IFRS: Jobwelle per Gesetz - Teil 1

eFC logo

IFRS ist derzeit das Zauberwort der Wirtschaftsprüfungsbranche. Was aus Sicht der bilanzierenden Unternehmen eine Belastung in Bezug auf finanzielle und personelle Ressourcen ist, ist für die großen Beratungsgesellschaften ein profitables Geschäft. Für Wirtschaftsprüfer ist IFRS vor allem eins: Eine Jobmaschine.

Seit 1. Januar 2005 ist ihre Anwendung für börsennotierte oder kapitalmarktfinanzierte Unternehmen in Europa Pflicht: Die International Financing Reporting Standards (IFRS) werden zur Pflichtübung in den für das Rechnungswesen zuständigen Abteilungen europäischer Unternehmen.

Schuld daran ist eine Verordnung der Europäischen Union vom 7. Juni 2002, die Unternehmen verpflichtet, zusätzlich zu den in ihren Heimatländern vorgeschriebenen Jahresabschlüssen auch in IFRS zu bilanzieren. Antrieb der Europäischen Kommission waren dabei Bestrebungen, vor dem Hintergrund der Globalisierung der Finanzmärkte und einer wachsenden Anzahl grenzüberschreitender Fusionen und Kooperationen die internationalen Vorschriften für die externe Rechnungslegung zu harmonisieren.

Von den neuen Anforderungen sind seit dem 1. Januar 2005 zunächst mehr als 7.000 Unternehmen in der EU betroffen. Doch nicht nur die Abschlüsse für das Geschäftsjahr 2005 sind gemäß des neuen Bilanzführungsstandards zu erstellen: Gemäß einer neueren Bilanzierungsrichtlinie ist IFRS schon für die Geschäftsberichte von 2004 anzuwenden, um einen Vergleichsabschluss für die erste Bilanzierungsperiode 2005 zu haben.

Kostenfaktor für bilanzierende Unternehmen

Für die Unternehmen, die Abschlüsse nach IFRS erstellen müssen, bedeutet dies zunächst einmal einen erheblichen Kostenaufwand. Dieser differiert allerdings stark zwischen den einzelnen Unternehmen.

Großunternehmen wie Deutsche Telekom oder Siemens mit Tochtergesellschaften in den USA bzw. einer US-Börsennotierung sind hier im Vorteil. Sie bilanzieren zumeist schon nach dem Bilanzierungsstandard US-GAAP (United States-Generally Accepted Accounting Principles), dem bei einer Kapitalmarktbetätigung in den USA vorgeschriebenen Regelwerk. Wegen der geringeren Unterschiede der US-GAAP-Regeln zu IFRS ist die Umstellung in diesen Fällen meist unproblematisch oder konzentriert sich auf Teilbereiche.

Unweit problematischer stellt sich die Situation für Mittelständler dar, die bislang lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen HGB-Abschlüsse erstellten. Das Weiterbestehen der Finanzämter auf den gewohnten HGB-Abschluss zur Ermittlung von Ausschüttung und Steuern führt zwangsweise zu Doppelarbeit und hohem bürokratischen Aufwand. Hier führen die erheblichen Unterschiede zwischen den beiden anzuwendenden Standards zu massiven Umstellungen der Bilanzierung sowie den IT-Systemen, die zur Rechnungslegung angewendet werden. So müssen die Unternehmen ihre Buchführung vollständig ändern, die Mitarbeiter entsprechend schulen und unter Umständen in eine ganz neue Software einarbeiten.

Prof. Dr. Sven Hayn, Technical Partner im IFRS-Desk der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, schätzt den Kostenblock für Mittelständler als beträchtlich ein: "Die Mehrkosten reichen bei einem mittelständischen Unternehmen von 200.000 Euro locker bis zu einer Million Euro", schätzt Hayn. Dies deckt sich mit Erkenntnissen aus anderen europäischen Ländern. Die Financial Times berichtet beispielsweise unter Berufung auf eine aktuelle Studie, der Wechsel zu IFRS verursache einem durchschnittlichen Unternehmen in Großbritannien rund 500.000 Euro an zusätzlichen Kosten. Größere Firmen hätten mit Kosten von rund 800.000 Euro zu rechnen.

IFRS-Expertise gefragt

Eine besondere Problematik ergibt sich für die Unternehmen in dem großen Schulungsbedarf ihrer Mitarbeiter. Dieser ergibt sich zum Teil aus der Unsicherheit in bezug auf die endgültigen IFRS-Regeln. Diese werden von der zuständigen Standardisierungsbehörde, dem International Accounting Standards Board (IASB), noch immer regelmäßig überarbeitet. So gilt es für die Unternehmen, ihre Mitarbeiter ständig auf dem neuesten Stand zu halten. Des weiteren ist der Umfang der neuen Regeln ein weiterer Punkt, der zu einem großen Bedarf an Mitarbeiter-Schulungen führt.

Mit dem bestehenden Personal ist dies oft gar nicht darstellbar. Einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zufolge ist der Anteil der IFRS-Experten an den Mitarbeitern im Rechnungswesen in den an der Marktkapitalisierung gemessen 100 größten Unternehmen Deutschlands insgesamt mit ca. 30 Prozent eher gering. Da aber eine IFRS-Expertise derzeit unter Bilanzbuchhaltern nicht gerade weit verbreitet ist, sind die personellen Ressourcen in diesem Bereich knapp. Dies macht IFRS-Spezialisten zu begehrten Mitarbeitern.

"Zwar stellen nicht alle Unternehmen neue Leute ein, sondern schulen vielfach ihr bislang vorhandenes Personal", bestätigt auch Thomas Dräger von PricewaterhouseCoopers (PwC). "Mit IFRS-Kenntnissen haben Sie aber heute sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt."

Ende des ersten Teils.

Lesen Sie im zweiten Teil alles über Tausende von Jobs, die bei Prüfungs- und Beratungsgesellschaften im Zusammenhang mit IFRS geschaffen werden und warum dieser Job-Boom noch lange anhält!

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close