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Gefahr in Verzug: Bedrohen die Obama-Pläne Deutsche Bank, UBS und Credit Suisse?

Mit seiner Rede zur Neuordnung des US-Bankenmarktes hat Präsident Barack Obama die Unsicherheit auch bei den deutschen und schweizer Bankern geschürt. Keine Bank dürfe mehr zu einem systematischen Risiko für die Funktion des Finanzsystems werden, forderte Obama. Dazu müssten die risikobehafteten Aktivitäten im Eigenhandel der Banken vom übrigen Geschäft abgetrennt werden. Bei dem Eigenhandel werden Banken nicht im Kundenauftrag tätig, sondern handeln eigenständig an den Märkten. Im Fokus stehen auch bankeneigene Hedgefonds und Private Equity-Geschäfte.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann reagierte umgehend auf die Obama-Pläne: “Vorschläge zur Aufspaltung oder Einschränkungen der Aktivität von Banken gehen in die falsche Richtung”, sagte Ackermann in London. Die Deutsche Bank ist indes bereits 2003 aus dem Privat Equity-Geschäft ausgestiegen und engagiert sich laut Unternehmensangaben auch nicht mehr im Eigenhandel mit festverzinslichen Wertpapieren.

Dennoch dürften nach einhelliger Analysten-Meinung ganz besonders die Deutsche Bank, UBS und Credit Suisse von den Plänen betroffen sein, da sie über ein relevantes US-Geschäft verfügen. Die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods schätzen sogar, dass die drei Großbanken unter den europäischen Instituten an vorderster Front stehen.

Allerdings handelt es sich bei den ersten Einschätzungen um eine Gleichung mit diversen Unbekannten, wie Analyst von Philipp Häßler von Equinet gegenüber eFinancialCareers betonte. Die Deutsche Bank selbst beziffere die Erträge aus dem Aktienhandel auf rund 10 Prozent. Doch wieviel davon auf die USA entfielen, sei kaum zu ermitteln.

Überdies sei noch unklar, ob Obamas Pläne den Gesetzgebungsprozess in den Vereinigten Staaten tatsächlich überstehen und wie die Ankündigungen konkret ausgestaltet werden würden. Dennoch steige schon allein durch die Ankündigung die Unsicherheit. “Und nichts hasst die Börse mehr als Unsicherheit”, ergänzte Häßler.

Auch nach den Analysen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dürften die Auswirkungen der Obama-Pläne zu vernachlässigen sein: “Die großen Banken – insbesondere die Deutsche Bank – haben bereits ihren Eigenhandel signifikant zurückgefahren. Ein Verbot des Eigenhandels in den Vereinigten Staaten hätte somit nur einen geringen Einfluss auf ihre Gewinne.”

Weiter stelle sich die Frage nach der Umsetzbarkeit. “Es ist sehr schwierig, eine klare Grenze zwischen dem Kundengeschäft und dem Geschäft auf eigene Rechnung in einer großen und komplexen Bank zu ziehen”, heißt es weiter. Somit seien Obamas Vorschläge laut der LBBW keine ernsthafte Bedrohung für die Deutsche Bank, wobei die US-Pläne den Boden für eine strengere Regulierung in Europa vorbereiten könne.

Entwarnung geben die Analysten der Credit Suisse (CS). “Selbst im schlimmsten Fall, wenn jedweder Eigenhandel in den USA untersagt wird, sehen wir keine größeren Auswirkungen auf die Gewinne europäische Großbanken”, heißt es bei der CS.

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