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Master-Studiengänge kaum gewürdigt?

Mit der Bologna-Erklärung haben sich die europäischen Bildungsminister bereits 1999 auf europaweit einheitliche Hochschulabschlüsse verständigt. Mittlerweile sind bereits mehr als die Hälfte der Studiengänge an deutschen Hochschulen umgestellt. Waren in den vergangenen Jahren Bachelor- und Master-Absolventen im Bewerbungsmanagement noch Randerscheinungen, müssen Arbeitgeber heute vermehrt mit Bewerbungen der “neuen” Absolventen rechnen.

Die aktuelle Gehaltsstudie von alma mater, einer Personalberatung speziell für akademische Nachwuchskräfte, zeigt jedoch, dass vielen deutschen Unternehmen eine konkrete Strategie bei der gehaltsmäßigen Eingruppierung der Absolventen von Bachelor- und Master-Studiengängen fehlt.

“Im Rahmen einer Sonderbefragung wollten wir von den teilnehmenden Firmen wissen, inwieweit sie die neuen Studienabschlüsse im Vergleich zu Diplomabsolventen mit einem Aufschlag bzw. einem Abschlag beim Gehalt bewerten”, erklärt Jürgen Bühler von alma mater. Dabei ergab sich Überraschendes: Rund die Hälfte der 195 befragten Unternehmen gab an, Bachelors gleich vergüten zu wollen wie Diplomabsolventen.

“Wir deuten dieses Ergebnis dahingehend, dass ein nennenswerter Anteil der Unternehmen mit den “neuen” Absolventen erst noch mehr Erfahrung im Auswahlprozess sammeln muss”, so Bühler. “Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich solche Eingruppierungen in der Realität tatsächlich ergeben würden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Personalchef einem 22-jährigen Bachelor das gleiche Gehalt zahlt wie einem 26-jährigen Diplomstudent.”

Masterstudium verschafft nicht immer Vorsprung

Bachelor-Absolventen sind üblicherweise aufgrund der 6 Semester kürzeren Regelstudienzeit jünger als heutige Diplom-Absolventen und dürften naturgemäß über weniger theoretische Kenntnisse verfügen. Master-Absolventen hingegen haben in der Regel insgesamt 5 Jahre studiert und haben dann teilweise zwischen Bachelor-Abschluss und Master-Studium bereits erste Berufserfahrung gesammelt. Dennoch gaben über 70% der Firmen an, dass sie die Absolventen mit Master-Abschluss genauso vergüten möchten wie ihre Kommilitonen mit Diplom.

Damit nicht genug: Rund 37% der befragten Firmen gaben an, dass sie Absolventen aller drei Abschlussarten – Bachelor, Master und Diplom – gleich vergüten möchten. “Das hieße, dass Unternehmen die weiteren 2 Jahre Studium nicht honorierten. Da Gehälter Marktpreise für entsprechende Mitarbeiterqualifikationen darstellen, ist dieses Ergebnis paradox”, so Bühler.

Können also Bachelor-Absolventen im Hinblick auf ihre Verdienstmöglichkeiten auf ein entbehrungsreiches Master-Studium von vornherein verzichten? Jürgen Bühler von alma mater will das Ergebnis der Studie nicht überbewertet sehen: “Viele Firmen haben sich mit der neuen Situation noch nicht ausreichend auseinandergesetzt. Bislang hat es wohl zu wenige Praxisfälle gegeben.” Die Tendenz zeige durchaus Erwartbares: “Bachelor-Absolventen müssen beim Berufseinstieg gegenüber ihren Kommilitonen mit Diplom tendenziell eher mit einem Abschlag beim Gehalt rechnen.” Und immerhin rund ein Fünftel der Unternehmen stuft Absolventen mit Master-Abschluss vergütungstechnisch höher ein.

Kommentare (1)

Comments
  1. Das ist alles eine Sache der Umstellung und dauert etwas Zeit. Aehnlich wie es in den USA schwierig ist, jemandem den Wert eines Diplom-Studienganges zu vermitteln, wird es auch in Deutschland eine Weile dauern, bis gewisse Praeferenzen in Unternehmen aufgebaut werden. Das fuehrt dann zur gleichen Debatte: FH oder Uni, welcher Student ist besser? Bachelor, Master, Diplom, und dann noch die Kombinationen. Ist ein Bachelor in Computer Sciences mit einem MBA oben drauf das gleiche wie ein Diplom-Wirtschaftsinformatiker? Wer ist besser oder hat mehr oder anders gelernt? Am Ende entscheidet fuer den Personaler die persoenliche Erfahrung, die gemacht worden ist. Fuer den Bewerber gilt: Die Zettel sind die Basisvoraussetzung, am Ende heisst es, sich selbst zu vermarkten!

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