Der INSIDER: Warum Fondsmanager underperformen oder "Die Herrschaft des Mittelmaßes"

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Es ist eigentlich schon erstaunlich, wir verfügen heutzutage über die ausgeklügeltsten Informationssysteme, haben Zugang zu realtime-Börsenkursen und viele Fondsmanager besitzen Zertifikate, in denen ihnen bescheinigt wird, wie exzellent angeblich ihre Kenntnisse der Finanzmärkte sind (ob DVFA, CFA, CTA, etc.) und trotzdem underperformt die große Mehrheit der Fondsmanager.

Schaut man sich beispielsweise die Zahlen von Citywire an, dann sind die Resultate wahrhaft ernüchternd. Citywire untersuchte u.a., wie viele Fondsmanager im Jahre 2009 bei europäischen Aktien ihre Benchmark geschlagen haben. Von 567 Fonds schnitten 413 schlechter als der Vergleichsindex ab, lediglich 154 outperformten die Benchmark. Somit betrug die Versagerrate erschreckende 73 Prozent. Auf einen 3-Jahreszeitraum bezogen fiel das Ergebnis nicht viel besser aus, denn eine Underperformance-Rate von 69 Prozent ist immer noch katastrophal. Statistiken vom BVI zeigen ähnliche Resultate.

Es stellt sich also die Frage, warum es so wenigen Fondsmanagern gelingt, das zu erreichen, wofür sie eigentlich bezahlt werden. Vielleicht ist eine der Antworten, dass die Anreizstrukturen falsch gewählt sind. Selbst ein schlechter Manager bekommt üblicherweise ein sechsstelliges Gehalt, auch wenn er es nicht schafft, den Vergleichsindex zu erreichen, geschweige denn zu übertreffen. Gleichzeitig erhält ein guter Fondsmanager in Deutschland jedoch nicht ein deutlich höheres Gehalt als sein Kollege, z.B. über einen entsprechenden Bonus. Somit gibt es auch wenig Anreiz, sich von der Herde abzusondern und das eigene Gehirn einzuschalten. Deshalb macht man einfach das, was die Masse auch macht. Denn liegt man falsch, ist man ja in guter Gesellschaft, und da die Konkurrenz genauso schlecht ist, fällt man nicht unangenehm auf.

Hinzu kommt noch der Effekt des gleichgeschalteten Verhaltens der Analysten. Diese ticken nämlich sehr ähnlich. Auch hier fühlen sich die meisten in der Masse am wohlsten. Hat man z.B. eine Kaufstudie geschrieben - vielleicht auf Druck des Vorgesetzten - selbst wenn man von der Aktie nicht überzeugt ist, und die Konkurrenz ist auch auf Kauf, kann eigentlich nichts mehr passieren. Sollten so renommierte Häuser wie z.B. Goldman Sachs oder die Deutsche Bank schief liegen, dann ist es doch keine Schande, ebenfalls daneben gegriffen zu haben. Also schreiben die meisten im Tenor das, was die Konkurrenz auch schreibt.

Den durchschnittlichen Fondsmanager freut dieser Umstand verständlicherweise, denn damit hat er die "Gehe aus dem Gefängnis-Karte". Denn wenn man einen Titel kauft, der von solch renommierten Häusern empfohlen wird und er stürzt dann ab, kann man doch keinen Fehler begangen haben, oder? Somit sichert diese Strategie zwar keine Outperformance, aber man behält seinen gut bezahlten Job.

Fairerweise sollte auch erwähnt werden, dass eigenständiges Handeln bei vielen Häusern gar nicht gewünscht ist, da es oft Vorgaben durch Anlageausschüsse gibt, die Fondsmanagern teilweise kaum Spielraum lassen. Das Ziel ist, die Resultate zu vereinheitlichen und keine "Starfondsmanager" zu produzieren. Allerdings braucht man sich dann nicht zu wundern, dass die Anleger davonlaufen und zu ETFs greifen.

Der Autor ist ein renommierter Fondsmanager aus Deutschland.

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