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Manchmal trügt der schöne Schein: Wieso die Big 4 zur Karrierefalle werden können

Vorsicht vor Karrierefallen.

Vorsicht vor Karrierefallen.

Der Jobmotor läuft bei den Big 4 heiss. Auch im kommenden Geschäftsjahr 2017/18 wollten PwC, EY, KPMG und Deloitte wieder kräftig anheuern. Insgesamt summiert sich die Zahl auf über 6000 Stellen, von den üblicherweise etwa zwei Drittel auf Absolventen und ein Drittel auf Berufserfahrene entfallen. Die hohe Zahl der „Absolventen” in der unteren Tabelle ergibt sich aus dem simplen Umstand, dass hierin auch Praktikanten enthalten sind.

Generell stellen die Big 4 in sämtlichen Geschäftsbereichen ein – allerdings im unterschiedlichem Ausmass. „Unser Schwerpunkt liegt auf der Digitalen Transformation”, heisst es von Deloitte. Entsprechende Berufsbilder wie z.B. Cyber Security und Analytics seien besonders gefragt. „In allen Bereichen, allen voran derzeit im IT-Consulting und bei Financial Services, suchen wir fortlaufend neuen Kolleginnen und Kollegen”, meldet KPMG. „Auch unsere Wirtschaftsprüfung (Audit) wächst: Insbesondere unsere Niederlassungen in München, Frankfurt, Köln und Düsseldorf verstärken derzeit ihre Teams. Zusätzlich bieten wir im Bereich Finance Advisory spannende Herausforderungen für eine Karriere in der prüfungsnahen Beratung.” Unterdessen will PwC vermehrt in der Steuerberatung einstellen. Was die Studienrichtungen betrifft, sucht z.B. KPMG besonders nach Absolventen der Wirtschaftswissenschaften, Mathe/Physik und von „Fachrichtungen mit IT-Bezug.”

„Die Big 4 sind im Campus-Recruitment sehr gut aufgestellt”, bestätigt Executive Search-Expertin Stefanie Storck von Capital Talents in Frankfurt. „Die Studenten bekommen vermittelt, dass ihnen mit dem Einstieg bei den Big 4 alle Wege offenstehen. Die Leute gehen von der Uni gerne dorthin: Man hat den grossen Namen, reist viel und führt ein Leben, wie man es sich als Absolvent vorstellt”, ergänzt Storck.

Die Fluktuation ist relativ hoch

Doch für viele Big 4-Einsteiger folgt früher oder später die Ernüchterung. „Die Big 4 stellen auch deswegen so viele Leute ein, weil sie eine hohe Fluktuation aufweisen”, sagt Mike Boetticher von der match personalberatung in Frankfurt.

Laut Branchenkennern ist eine Fluktuation von 20 Prozent jährlich durchaus realistisch. Viele Berufseinsteiger nähmen die gute Ausbildung bei den Big 4 mit und würden nach einigen Jahren zu Corporates abspringen.

Bezahlung und hohe Reisezeiten sind nicht immer attraktiv

Ein Grund für die Fluktuation mag in der vergleichsweise mageren Bezahlung liegen. „Die zahlen nicht so gut, wie man eigentlich denken sollte”, sagt Storck. „Die Big 4 beschäftigen auch deshalb so viele junge Leute, weil diese im Vergleich zu den erfahreneren Mitarbeitern einfach günstiger sind. Bei den höheren Hierarchiestufen bzw. im Management wird es hingegen schwieriger. Dort können Sie eigentlich nur hingelangen, wenn Sie eine Laufbahn als Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer ansteuern”, ergänzt Boetticher.

Ein weiterer Grund mag in der Tatsache bestehen, dass die Beschäftigten eher selten im eigenen Büro arbeiten. „Viele Absolventen sind sich einfach nicht bewusst, was es heisst, jeden Tag beim Kunden zu arbeiten und aus dem Koffer zu leben”, ergänzt Boetticher. Die hohe Reisezeit sei ein Hauptgrund für die Fluktuation.

Bei den Big 4 gearbeitet zu haben, stellt keinen Karriereturbo dar

Ein Berufseinstieg über die Big 4 erweist sich keinesfalls immer als Karriereturbo. Laut Storck zögern viele Arbeitgeber, Kandidaten von den Big 4 anzuheuern. Denn gerade für kleinere Unternehmen und Boutiquen sei die Spezialisierung oftmals zu hoch. Die Leute von den Big 4 seien es oft nicht gewohnt, die Ärmel hochzukrempeln und Aufgaben zu erledigen, die ausserhalb ihres Aufgabenbereiches liegen, oder für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Doch genau dies sei bei kleineren Einheiten erforderlich.

