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50 Jahre DVFA: Von der Informationspolitik nach Gutsherrenart zur führenden Fortbildungseinrichtung der Branche

1960 betrieben viele Aktiengesellschaften noch eine Informationspolitik “Gutsherrenart”. Damals publizierten viele Unternehmen nicht einmal ihren Gewinn. Vielmehr galt die Faustformel: Dividende gleich Gewinn. “Die Neigung, eine Ertragslage transparent darzustellen, war bei manchen Vorständen gleich null”, erinnert sich Michael Hauck, Ehrenvorsitzender der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Auch die Unabhängigkeit der Analysten war damals nicht immer gewährleistet.

In puncto Informationstransparenz und Unabhängigkeit waren die US-Analysten schon deutlich weiter – auch was die Analyse deutsche Unternehmen betraf. “Erstaunlicherweise hat man den Amerikanern viel mehr offengelegt, was wir als deutsche Analysten nicht gesagt bekamen,” ergänzt Hauck.

Hauck zählte 1960 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), die als Berufsverband der Finanzanalysten und Asset Manager den Nachholbedarf gegenüber den angelsächsischen Ländern aufholen sollte. Jetzt feiert die DVFA ihr 50jähriges Bestehen und zählt 1200 Mitglieder, von denen sämtliche natürliche Personen sind.

Fortbildung als zentrale Aufgabe

Dabei hat das Thema Aus- und Fortbildung einen immer größeren Stellenwert für die DVFA erhalten. Bei der Festveranstaltung am Dienstagabend (26. Oktober) in der Frankfurter IHK strich der ehemalige Chefökonom der Deutschen Bank Prof. Norbert Walter eben dieses Tätigkeitsfeld heraus: “Nutzen Sie den nährstoffreichen Biotop der Bildung. Die für mich wichtigste Aufgabe der DVFA ist die Förderung der Professionalität und der Unabhängigkeit als Wert an sich – und das über die nationalen Grenzen hinaus.”

Noch immer besteht hierbei ein gewisser Nachholbedarf in Deutschland. Die britische Regulierungsbehörde FSA schreibt beispielsweise für die Ausübung vieler Berufsfelder eine entsprechende Ausbildung vor, was in Deutschland noch nicht der Fall ist.

In Deutschland hat der CIIA vor dem CFA die Nase vorn

Doch auch in Deutschland nimmt die Bedeutung anspruchsvoller Fortbildungen für Postgraduierte zu. So gibt es allein in Deutschland 1600 Besitzer des Chartered Financial Analyst (CFA). Noch erfolgreicher als dieser amerikanische Qualifizierungsstandard ist nur noch der Certified International Investment Analyst (CIIA) und seine Vorgänger mit knapp 3000 Absolventen in Deutschland, der von der DVFA in Deutschland angeboten wird.

Mit dem CIIA sollen die notwendigen Fachkenntnisse, aber auch ethische Standards vermittelt werden, um das Niveau in der Branche zu heben. So gehören zum Curriculum Portfolio- und Risikomanagement, die Analyse von Anlageklassen, Buchführung und Bilanzierung, aber auch Behavioral Finance und Ethik. Anders als beim CFA werden auch Themen eingehend behandelt, die für Europa und Deutschland spezifisch sind. Dazu zählen beispielsweise Regulierungsfragen aber auch Steuern und Bilanzierung.

Andere Berufsgruppen eifern dem Erfolg des CIIA nach

Der Erfolg der postgradualen Fortbildungen hat auch in anderen Berufsfeldern der Finanzdienstleistungen – jenseits von Analyse und Asset Management – Schule gemacht. So bietet die DVFA auch den Certified Financial Manager (CeFM) an, der sich speziell an Private Banker und Wealth Manager wendet. Zum Lehrplan zählen hier Portfoliostrategien, Asset Allocation, Relationship Management sowie Finanz- & Erbschaftsplanung und Steuern & Recht.

Durch die Finanzkrise ist der Bedarf an Risikospezialisten gestiegen. Um der Nachfrage aus den Banken nachzukommen, bietet die DVFA den Certified Risk Manager (CRM) an, der Systemische Risikofragen, Adressausfallrisiken, Markt- und Liquiditätsrisiken sowie Operational Risk umfasst.

Für Kreditspezialisten bietet der DVFA den Certified Credit Analyst (CCrA) an, dessen Curriculum Kreditanalyse, Basel II, Credit Management sowie Credit Produkte umfasst.

Der Certified Real Estate Investment Analyst (CREA) richtet sich indes an Immobilienspezialisten. In diesem Programm werden Kenntnisse zu den Immobilienmärkten, entsprechende Geschäftsmodelle, Investitionsobjekte und Portfolio Management vermittelt.

Bei all seinen Fortbildungen setzt der DVFA auf die Kombination von Präsenzunterricht und Eigenstudium. Die Preise liegen bei rund 12.000 Euro für den CIIA bis zu rund 8500 Euro für CRM, CCrA und CREA.

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