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Bankenexperte warnt vor Verlust von 24.000 Jobs in der Vermögensverwaltung

Die Vermögensverwaltung ist das für Schweizer Banken zentrale Geschäft. Doch es schrumpft dramatisch. Jetzt sind beinahe 20 Prozent aller Bankjobs gefährdet.

Nicht nur die Grossbanken müssen Tausende von Leuten entlassen, sondern auch alle anderen Vermögensverwalter. Bis zu 24000 der 137000 Angestellten in der Schweiz droht die Kündigung, warnt der Bankenexperte Hans Kaufmann (60), einst Chefökonom der Bank Julius Bär und heute Nationalrat der SVP.

Die bei Schweizer Finanzinstituten deponierten Vermögenswerte beliefen sich auf dem Höchststand im Herbst 2007 auf 5,4 Bio. Franken. Im Februar waren es nur noch 3,7 Bio. Franken – ein Minus von 32 Prozent. Dabei sank der Anteil der Werte von Ausländern von 60 auf 57 Prozent.

Pro Milliarde Franken verwalteter Vermögen erzielen die Banken Einnahmen von 0,6 bis 0,8 Prozent. Insgesamt sinken die Erträge also um 10 bis 14 Mrd. Franken. Das sind 2 bis 2,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts der Schweiz.

Vier Berater beschäftigt eine Bank pro Mrd. Franken verwalteter Vermögenswerte. Dazu kommen weitere vier bis zehn Leute, um die Geschäfte abzuwickeln. Rechnet man dies hoch auf den Aderlass in den Depots, stehen 14.000 bis 24.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Besserung ist nicht in Sicht, sagt Kaufmann: “Wegen der Diskussion um das Bankgeheimnis können die Finanzinstitute keine neuen Kunden und damit auch keine Neugeschäfte mehr akquirieren.” Zudem bleiben die Börsen angesichts der globalen Rezession unter Druck und damit die Erträge. “Daher müssen die Banken jetzt handeln und ihre Kosten senken”, so Kaufmann: “Dies bedeutet Arbeitsplatzabbau.”

Denn die Personalkosten machen zwei Drittel des Geschäftsaufwands der Banken aus. Im Schnitt geben Institute wie Vontobel und Julius Bär pro Mitarbeiter jährlich mehr als 270.000 Franken aus.

In den kommenden Monaten fällt der Mitarbeiterbestand im schlimmsten Fall auf das Niveau der Beschäftigung im Finanzsektor von 2003, schätzt Kaufmann. Damals belief sich der Personalbestand auf 113.000 Mitarbeiter.

Bis jetzt gaben aber erst die Grossbanken einen Abbau von 3.150 Jobs in der Schweiz bekannt. Privatbanken wie Julius Bär oder Vontobel haben hingegen 2008 ihren Personalbestand noch erhöht. Jetzt dreht der Trend. So definierten sowohl Vontobel wie Bär hohe Sparziele. Die können ohne Entlassungen nicht realisiert werden.

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