Big Four-Jobs können grossartig sein, doch manchmal haben sie ihre Nachteile

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Big Four-Jobs können großartig sein, doch manchmal haben sie ihre Nachteile

Foto: Getty Images

Der Jobmotor läuft bei den Big Four heiss. Auch im kommenden Geschäftsjahr 2019/20 wollen PwC, EY, KPMG und Deloitte wieder kräftig anheuern. Allein PwC plant 3150 Neueinstellungen, darunter 1450 Absolventen, 700 „Young Professionals" und 1000 Praktikanten. „Im Geschäftsjahr 2018, das am 30. September 2018 endete, sind 2660 Kolleginnen und Kollegen neu bei KPMG eingetreten", sagt eine Unternehmenssprecherin. „Für das laufende Geschäftsjahr planen wir Neueinstellungen in ähnlicher Grössenordnung wie im Vorjahr." Von EY wiederum hiess es, die Gesellschaft habe im 2018/19 rund 2300 Neueinstellungen vorgenommen, worin Praktikanten und Werkstudenten nicht einmal enthalten seien.

Absolventen mathematisch-naturwissenschaftlicher Studiengänge besonders begehrt

Neben den klassischen Wirtschaftswissenschaftlern suchen die Big Four verstärkt Absolventen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen, was mit dem Trend zu Digitalisierung zusammenhängt. „Wir bieten grundsätzlich auch Absolventen anderer Studiengänge und insbesonderte der MINT-Studiengänge in allen Bereichen Einstiegsmöglichkeiten mit interessanten Verknüpfungen zu betriebswirtschaftlichen Fragestellungen und haben unsere Rekrutierungskampagne in diesem Jahr spezifisch auch auf das MINT-Segment ausgerichtet.

Auffallend bei sämtlichen Unternehmen ist der hohe Anteil an Hochschulabsolventen. „Die Big Four sind im Campus-Recruitment sehr gut aufgestellt", sagt Personalberaterin Stefanie Storck von TF Executives in Frankfurt. „Die Studenten bekommen vermittelt, dass ihnen mit dem Einstieg bei den Big Four alle Wege offenstehen. Die Leute gehen von der Uni gerne dorthin: Man hat den grossen Namen, reist viel und führt ein Leben, wie man es sich als Absolvent vorstellt", ergänzt Storck.

Die Fluktuation ist hoch

Doch für viele Big Four-Einsteiger folgt früher oder später die Ernüchterung. „Die Big Four stellen auch deswegen so viele Leute ein, weil sie eine hohe Fluktuation aufweisen", sagt Mike Boetticher von der match personalberatung in Frankfurt.

Laut Branchenkennern ist eine Fluktuation von 20 Prozent jährlich durchaus realistisch. Viele Berufseinsteiger nähmen die gute Ausbildung bei den Big Four mit und würden nach einigen Jahren zu Corporates abspringen.

Bezahlung und hohe Reisezeiten sind nicht immer attraktiv

Ein Grund für die Fluktuation mag in der vergleichsweise mageren Vergütung liegen. „Die zahlen nicht so gut, wie man eigentlich denken sollte", sagt Storck. „Die Big Four beschäftigen auch deshalb so viele junge Leute, weil diese im Vergleich zu den erfahreneren Mitarbeitern einfach günstiger sind. Bei den höheren Hierarchiestufen bzw. im Management wird es hingegen schwieriger. Dort können Sie eigentlich nur hingelangen, wenn Sie eine Laufbahn als Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer ansteuern", ergänzt Boetticher.

Ein weiterer Grund mag in der Tatsache bestehen, dass die Beschäftigten eher selten im eigenen Büro arbeiten. „Viele Absolventen sind sich einfach nicht bewusst, was es heisst, jeden Tag beim Kunden zu arbeiten und aus dem Koffer zu leben", ergänzt Boetticher. Die hohe Reisezeit sei ein Hauptgrund für die Fluktuation.

Bei den Big 4 gearbeitet zu haben, stellt keinen Karriereturbo dar

Ein Berufseinstieg über die Big 4 erweist sich keinesfalls immer als Karriereturbo. Laut Storck zögern viele Arbeitgeber, Kandidaten von den Big Four anzuheuern. Denn gerade für kleinere Unternehmen und Boutiquen sei die Spezialisierung oftmals zu hoch. Die Leute von den Big Four seien es oft nicht gewohnt, die Ärmel hochzukrempeln und Aufgaben zu erledigen, die ausserhalb ihres Aufgabenbereiches liegen, oder für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Doch genau dies sei bei kleineren Einheiten erforderlich.

Ganz ähnlich sieht dies Boetticher: „Die können nur zu Unternehmen wechseln, die eine vergleichbar grosse Spezialisierung haben." So würden viele ehemalige Mitarbeiter der Big Four auch im Controlling und Rechnungswesen von Grossunternehmen oder aber bei einem anderen der Big Four unterkommen.

Oft müssen Kandidaten von Big Four einen Realitätsschock verkraften

Durch die hohen Einstellungszahlen können PwC, KPMG, EY sowie Deloitte nicht nur Spitzennachwuchs direkt von der Uni einstellen. „Man muss nicht unbedingt ein Ass sein, um bei den Big Four unterzukommen. Und viele Arbeitgeber wissen das auch", beobachtet Boetticher.

Falls sich Kandidaten von den Big Four anderswo bewerben, erlebt so mancher einen Realitätsschock. „Die haben einfach nicht damit gerechnet, dass sie nicht die Topangebote erhalten", beobachtet Storck. Für viele Berufseinsteiger böten M&A-Boutiquen, kleinere Banken oder Private Equity-Firmen langfristig bessere Karriereperspektiven. Boetticher ergänzt: „Ein Einstieg über die Big Four macht eigentlich nach wie vor nur für Leute Sinn, die Steuerberater und anschliessend Wirtschaftsprüfer werden wollen."

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com

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