Boomtown Zürich könnte Finanzkrise glimpflich überstehen

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Der Finanzplatz Zürich hat erheblich an Bedeutung gewonnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Uni Zürich mit dem sinnigen Titel "Finanzplatz Zürich 2008". Das Problem: Weil die Datensätze lediglich den Zeitraum von 1995 bis 2005 umfassten, wurde die "Boom- und Bust"-Periode 2006-08 komplett ausgeblendet.

Hans Geiger, der vor kurzem emeritierte für die Studie verantwortliche Professor hielt sich deshalb mit einer Prognose für die weitere Entwicklung zurück. Statt dessen verwies er auf den von der City of London herausgegebenen "Global Financial Centres Index". Demnach hat Zürich von April bis September 2008 - also mitten in der Finanzkrise - seine Position als führender Standort in Kontinentaleuropa sogar noch ausbauen können.

In der Schweiz ist während dieses Zehn-Jahres-Zeitraums die Zahl der Finanz-Arbeitsplätze um fünf Prozent gestiegen. Dabei hat der fast 50prozentige Anstieg bei den spezialisierten Finanzdienstleistern den Rückgang den regulierten Sektoren Banken und Versicherungen mehr als aufgewogen.

Dazu zählen vor allem die in den Kantonen Zug und Schwyz angesiedelten Anbieter von alternativen Investments wie die Man Group und Partners Group .

"Der Zuwachs erfolgte vor allem bei den spezialisierten Finanzdienstleistern sowie bei den Versicherungen, bei denen die Agglomeration Zürich stark von der Konsolidierung der Branche profitierte", heisst es weiter. Dagegen verzeichneten die Bankbranche in den Regionen Genf und Waadt einen leichten Rückgang, der Versicherungssektor sogar einen starken Rückgang.

Personalberater warnen zwar, dass sich Zürich - wie andere Finanzmetropolen - im laufenden Jahr auf turbulenten Zeiten einstellen muss, gleichzeitig profitiere der Standort von bestimmten Qualitäten. "Was die Stadt ausmacht, ist die Stärke im Private Banking", sagt Klaus Biermann, Headhunter bei Smith & Jessen.

Neben den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sitzen hier auch viele Privatbanken, Vermögensverwalter und Family Offices. Ausserdem haben Kantonalbanken und Raiffeisenbanken die Gunst der Stunde genutzt, und Mitarbeiter eingestellt.

"Es wird zwar wohl noch eine Entlassungswelle geben, doch die Basis für einen Wiederaufstieg ist da", zeigt sich Biermann optimistisch.

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