Wieso der Abschuss von CS-Chef Brady Dougan ein schlechtes Omen für die Investmentbanker wäre

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DouganFragezeichen

Hinter der Zukunft von CS-Chef Brady Dougan steht ein grosses Fragezeichen.

Vor fünf Jahren war die Welt noch in Ordnung – jedenfalls am Zürcher Paradeplatz. Der Aktienkurs der Credit Suisse notierte Ende Mai 2007 noch bei 92,68 Franken.  Damals trat der Investmentbanking-Chef des Bankenriesen Brady Dougan die Nachfolge von Oswald Grübel an der Spitze der Bank an. Seither ist der Aktienkurs um bemerkenswerte 79 Prozent auf nur noch 19,80 Franken abgestürzt.

Für die Eigentümer des Unternehmens stellte dies ein Desaster dar, nicht jedoch für Dougan selbst. Seither dürfte der US-Amerikaner selbst einen dreistelligen Millionenbetrag eingestrichen haben. Doch nachdem sich die Aufstände der Aktionäre gegen Management und Verwaltungsrat auch in der Schweiz mehren, stellt sich die Frage, wie lange sich Dougan noch an der CS-Spitze halten kann, zumal das Institut im ersten Quartal eine Minigewinn von nur 40 Mio. Franken erzielte.

Laut dem „Sonntag“ ist der Verwaltungsrat mittlerweile auf die Suche nach einem Dougan-Nachfolger gegangen.  „Der Verwaltungsrat prüft jetzt oberste Personalentscheide mit höchster Priorität“, zitiert das Blatt eine Führungskraft der Bank.  Selbst auf Mitarbeiterebene würde ein Abgang diskutiert. „Dann ist ein CEO nicht mehr zu halten, unabhängig von seiner Leistung“, gibt die Zeitung einen Insider wieder.

Dabei geht es mitnichten nur um den Austausch von Führungspersonal, sondern auch um die strategische Ausrichtung der Bank.  Falls der Nachfolger nicht wie Dougan aus dem Investmentbanking, sondern aus dem Wealth Management kommen sollte, würden die Karten im Machtgefüge des Hauses neu gemischt.

Derzeit spricht viel für einen Nachfolger aus dem Wealth Management.  In diesem Falle würden die Investmentbanker ihren langjährigen Schutzpatron an der CS-Spitze verlieren. Die Forderungen nach einem weitergehenden Personalabbau im Investmentbanking könnten dann mehr Gehör finden.  So hatte das Investmentbanking im vierten Quartal eine Kostenertragsquote von miserablen 227,7 Prozent und im normalerweise guten ersten Quartal von 76,2 Prozent erwirtschaftet, was geradezu nach Einsparungen ruft.

Im Gespräch für die Nachfolge sind derzeit Walter Berchtold, Hans-Ulrich Meister, Hugo Bänziger und Ulrich Körner.  Die genannten verfügen sämtlich über eine Schweizer Staatsbürgerschaft, denn nach der Finanzkrise stehen die Zeichen in der Schweiz gewissermassen auf eine Repatriierung der Credit Suisse-Spitze, wie zuletzt die Entscheidung für den Tessiner Sergio Ermotti an der UBS-Spitze belegte.

Walter Berchtold

Walter Berchtold wurde im vergangenen Jahr zum Chairman des Private Banking der Credit Suisse befördert, was so mancher Beobachter auch als „Wegloben“ bezeichnete. Denn durch die zweifelhafte Beförderung entfernt sich Berchtold von der operativen Leitung des Wealth Management-Geschäfts der Credit Suisse.

Hans-Ulrich Meister

Seine Nachfolge als CEO im Private Banking trat indes Hans-Ulrich Meister an. Der Austausch gegenüber Berchtold wurde von Beobachtern als ein interner Machtkampf verstanden. Seit der Finanzkrise hat das Private Banking gegenüber dem Investmentbanking an Bedeutung gewonnen.  Die operative Leitung des Wealth Managements stellt bei der Credit Suisse somit eine gute Ausgangsposition für den Kampf um die Dougan-Nachfolge dar.

Hugo Bänziger

Der 56jährige Hugo Bänziger bringt den Vorteil mit, kurzfristig zur Verfügung zu stehen. So zog der ehemalige Risikochef der Deutschen Bank im Rennen um die Ackermann-Nachfolge gegenüber Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Kürzeren und schied zu Ende März aus.

Ulrich Körner

Ulrich Körner leitete früher das Schweiz-Geschäft der Credit Suisse. 2009 holte ihn der damalige UBS-Chef Oswald Grübel zur UBS, wo es bis zum heutigen Tage als Chief Operating Officer tätig ist. Schon bei der Diskussion um die Nachfolge von Grübel im vergangenen Jahr wurde auch der Name Körner genannt.

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