Ganz ähnlich sieht dies Boetticher: „Die können nur zu Unternehmen wechseln, die eine vergleichbar grosse Spezialisierung haben.” So würden viele ehemalige Mitarbeiter der Big 4 auch im Controlling und Rechnungswesen von Grossunternehmen oder aber bei einem anderen der Big 4 unterkommen.

Oft müssen Kandidaten von Big 4 einen Realitätsschock verkraften

Durch die hohen Einstellungszahlen können PwC, KPMG, Ernst & Young sowie Deloitte nicht nur Spitzennachwuchs direkt von der Uni einstellen. „Man muss nicht unbedingt ein Ass sein, um bei den Big 4 unterzukommen. Und viele Arbeitgeber wissen das auch”, beobachtet Boetticher.

Falls sich Kandidaten von den Big 4 anderswo bewerben, erlebt so mancher einen Realitätsschock. „Die haben einfach nicht damit gerechnet, dass sie nicht die Topangebote erhalten”, beobachtet Storck. Für viele Berufseinsteiger böten M&A-Boutiquen, kleinere Banken oder Private Equity-Firmen langfristig bessere Karriereperspektiven. Boetticher ergänzt: „Ein Einstieg über die Big 4 macht eigentlich nach wie vor nur für Leute Sinn, die Steuerberater und anschliessend Wirtschaftsprüfer werden wollen.”


Kommentare (15)

Comments
  1. Alles was hier berichtet wird, ist sehr zutreffend. Ich war Praktikantin bei einer der Big 4 und konnte das alles selber erleben: Viele Absolventen, die mit Hoffnung auf einen Karrieresprung dort anfangen, und sich deswegen ausnutzen lassen (von 8 bis teilweise 2 Uhr morgens arbeiten… nicht selten auch am WE) und das, alles für einen niedrigeren Gehalt, als wenn sie in der Industrie angefangen hätten…
    Und dann erlebt man verbitterte Senior Consultants, die mit ihren Bezahlung, mit ihrer Arbeit und Vorgesetzten unzufrieden sind (sie haben oft vor mir darüber gesprochen…)
    Kein Wunder, dass es fast jeden Freitag eine Abschiedsfeier gab… Und dann erfährt man bei solchen Feiern, dass sie nicht zu einem tollen Unternehmen wechseln, sondern zu einer no-name Firma, bei der sie mal einen Projekt gemacht haben oder so…

    Also für alle die bei den Big4 anfangen wollen: Wirklich nur dort anfangen, wenn du es bis zum Partner dort schaffen willst!!

    Für mich war es eine sehr erleuchtende Erfahrung…

    Viele Grüße und, viel Glück an alle!!

  2. Interessanter Artikel, dem ich als “Insider” eigentlich nicht viel hinzuzufügen habe. Man hat erfreulicherweise wirklich Möglichkeiten, seine Horizonte bei den Big 4 zu erweitern, aber nach 2 Jahren bei EY kann ich nur sagen diejenigen, die länger bleiben sind oft sehr spezialisiert und wissen nicht einmal mehr wohin sie noch wechseln könnten. Die Bezahlung ist mies und aus dem Koffer zu leben, geht mit den Überstunden ziemlich auf die Work-Life Balance. Mein Fazit: es wird Absolventen bewusst eine Scheinwelt vorgespielt – die Zahlen Fluktuation, Gehalt etc. sagen alles. Ich persönlich kenne einige Einsteiger, die zu dem besseren Kandidatenkreis gehören und nach 6-18 Monaten der Big4 Gesellschaft den Rücken kehren.
    Verständlicherweise.

  3. “Die hohe Reisezeit sei auch ein Grund für die Fluktuation” Jein. Einige der Top10 bilden gezielt Leute 3-4 Jahre aus und platzieren sie dann per Festeinstellung beim Kunden, um leichter an Projekte zu kommen. Das ist der Hauptgrund der Fluktuation.

    Und: Wer in US-Unternehmen einsteigt, der muss sich schon klar darüber sein, dass hier keine klugen japanischen Denkweisen, sondern Quartalsdenken vorherrscht, da gibt es kein Ruhen, Beobachten und Nachdenken.

    Selber schuld, wer nicht richtig am Markt recherchiert oder seine Persönlichkeit falsch einschätzt.

