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RECRUITER-INTERVIEW mit Klaus Robert Biermann: “Falls die europäische Politik den Druck auf die Finanzmärkte erhöht, wird die Schweiz profitieren”

Nach Banklehre und Studium an der Frankfurt School arbeitete Klaus Robert Biermann im Salesbereich bei Baring Asset Management in Frankfurt, London und Paris. 2003 wechselte Biermann ins Headhunting und gründete schliesslich sein eigenes Unternehmen in Zürich.

eFC: Welche Trends beobachten Sie in der Schweizer Bankenlandschaft?

Klaus Robert Biermann: Der Schweizer Bankenmarkt ist aufgrund seiner grossen Ausrichtung auf das Private Banking im Vergleich zu London, Paris oder Frankfurt wesentlich stabiler und entsprechend auch ruhiger durch die Krise 2008/2009 gekommen. Der Personalmarkt hat sich Ende 2009 und gerade im ersten Quartal 2010 wieder gefangen und wir verspüren beispielsweise mehr Nachfrage nach Mitarbeitern aus den Bereichen Asset Management (Sales) und Derivate/Strukturierte Produkte. Auch der Bereich alternativer Investments erfreut sich einer gewissen Wiederbelebung. Als grosser Trend ist zu erkennen, dass viele Personen ein unternehmerisches Umfeld suchen und die Standorte Zürich/Zug und Genf derzeit vielen Start-ups im Financial Services Bereich eine neue Heimat bieten.

eFC: Ganz konkret: Ich welchen Bereichen wird jetzt händeringend nach Personal gesucht und welche Qualifikationen sind besonders gefragt?

Klaus Robert Biermann: Von händeringender Personalsuche kann im jetzigen Zeitpunkt noch nicht die Rede sein. Aus den Fehlern der Vergangenheit wurde gelernt und die Suche erfolgt sehr gezielt. Wir haben die letzten Quartale beispielsweise viele Kunden bei der Besetzung von Positionen auf der Salesseite betreut. Dabei haben wir Wert auf Personen mit einem beratenden Salesansatz (Schlagwort White Paper Meetings) gelegt. Insbesondere auf der institutionellen Seite ist der reine Produktvertrieb immer uninteressanter und war und ist nicht von Erfolg gekennzeichnet.

eFC: Der Streit um die Herausgabe von Kundendaten hat den Platzhirsch UBS in eine tiefe Krise gestürzt. Wie sehen Sie die Zukunft der angeschlagenen Grossbank?

Klaus Robert Biermann: Die Zukunft der UBS ist nicht von kurzfristigen Störungen abhängig. Oswald Grübel und sein Team haben unserer Meinung nach das Ruder der UBS herumgerissen und in den letzten Wochen eine sehr gute Stimmung erzeugt und sehr gute Personen für die UBS gewinnen können. Zwar wurde dies teils auch nur durch hohe Garantien erreicht, jedoch ist der Grundtenor zur UBS sehr sehr positiv. Sobald der Asset Flow wieder positiv sein wird, was wir spätestens im nächsten Quartal erwarten, wird weiter Ruhe einkehren.

eFC: Das Schweizer Bankgeheimnis erhält eine Beerdigung dritter Klasse. Welche Chancen hat das traditionell wichtig Private Banking in der Schweiz?

Klaus Robert Biermann: Die Geschichte und Bedeutung des Schweizer Bankgeheimnisses ist nicht in zwei Sätzen darzustellen. Richtig ist, dass die Schweizer Politik zu verhalten auf die Forderungen der grossen Nachbarn reagiert hat. Man hat zu viel reagiert und nicht agiert. Es ist wichtig zu wissen, dass der Bankenplatz Schweiz nicht am Nabel des Bankgeheimnisses hängt und Kunden auch aus anderen Gründen eine Betreuung in der Schweiz gesucht haben. Wichtig ist, dass den Kunden eine Rechtssicherheit und langfristige Planung gewährleistet und der wirkliche Beratungsvorsprung im Vergleich zu Deutschland oder Frankreich genutzt wird. Die Banken haben sich sehr auf die neuen Wachstumsmärkte wie beispielsweise Asien und Lateinamerika ausgerichtet und hier sehen wir grosse Wachstumsraten und Chancen.

