus Hartnäckigkeit und Kontaktfreude besitzen.

„Sie müssen Kraft und Energie mitbringen, um in einem Umfeld erfolgreich zu sein, in dem ein unbarmherziger Wettbewerb herrscht“, sagt Touati. „Bei Corporate Bankern handelt es sich um Torjäger, die eine Leidenschaft fürs Geschäft und die Begeisterung mitbringen, ihr Netzwerk zu nutzen, um dem Kunden Lösungen anzubieten.“

Corporate Banker erhalten relativ schnell viel Verantwortung, weshalb die Arbeitgeber Belege für Reife und Kundenfokussierung sehen wollen – und das auch schon bei Absolventen.

„Bei uns dreht sich das Geschäft um Menschen und die Teammitglieder müssen in der Lage sein, mit anspruchsvollen Kunden so umzugehen, dass diese immer wieder Transaktionen mit uns durchführen“, erläutert Gibbons und ergänzt: „Sozialkompetenz und Verhandlungsgeschick sind Schlüsselelemente für den Erfolg.“

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