☰ Menu eFinancialCareers

Bonuspolitik treibt Banker zu Wutausbrüchen: UBS besonders betroffen

Mittlerweile wissen die meisten Banker, welche Bonuszahlungen für 2009 anstehen. Doch so manchem hat die Nachricht gar nicht gefallen. Denn traditionell wird darum gestritten, wer vom Kuchen das größte Stück abbekommt.

Krach bei der UBS

Ein wahrer Theaterdonner hat die UBS in der Schweiz ereilt. Die Bank schüttet an ihre weltweit 65.233 Mitarbeiter insgesamt 2,9 Mrd. Franken aus (2 Mrd. Euro). Mithin hat jeder UBS-Beschäftigte durchschnittlich einen Bonus von 45.000 Franken
(30.000 Euro) eingestrichen.

Doch die Verteilung innerhalb der Schweizer Großbank treibt so manchen besonnenen eidgenössischen Beschäftigten zu Wutausbrüchen, wie Swissinfo meldet.

“Wir sind an einem Punkt angelangt, wo die Mitarbeiter sagen, dass sie genug haben”, erklärt die Präsidentin der UBS-Arbeitnehmervertretung Elli Planta. “Die Boni-Verteilung ist nicht transparent und wird nicht verstanden.”

Besonderen Unmut stiftet, dass Boni in der Schweiz zusammengestrichen werden, obgleich die individuellen Ziele erreicht wurden. Dagegen sollen die variablen Vergütungen in den Vereinigten Staaten substanziell erhöht worden sein.

Ärger bei der Deutschen Bank

Doch der Unmut macht sich nicht nur in der kriselnden UBS breit. Auch in der Deutschen Bank, die in 2009 immerhin einen Nettogewinn von 5 Mrd. Euro (7,3 Mrd. Franken) erwirtschaftete, rumort es laut der FAZ gewaltig.

Insbesondere der Umgang des deutschen Branchenprimus mit der britischen Bonussteuer erregt dort die Gemüter. So wird auf variable Vergütungen über 25.000 Pfund (27.700 Euro; 40.000 Franken) ein Steuersatz von 25 Prozent fällig. Der Clou dabei: Nicht die betroffenen Mitarbeiter müssen die Steuer bezahlen, sondern die Banken.

Um die Steuerzahlungen zu bewältigen, wurden bei der Deutschen Bank die Kosten von insgesamt 225 Mio. Euro (330 Mio. Franken) kurzerhand auf den gesamten Bonuspool umgelegt. Folglich dürfen sich die Frankfurter Beschäftigten an den Steuerzahlungen für die Londoner Kollegen – unfreiwillig – beteiligen.

Freude beim britischen Finanzminister

Dieser Unmut dürfte dem britischen Finanzminister Alistair Darling übrigens die Freude kaum verderben. Nach einer Berechnung der Financial Times kann die britische Staatskasse aufgrund der Bonussteuer mit Mehreinnahmen von etwa 2,5 Mrd. Pfund (2,8 Mrd. Euro; 4 Mrd. Franken) rechnen. Und das beste dabei: Mit einer Regelung wie bei der Deutschen Bank beteiligen sich indirekt auch ausländische Banker an dem britischen Steuersegen.

Branchenkenner ungerührt

Executive Search-Experte Sina Schahram-Nia von Montalbetti Associates kennt derartige Spielchen schon aus der Vergangenheit und bleibt gelassen: Schon immer wurden bei den Banken schlechter laufende Geschäftsbereiche von gewinnbringenden quersubventioniert. “Wenn die Banken nichts zahlen, obgleich die Mitarbeiter gut gearbeitet hätten, dann gehen die besten Leute.” Bei der zeitweiligen Unterstützung von Bereichen handle es sich auch um eine strategische Entscheidung der Unternehmensleitung.

Aus der Bonusverteilung ließe sich auch der Einfluss der unterschiedlichen Geschäftsbereiche ablesen. “Das ist auch eine Machtfrage”, ergänzt Schahram-Nia. Die weltweite Beteiligung der Mitarbeiter an der britischen Bonussteuer zeuge daher Wahrscheinlich auch von der Machtposition, der der Chef-Investmentbanker Anshu Jain in der Deutschen Bank einnehme: “Denn jeder versucht für seinen eigenen Bereich ein besonders großes Stück vom Bonus-Pool abzubekommen.”

Kommentare (3)

Comments
  1. Da ägern sich ja die richtigen. Kräftig abkassieren und trotzdem unzufrieden sein. Dafür habe ich kein Verständnis.

  2. Die fallen doch alle weich im sechsstelligen Bereich und sind zudem gut qualifiziert (die Mehrheit zumindest).

  3. Ich habe mehr erhalten.

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier