Warum der steigende Banken-Kapitalbedarf gut für ECM-Banker ist!

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Auf Europas Großbanken rollt eine Eigenkapitalwelle nicht bekannten Ausmaßes zu. Darunter könnten zwar die Aktienkurse leisten, aber ECM-Banker können sich - auch mangels Börsengängen - über diese Sonderkonjunktur freuen.

Dabei hat die Société Générale die Richtung vorgeben. Die französische Großbank will bei den Aktionären 4,8 Mrd. Euro einsammeln: um Staatshilfen zurückzuzahlen, aber vor allem um die Kapitaldecke zu stärken.

Vorher hatten bereits die italienische Mutter der Münchner Hypo-Vereinsbank, Unicredit, die französische BNP Paribas und die norwegische DnB NOR angekündigt, das Eigenkapital anzuheben.

Und das scheint nur der Auftakt zu sein. Die Analysten der US-Investmentbank JP Morgan unterstellen vielen europäischen Großbanken Lücken bei der Kapitalausstattung.

"Die Kreditkrise ist zwar vorbei, dennoch gehen wir in den kommenden sechs Monaten von Kapitalerhöhungen im Gesamtwert von 53,5 Mrd. Euro durch europäische Banken aus", schreiben die Analysten in einem Bericht.

Sie legen dabei eine Kernkapitalquote von acht Prozent zugrunde, die nach dem G20-Treffen von Pittsburgh wohl die neue Mindestanforderung werde.

Die drei börsennotierten deutschen Großbanken nehmen in der Studie breiten Raum ein, allen voran die Commerzbank. Allein sie habe eine Kapitallücke von 12,2 Mrd. Euro, wenn sie 2011 auf eine Kapitalquote von acht Prozent kommen wolle. Ohne die Frischgeldzufuhr wären es nur 3,8 Prozent. Commerzbank-Chef Martin Blessing hat bereits angedeutet, dass es wohl zu einer Kapitalerhöhung kommen wird, allerdings nicht kurzfristig.

Für die Postbank ermittelte die Studie einen Finanzbedarf von 2,7 Mrd. Euro, für die Deutsche Bank von 3,4 Mrd. Euro.

"Das Thema Eigenkapital bekommmt für die Banken in nächster Zeit zentrale Bedeutung, vor allem wegen der Beschlüsse von Pittsburgh", sagt Olaf Kayser, Bankenanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die G20-Staaten wollen die Kreditinstitute dazu zwingen, ihre Eigenkapitaldecke zu stärken, damit bei künftigen Finanzkrisen nicht mehr Steuerzahler für die Fehler der Banken geradestehen müssen.

Deutsche Banken sind besonders gefordert, weil eine deutsche Spezialität - stille Einlagen und Hybridanleihen - nach dem Willen des G20-Gipfels künftig nicht mehr als Eigenkapital gelten soll. Ergo: Um die Mindestgrenze von acht Prozent zu erreichen, müssen zahlreiche deutsche Institute, auch die vielen angeschlagenen Landesbanken, ihre Aktionäre anpumpen.

Analysten halten es nicht für realistisch, dass die Bank dieses Kapital kurzfristig komplett durch die Ausgabe neuer Aktien ersetzen könnte. "Die Commerzbank wird die Bundesbeteiligung in vielen kleineren Schritten zurückführen", erwartet Konrad Becker, Bankenanalyst bei Merck Finck. Sie werde dazu vermutlich in den nächsten Jahren sowohl Kapitalerhöhungen durchführen, als auch Gewinne einbehalten und die so genannten Risikoaktiva, also die Vermögenswerte in der Bilanz, reduzieren.

Sollte der Trend zu Kapitalerhöhungen anhalten, dürften sich vor allem ECM-Banker über ausreichend Arbeit freuen. "So lange die Banken mit der Reparatur ihrer Bilanzen beschäftigt sind, sind die Jobs in diesem Bereich sicher", sagte ein aufs Investmentbanking spezialisierter Frankfurter Headhunter.

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