GASTKOMMENTAR: Wieso ich bis 2013 in ein Sabbatjahr gehen möchte

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Seit nahezu zehn Jahren arbeite ich im Banking und der Spass hat dabei deutlich nachgelassen. Früh aufzustehen und dafür überbewertete Aktien zu erhalten, scheint kein gutes Geschäft darzustellen. Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem politische Intrigen und Russisches Roulette, das so viele meiner Kollegen erledigt hat, zum Alltag gehören – wenn nur meine Vergütung hiervon nicht abhängen würde.

Unter diesen Umständen denke ich darüber nach, eine Auszeit zu nehmen. Vielleicht werden es neun bis zwölf Monaten werden. Das stellt genug Zeit dar, um einen angemessenen Überblick zu gewinnen. Dabei spreche ich nicht von einem Sabbatjahr, wie es von Unternehmen angeboten wird. Vielmehr spreche ich über eine richtige Auszeit. Da die Boni derzeit armselig ausfallen, sind auch die Opportunitätskosten gering. Der einzige Hinderungsgrund besteht darin, dass ich eine Gelegenheit auf eine rasche Beförderung verpasse, weil so viele Kollegen rausgeschmissen werden.

Freiwillig zu gehen, hat gleich mehrere Vorteile: An erster Stelle möchte ich aufrichtig zu meinem Vorgesetzten sein und ihm meine Absichten erklären (einige kleine Reisen und Studien). Ich rechne damit, dass er mir die Chance gibt, noch einmal darüber nachzudenken und mir eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung anbietet. Falls eine passende Gegenofferte auf dem Tisch liegen sollte, werde ich meine Pläne zurückstellen.

In dem ich aus eigenen Antrieb gehe (und klar stelle, dass dies der Fall ist), unterscheide ich mich von einem Arbeitslosen. Ich beabsichtige, zwei oder drei Headhuntern und einer Gruppe ausgewählter Kollegen zu erzählen, was ich machen werde. Indem ich ihnen erlaube, die Wahrheit zu verbreiten, lasse ich keinen Raum für Spekulationen.

Ich werde auch die Kopien von allen meinen Beurteilungen ausdrucken, und notiere mir alle öffentlich erhältlichen Informationen, die in meinem Fall weiterhelfen könnten (wie z.B. die Tabellen über Aktienemissionen in Q1, um eine mangelnde Beschäftigung zu belegen).

Und was passiert, während ich unterwegs bin? Ich plane, mich in Aktivitäten zu stürzen, die meinem Lebenslauf einen Mehrwert hinzufügen. So werde ich einige Zeit darauf verwenden, Arabisch zu lernen. Und ich will auch Länder wie Kambodscha besuchen, bei denen damit gerechnet wird, dass sie sich in Zukunft stark entwickeln werden. Ich beabsichtige nicht, in einer Ära der sich ausbreitenden Arbeitslosigkeit in den Markt zurückzukehren. Mein Sabbatjahr wird im vierten Quartal enden – rechtzeitig für die Neueinstellungen im ersten Quartal und ich werde meine Rückkehr in den Arbeitsmarkt bereits zwei Monate zuvor proaktiv angehen. Wenn man die Sache vorsichtig in Angriff nimmt, dann scheint ein Sabbatjahr gerade jetzt eine sinnvolle Option darzustellen.

Bei William Lowe handelt es sich um das Pseudonym eines Bankers, der in die Jahre gekommen  und mit dem aktuellen Zustand der Branche unzufrieden ist.

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