Geschlechtsbasierte Diskriminierungsklagen: Bald ein schwerer Schlag für Banken in Europa?

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In einem dieser Fälle wurden Arianna McGregor-Mezzotero, einem Banker bei BNP Paribas, 500,000 an Schadenersatz wegen sexueller Diskriminierung zugesprochen. Ein Tribunal gab ihr Recht, dass ihr Bonus, als sie schwanger war, um 80% auf Grund sexueller Diskriminierung gekürzt wurde. In dem anderen Fall, begann ein Ex-Banker von Dresdner Kleinwort Wasserstein, Beth Baird, ein Verfahren gegen die Bank, die Sie entlassen hat, da Sie angeblich eine Grossfamilie wolle und zum Zeitpunkt auf Mutterschaftsurlaub war. Sie fordert nun eine Entschädigung über 500,000 von ihrer Bank.

Solche Fälle sind nichts ungewöhnliches in "der City" von London, wo ganz alleine das erwähnen der Worte sexuelle Diskrimierung' einen Ansturm von Banken auf Anwälte für Arbeitsrecht auslöst. Im Vergleich dazu gibt es relativ selten Verfahren bezüglich sexueller Diskriminierung in Frankfurt und Paris. Jedoch könne die Fälle Baird und McGregor-Mezzotero eine Vorwarnung sein, von dem was noch kommen wird.

Deutschland: das Nachhol-Spiel

Grossbritannien hat eine lange Geschichte im Kampf gegen Diskriminierung. Der "Equal Pay Act" von 1970 und der "Sex Discrimination Act" von 1976 plazierte dieses Thema in die Gesetzesbücher vor über zwei Jahrzehnte.

Lokale Gesetzgebung wurde durch eine Serie von Anti-Diskriminierungsrichtlinien von der Europäischen Union verstärkt. Die EU veröffentlichte eine Richtlinie im Jahre 2002, in der die Bestandteile von geschlechtsbezogener Diskriminierung definiert wurde. In Grossbritannien gab es daraufhin eine Anzahl an aufeinanderfolgenden Verfahren, in welchen mindestens zehn, wenn nicht noch mehr Investment Banken involviert waren.

Im Gegensatz hierzu machen Deutschland und Frankreich solche Rechtsstreitigkeiten eher schwierig: für Arbeitnehmer, nicht Arbeitgeber. "Unsere existierenden Diskriminierungsgesetze sind sehr limitiert," sagt Hans Pieter Loew, ein Partner bei Lovells, einer Kanzlei für Arbeitsrecht in Frankfurt. "Es gibt eine gesetzliche Verpflichtung Frauen und Männer aufgrund ihres Geschlechtes nicht anders zu behandeln. Die schwierige Aufgabe einen Vorfall zu beweisen liegt auf Seiten der Angestellten, und in solchen Fällen derartiges zu beweisen ist die Schwierigkeit."

Deshalb bleiben solche Probleme, die Geschlechterdiskriminierung involvieren, meist dem Betriebsrat zu schlichten, da es an rechtlichen Zufluchtsmöglichkeiten fehlt.

Dies wird jedoch nicht mehr lange der Fall sein. Deutschland wird die Guideline der EU über Gleichberechtigung der Geschlechter im Laufe des Jahres übernehmen, und dies könnte eine revolutionäre Auswirkung haben. Die EU Guideline verschiebt das (Un-) Gleichgewicht zugunsten der Angestellten: sofern eine Beschwerde eingereicht wird, liegt es nun am Arbeitgeber das Gegenteil zu beweisen.

Loew sagt, dass Banken bereits um Rat fragen: "Wir warnen unsere Kunden im Investment Banking sehr stark, über diese neue Legislatur Bescheid zu wissen. Es wird einen enormen Unterschied ausmachen; sie werden sicher gehen müssen, dass ein Regelwerk existiert, das Bonusbezahlungen absolut objektiv behandelt."

Paris: Hilfe für Angestellte

Frankreich erliess eine Richtlinie 1975, die vorschreibt, dass männliche und weibliche Angestellte für den selben Job gleich bezahlt werden müssen und übernahm bereits die Richtline für sexuelle Diskriminierung der EU. Klagen wegen sexueller Diskriminierung sind jedoch selten. Clare Toumieux, eine Anwältin für Arbeitsrecht bei Flichy & Associés in Paris sagt, dass sich Diskriminierungsklagen eher um unterschiedlich schnelle Beförderung von gleichqualifizierten Mitarbeitern drehen, als das sie auf ungleiche Vergütung wegen sexueller Unterschiede basiert sind.

Die französische Regierung verstärkte ihre Anstregungen gegen Diskriminierung letzten Monat, indem sie eine neue Überwachungsbehörde (Haute Autorité de Lutte Contre les Discriminations et pour l'Egalité - 'HALDE') ins Leben gerufen hat, die gegen Diskriminierung und für mehr Gleichberechtigung vorgehen soll.

Diane Bacquet-Herbaux, einer Anwältin für Arbeitsrecht bei Freshfields in Paris sagt, dass Leute, die eine Klage wegen Diskriminierung in Frankreich initiieren oft darin gehindert werden, indem sie das Problem haben die Tatsache zu beweisen, dass Diskriminierung überhaupt existiert. Dies sollte sich bald durch HALDE' ändern, die dabei hilft, Beweise von Diskriminierung am Arbeitsplatz und sonstwo zu sammeln.

Phillip Thomas, einem Anwalt für Arbeitsrecht bei Lovells in Paris sagt, dass die neue Einrichtung ein mehr proaktives Angehen gegenüber Diskriminierung veranlassen wird: "Die Welle von Klagen in "der City" von London könnte nun nach Paris kommen." Herr Thomas sagt weiter, "Wir wissen, dass es grosse Unterschiede in den Gehältern zwischen den Geschlechtern in Frankreich gibt, jedoch gab es bisher noch nicht viele Klagen."

Er warnt, dass Bonuszahlungen in Grossbritannien der Spannungsgebiet für Streitfragen sein wird.

Einige Banken sind vorbereitet... oder nicht

Einige Banken sind bereits auf die erwartete Anti-Diskriminierungs-Bewegung vorbereitet. US Banken behandeln Kontinetaleuropa bereits mit ähnlicher Vorsicht, wie die ultra-empfindliche USA. "Wir wenden die selben Gleichberechtigungsanforderungen in all unserern Geschäftsfeldern an", so ein Managing Director einer US Bank in Frankreich.

Einige europäische Banken sind diesem Beispiel gefolgt. Die HypoVereinsbank und die Deutsche Bank in Frankfurt, zum Beispiel, haben bereits einen sogennaten Diversity Coordinator', dessen Aufgabe es ist, Fälle von Diskriminierung aufzuspüren.

"Wir müssen uns wegen dieser Gesetzgebung keinen neuen Aufgaben stellen," sagt Patrick Fischer, ein Sprecher in der Frankfurter Niederlassung der Deutschen Bank, dessen Diversity Team' in Deutschland bereits 2001 gegründet wurde. "Wir operieren bereits in Ländern, in denen ähnliche Gesetze gelten, desweiteren sind wir sehr gut vorbereitet."

Trotzdem gibt es einige, die in dieser Hinsicht etwas zurück liegen. BNP Paribas und Société Générale, zum Beispiel, sind völlig ohne Gleichberechtigungsexperten. "Klagen wegen Diskriminierung sind weitaus seltener als in England," erklärt ein Sprecher von BNP Paribas in Paris. Schade, dass dies wohl nicht mehr lange der Fall bleiben wird.

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