  4. Das Problem bei Big4 sind nicht die langen Arbeitszeiten, und auch nicht die Dienstreisen, sondern die ganzen langweiligen, nicht anspruchsvollen Projekte und administrativen Aufgaben, die man dort täglich abarbeiten muss. Damit kommt man bei den künftigen Arbeitgebern nicht weiter. 2. Problem ist die miese Bezahlung.

  5. Habe selber bis letzts Jahr 3 Jahre bei einer der Big4 gearbeitet und einen ordentlichen Karrieresprung (sowohl vom Gehalt als auch vom Inhalt) gemacht. Arbeite jetzt als Teamleiter im Beteiligungscontrolling eines Mittelständlers und habe mein Anfangsgehalt von den Big4 mit meinem Wechsel mehr als verdoppelt.

    MfG

  6. Hallo,
    i
    ch selbst stehe vor der Entscheidung, bei einem der Big4-Unternehmen anzufangen, und zwar als quantitativer Berater fürs Risk Management. Ich dachte eigentlich, dass man dort gute Erfahrungen machen kann, um dann auch gute Wechselmöglichkeiten zu bekommen (denn ewig will auch ich nicht ausm Koffer leben)… sind meine Erwartungen denn so naiv, gerade im Bezug auf einen Wechsel in die Bankenlandschaft?

    Wäre auch für eure Erfahrungen und Meinungen sehr dankbar.

    MfG

  7. Also ich kann diese Sichtweise der Dinge nur teilweise bestätigen. Klar ist man als Senior oft genervt, und manchmal war die Arbeit hart.. ABER: Ich habe mittlerweile zu einem mittelständischen Industrieunternehmen gewechselt, und ich kann nur sagen, ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder zu einer BIG4 zurückzugehen… Die Arbeit ist einfach teilweise so langweilig und so operativ, dass ich diese hätte im ersten Seniorjahr bereits an einen Prakti oder Assistenten delegieren können. Persönliches Weiterkommen ist (fast) ausgeschlossen, selbst Mitarbeit quer auf der selben Hierarchiestufe ist fast unmöglich, da die anderen Führungskräfte blockieren. Also ich kann nur sagen, dass ich jederzeit wieder zu einer BIG4 gehen würde, und wenn es klappt auch wieder zurückgehen würde.

  8. Hi,

    kurz und knapp: Der Artikel hat in der Grundsätzlichen Richtig (für die Masse) schon Recht, allerdings ist er total dramatisiert! (und damit nicht aussagekräftig). Hab vor einem halben Jahr im Advisory einer der Big4 angefangen – hier meine Wahrnehmung:

    >>> Fluktuation: Klar, die ist hoch, das stimmt. Aber was sagt das aus? Die Big4 werden von vorneherein von vielen Absolventen als “Sprungbrett” genutzt, um früh viel Erfahrung zu sammeln und viel zu sehen – d.h. der AUsstieg ist teilweise schon grob geplant, bevor man überhaupt drin ist (kenne VIELE, die das so sehen). Im Grund ist daran auch nichts schlecht: bei den Big4 kommen aufgrund der guten Brand immer viele neue Absolventen – auf der anderen Seite bieten die Firmen im Gegenzug eine steile Lernkurve (vorausgesetzt, man ist bereit und motiviert, zu lernen).
    Abgesehen von den Big4 in WP&Advisory: Wo kann man denn als Absolvent (NUR mit Praktikaerfahrung) überhaupt erfolgreich einsteigen?? Als ich den Arbeitsmarkt damals gescreened, werden für fast jeden (Einstiegs-)Job 2-3 Jahre Berufserfahrung erwartet!

    >>> Reisetätigkeit: Okay, das ist schon ein Manko, keine Frage, aber: Nur durch Reisetätigkeiten hat man die Chance viele verschiedene Projekte/Firmen/Mandanten zu sehen. Wer sich damit nicht arrangieren kann (zumin. für 1-2 Jahre), sollte eine andere Beschäftigung suchen.

    >>> Bezahlung: Die könnte natürlich höher sein, keine Frage. Allerdings ist hier schon die Ausbildung (die eine Big4-Firma an den frischen Absolventen zwangsweise vornehmen muss) schon eingepreist. AUßerdem wird jeder, der eine super Performance liefert, auch sehen, dass sich das Gehalt schnell steigern kann!

    >>> Spezialisierung: Ist ein Thema das man schon früh mit dem eigenen Tutor absprechen muss. Man sollte immer auch den Überblick über die gesamte Themenpalette behalten. Wenn man in eine zu starke Spezialisierung gedrängt wird > wechseln!

