Wieso es normalerweise unsinnig ist, ein Gegenangebot zu akzeptieren

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Wer bei einem geplanten Jobwechsel ein Gegenangebot seines alten Arbeitgebers akzeptiert, kann seine Karriere gleich unter einen Bus voller Weight Watchers werfen - so denken die meisten Leute.

Headhunter sprechen sich vehement gegen die Annahme von Gegenangeboten aus. Freilich kassieren Headhunter nicht ihre volle Gebühr, wenn sich die Kandidaten im letzten Moment gegen einen Jobwechsel entscheiden. Andererseits mögen sie auch das Wohlergehen des Kandidaten (irgendwie) im Kopf haben.

Gegenangebote befinden sich auf einer Ebene mit Einstellungen. Gerüchten zufolge hat sich ein hochrangiger Banker, der vor einigen Wochen gekündigt hat, von seinem Nocharbeitgeber exakt drei Tage vor der endgültigen Entscheidung zum Bleiben überreden lassen. Neben dem Winken mit Geld, Beförderungen und schicken Jobbezeichnungen verfügen Banken angeblich auch über unterschwellige Anreizmöglichkeiten, um Sie zum Bleiben zu bewegen.

Falls Sie weggehen wollen und Ihr gegenwärtiger Arbeitgeber möchte, dass Sie bleiben, dann sollten Sie möglichst wenig darüber verraten, wohin Sie gehen werden. Falls Sie das versäumen, dann sollten Sie die folgenden Punkte in regelmässigen Abständen wiederholen. Bedenken Sie: Gegenangebote anzunehmen, macht selten Sinn.

1) Wenn Sie ein Gegenangebot annehmen, wird Ihnen das Ihr Vorgesetzter nie verzeihen

"Falls Sie nach einem Gegenangebot fragen, dann bringen Sie Ihren Vorgesetzten in eine schwierige Situation, da er dann gezwungen ist, zu seinem Chef zu gehen, um nach mehr Geld zu fragen, womit er als schwach erscheint", sagt David Reynolds von Scott Reynolds Search Partners.

2) Falls Sie ein Gegenangebot annehmen, werden sie schnellstmöglich entsorgt

"Jemanden mit einem Gegenangebot vom Weggehen abzubringen, verschafft dem Unternehmen auch Zeit, jemanden anderes für die Stelle zu finden. Denn Sie haben bereits gezeigt, dass Sie von dem Arbeitgeber nicht wirklich überzeugt sind", sagt Reynolds.

"Falls Sie ein Gegenangebot akzeptieren, dann spielen Sie ein sehr gefährliches Spiel. Sie haben Ihre Absicht dokumentiert, das Unternehmen verlassen zu wollen. Sie werden gegebenenfalls der erste sein, der geht, wenn die schwierigen Zeiten zurückkehren. In jedem Abwärtstrend haben wir beobachtet, dass Leute als erste gehen, die zuvor Gegenangebote angenommen haben", sagt ein anderer Headhunter, der lieber anonym bleibt.

3) Sofern Sie ein Gegenangebot annehmen, wird Ihnen das Team nie verzeihen

Indem Sie ein Gegenangebot akzeptieren, zeigen Sie auch, dass sie lediglich wegen des Geldes dort arbeiten, was nicht gerade schöne Dinge über Ihre Einstellung gegenüber dem Rest des Teams aussagt. Vielleicht wird Ihr Gegenangebot sogar aus dem diesjährigen Bonuspool bestritten, was Ihre Kollegen ganz besonders ärgern dürfte.

4) Wenn Sie ein Gegenangebot annehmen, bekommen Sie bei der nächstmöglichen Gelegenheit nur noch einen schlechten Bonus

In dem Gegenangebot mag ein Garantiebonus für ein Jahr enthalten sein, doch wenn die Garantie ausgelaufen ist, dann müssen Sie büssen. "Ihr Vorgesetzter wird sich erinnern und wird Sie bei der nächstbesten Gelegenheit übers Ohr hauen", rät ein Headhunter.

5) Selbst wenn Sie ein Gegenangebot akzeptieren, werden Sie gehen

Nachdem Sie ein Gegenangebot angenommen haben, wird Ihr Arbeitsleben so unangenehm werden, dass Sie ohnehin gehen werden. Und sobald Sie mehr Geld akzeptiert haben, werden Ihnen weitere Gründe für einen Weggang auffallen: ein unausstehlicher Boss, ein uninspirierender Job oder mangelnde Aufstiegsperspektiven. Alle diese Dinge sind vorhersehbar, weshalb Sie ohnehin gehen werden.

Headhunter betonen, dass zwei Jahre nach der Annahme eines Gegenangebotes nur noch wenige Leute, die gleiche Stelle haben.

"Geld wirkt nur kurzfristig motivierend", sagt Michael Moran vom Outsourcing- und Karriercoaching-Unternehmen Fairplace. "Und falls Sie weitere Punkte an Ihrem Vorgesetzten stören, dann bedenken Sie: Leute ändern sich nicht."

6) Ihr Ansehen bei den Headhuntern sinkt

Obgleich dies Sie bei der Annahme eines Gegenangebots kaum kümmern dürfte, sollten Sie doch im Hinterkopf behalten: Headhunter wollen nicht mehr mit Ihnen zusammenarbeiten. Denn wie anfangs gesagt, bekommen diese nicht ihre volle Vermittlungsgebühr, wenn Sie nicht tatsächlich wechseln.

Wenn die Annahme eines Gegenangebotes Sinn macht

Dies soll nicht heissen, dass die Annahme eines Gegenangebotes generell keinen Sinn macht. Denn ab und an mag dies doch sinnvoll erscheinen. Diese seltenen Gelegenheiten liegen vor, wenn...

1) ... das Gegenangebot etwas absolut verblüffendes enthält

"Fall Ihnen intern etwas unglaubliches angeboten wird und wenn es so aussieht, als würde sich der Vorschlag deutlich von dem Bisherigen abheben, dann bleiben Sie", sagt ein Headhunter. "Wenn Sie beispielsweise unbedingt nach Asien gehen wollen, und es Ihnen bislang verbaut war und jetzt möglich wird, dann sollten Sie offenkundig bleiben."

2) ... das Gegenangebot perfekt in Ihren grossen Karriereplan passt

Es ist leichter, zusätzliche Fähigkeiten und Kompetenzen bei einem internen Wechsel zu entwickeln als bei einem Arbeitgeberwechsel, sagt Michael Moran. Sofern daher das Gegenangebot eine Beförderung oder einen Seitenpfad zu Ihrem grossen Ziel eröffnet, dann bleiben Sie.

"Was Sie jedoch in keinen Fall tun sollten, ist mehr Geld zu akzeptieren und den gleichen alten Job weiterzumachen", sagt Moran.

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