eFC: In London werden die Daumenschrauben bei Bankern angezogen und der Spitzensteuersatz auf 50 Prozent erhöht. Die City droht mit dem kollektiven Exodus in die Schweiz. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Klaus Robert Biermann: Es wird nichts so heiss gegessen wie es gekocht wird. Es ist richtig, dass einzelne Einheiten der Investmentbanken verlegt werden und auch bereits Büroflächen angemietet wurden. Wir sprechen hier aber nicht von prestigeträchtigen Trading- oder Strukturierungseinheiten. Eine grosse Abwanderung von Hedge Fonds Managern aus London ist bisher auch noch nicht zu erkennen und es gibt nur einzelne Fälle von Neugründungen oder Verlagerungen in der Schweiz. Falls die europäische Politik ihre aktuelle Politik und den Druck auf die Finanzmärkte erhöht, wird die Schweiz von dieser Entwicklung profitieren.

eFC: Die Einwanderung der deutschen Fachkräfte in die Schweiz ist ungebrochen, was der Schweizerischen Volkspartei und der Boulevardpresse den Angstschweiss auf die Stirn treibt. Welche Relevanz kommt den deutschen Fachkräften für die eidgenössischen Finanzplätze zu?

Klaus Robert Biermann: Die SVP ist eine teilweise populistisch agierende Partei, die am Ende des Tages aber immer das Gemeinwohl und das Funktionieren der Wirtschaft über alles stellt. Der SVP und dem Schweizer Volk ist bewusst, wie wichtig die Einwanderung für das Funktionieren der Volkswirtschaft ist und viele wichtige Funktionen in der Industrie, Medizin und Finanzwelt sind von deutschen Leistungsträgern besetzt. Im Ausland ausgebildet und nun Steuerzahler in der Schweiz – Frau Merkel würde sich über solche Gäste sehr freuen.

Um die genannten Personen geht die Stimmungsmache unserer Meinung nach aber auch nicht. Es geht vielmehr um beispielsweise Deutsche im Bereich Handwerk, Pflegepersonal oder sonstige Fachkräfte, die das Lohnniveau in gewissen Bereichen senken.

eFC: Wie schätzen Sie das Gehaltsniveau in der Schweizer Finanzdienstleistungsbrache im Vergleich zu London oder Deutschland ein?

Klaus Robert Biermann: Das Gehaltsniveau in der Schweiz ist kompetitiv und kann dem Wettbewerb in Deutschland und London Paroli bieten. Insbesondere in der “Netto-Betrachtung” ist der Schweizer Standort wesentlich interessanter, wenn auch die Lebenshaltungskosten vielleicht etwas höher sind. Aber es ist einfach immer interessanter, wenn der Bürger entscheidet, was er mit seinem Verdienst macht und nicht der Staat.

eFC: Herr Biermann, Sie selbst sind Deutscher und haben Ihr Glück in der Schweiz gesucht. Welches war Ihr schlimmstes Erlebnis und haben Sie jemals den Umzug nach Zürich bereut?

Klaus Robert Biermann: Nein – wie sollte man diesen Schritt auch bereuen. Es hängt immer von einem selbst ab und ich liebe die Stadt, das Land und die Menschen sehr. Schlimme Erlebnisse kommen mir auch nach längerer Überlegung nicht in den Sinn. Höchstens, wenn ich die deutschen Talkshows und die Entwicklung in meiner Heimat sehe. Dass ist nicht nur schlimm sondern traurig. Aber das hat nichts mit der Schweiz zu tun.

Kommentare (1)

Comments
  1. Nach dem Ende des Bankgeheimnisses wird zumindest das Private Banking einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verlieren. Als Folge werden viele Jobs ins Ausland gehen. So bauen die meisten Schweizer Banken ihre Private Banking-Aktivitäten in den Schwellenländern, aber auch in Europa aus.

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