    >>> Big4-Aussteiger unbeliebt: Lol, das höre ich in der Form zum ersten mal! Ich die meisten meiner Kollegen um mich herum bekommen ständig (!) Angebote von Kunden oder Headhuntern. Von daher

  9. Das oben genannte kann ich als ehemaliger bestätigen, dass einzige was von mir aus gesehen nicht ganz stimmt ist die Außenwahrnehmung, es gibt doch den ein oder anderen, der wieder irgendwo unterkommt. Es gibt jedoch auch viele die ohne einen neuen Job zu haben künden.

    Allgemein gilt mehr schein als sein…

  10. Der Beitrag beschreibt die Situation in den Big4 ziemlich treffsicher. Das Problem ist aber auch, dass die meisten Mitarbeiter eine “Untertanenmentalität” mitbringen und mit sich alles machen lassen. Wer bei einer Big4 regelmäßig Arbeitszeiten wie im Investmentbanking hat, der ist selbst Schuld. Einfach mal das Maul aufreißen, sage ich da nur. Ich selbst arbeite schon seit 3 Jahren bei einer Big4 und fahre damit ganz gut. Ich setze auch durch, meine Überstunden 1:1 abzufeiern, was im Endeffekt zu zusätzlichen 3-4 Wochen Urlaub (zu den standardmäßigen 6 Wochen Urlaub) pro Jahr führt.
    Klar ist auch: mit meinem Ansatz werde ich bei den Big4 mittel- bis langfristig keine Karriere machen können. Will ich aber auch aus den oben genannten Gründen gar nicht. Ich bin dennoch der festen Überzeugung, dass die Big4 einen guten Sprungbrett darstellen.

  11. >> Zum Thema Fluktuation: Verstehe nicht, warum das Thema überhaupt angeführt wird. Soll mich eine hohe Fluktuationsrate davon abhalten mich bei der Big4 zu bewerben? Wenn ich selbst doch zu diesen Berufseinsteigern gehöre, die für 2-4 Jahre eine gute Ausbildung suchen, um dann zu Corporates abzuspringen, ist die Fluktuationsrate doch selbsterklärend. Fluktuation ist in diesem Artikel negativ belegt, wobei sie doch von beiden Seiten (Arbeitgeber und -nehmer) gewollt ist.

    >> “Big 4 macht nur Sinn, wenn man StB+WP machen möchte”. Ich bin im Big4 Advisory, visiere derzeit keinen StB+WP an, also mache ich etwas falsch? Ich habe mich zu Big4 Advisory entschlossen, da ich hier (anders als in Boutiquen, MBB und Tier 1 Beratungen) keine 60+ Std. arbeiten muss, aber trotzdem interessante, abwechslungsreiche Projektarbeit bekomme. Natürlich fällt das Gehalt entsprechend geringer aus als bei obig Genannten. Aber was soll ich sagen: Ich verzichte gerne auf 20k mehr Brutto, wenn ich dafür 20 Std mehr Freizeit in der Woche habe. Und ich habe bislang noch nicht einen einzigen Kollegen kennengelernt (wirklich nicht einen Einzigen), der nach dem Abgang von Big4 einen schlechter bezahlten Job bekommen hat. Entweder diejenigen haben im neuen Job mit mehr Arbeit mehr Geld verdient oder mit weniger Arbeit das gleiche Geld verdient.

  12. Ich bin als Wirtschaftsprüfer Senior Manager bei einer Big-4-Gesellschaft; im Großen und Ganzen ist es sicher nicht falsch was in dem Artikel, ausgenommen, dass Big-4 Mitarbeiter angeblich nicht bereit seien “die Ärmel hochzukrempeln”. Ich glaube es gibt kaum eine Branche mit einer höheren Arbeitsbereitschaft – ich hatte letztes Jahr (leider) 450 Überstunden zu leisten; meine Mitarbeiter waren im Schnitt bei rund 300h. Außerhalb des Dienstleistungsbereichs haben viele leider wenig Vorstellung, welche monströse Anforderungen dieser Beruf stellt.

    Ich würde nachträglich nicht mehr in die Branche gehen; die Verdienstmöglichkeiten sind aktuell in Anbetracht der Anforderungen einfach zu schlecht.

  13. Deutschland hat das komplexeste Steuerrecht international, das zudem sinnlos überfrachtet und komplett veraltet ist. Das hat sich zur Anfangszeit der Bundesrepublik Deutschland als Lenkungs- und Subventionssteuerrecht zum Wiederaufbau der Industrie und Schaffung von preiswerten Wohnraumes rentiert – auch für die Berater.

    Heute spielt die Musik anderswo und die Verschwendung von Arbeitskraft und geistiger Kapazität an die überkommenen Berufsqualifikationen “Steuerberater” und “Wirtschaftsprüfer” hindern einen, dies zu sehen. Man hinkt förmlich der Globalisierung hinterher.

    Zumal diese freien Berufe im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung des Wirtschaftslebens keineswegs mehr eine sichere Bank sind wie früher, ähnlich wie heute schon Berufe in der Banken – und Versicherungswirtschaft.

    Die berufstypische Überforderung mit Arbeit und die umfangreiche Verpflichtung zur Weiterbildung im Rahmen des ausufernden Richterrechts (BFH – Rechtsprechung) erwecken den Eindruck der eigenen Wichtigkeit, was sich aber spätestens beim Blick auf die Gehaltsabrechnung korrigiert.

    Wer gerne für wenig Geld viel und geistig anspruchsvoll arbeitet, ist hier richtig.

  14. Ich arbeite als Senior bei einer Big4 und habe letztes Jahr pro Woche im Schnitt zwei Anfragen von Headhuntern bekommen. Soviel nur zu der Behauptung, man sei bei anderen Stellen nicht begehrt. Sicher wäre nicht bei jedem eine Stelle rumgekommen wenn ich es verfolgt hätte. Aber da von einer Karrierefalle zu sprechen ist schon recht weltfremd.

  15. Es stimmt, zum Teil! Ich selber arbeit seit 2012 (Praktikum) ab 2013 als festangestellter in der WP einer BIG 4.

    Seit 2 Jahren bin ich im AuditXcellence Programm und absolviere ein Studium, welches mir die WP-Klausuren erleichtert. Das Studium ist hart, die Arbeitszeiten mies und die Bezahlung unter aller Kanone. Dennoch wusste ich worauf ich mich einlasse und mein Ziel war es immer den WP zu machen. Diesen über das StB-Examen oder gar als Voll-WP abzulegen ist ein illosion, welcher ich mich nicht hingeben möchte. Daher denke ich, dass das Studium sinnvoll und gut ist um langfristig zu lernen und nicht in 4 Monaten sich das ganze Wissen einzuklopfen.

    Nun zum Generellen. Grundsätzlich hängt die Arbeitszufriedenheit oft auch vom Standort und Team ab. Das ist einfach Glück oder Pech. Dennoch bin ich überzeugt, dass ein Einstieg nach einem Wirtschaftswissenschaftsstudium sinnvoll ist. Man wird nunmal in eine Arbeitswelt reingeworfen, welche viele Aspekte hat und man viel lernt und parktisch anwendet. Alleine das Auftreten und die Selbstsicherheit auch gewissen Lücken zu übertünchen lernt man schnell.
    Die Schulungen helfen einem dabei diese Lücken im gewissen Rahmen zu schließen und hat man dann auch noch einen Senior der Lust auf die Arbeit hat kann man sehr viel in kurzer Zeit lernen und Verantwortung übernehmen. Aber auch hier sei angemerkt man muss einfach Glück haben im richtigen Team / Standort zu sein.

    Ich weiß von vielen Kollegen den es anders geht. Die Prüfungsleiter haben seit Ewigkeiten die gleichen Mandate und Aufgaben und einfach keine Lust mehr dem Nachwuchs irgendwas zu erklären. Meißt heißt es “schau doch im Vorjahr, das machen wir wieder genauso”. Zudem wissen auch viele Senioren einfach zu wenig über Prüfungsmethodik und beschäftigen sich einfach nicht mit ihrem Fachgebiet. Und hier offenbart sich das tatsächliche Problem. Die BIG 4 schaffen es nicht Anreize zu setzten. Als Senior welcher zum 2 oder gar 3 Mal in das StB-Examen geht und genau weiß, dass es eh nicht klappt hat man keine Chance mehr auf einen Aufstieg im Unternehmen. Man sitzt quasi seine Zeit ab, bis etwas besseres kommt für ein unfassbares schlechtes Geld im Verhältnis zur Arbeit.
    Die die es schaffen und einen WP haben bleiben dann meist auch nicht lange, da sich die Illusion als WP das große Geld zu verdienen oft sehr schnell zerschlägt. In Bezug auf die Verantwortung, Aufgaben und Zeit welche investiert wird, bezahlen die BIG 4 einfach zu schlecht.

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