INTERVIEW mit Bernard Droux, dem neuen Präsidenten der Stiftung Finanzplatz Genf

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Die Stiftung Finanzplatz Genf wurde in 1991 von 80 Mitgliedern der Genfer Börse ins Leben gerufen und soll die Entwicklung und die Ausstrahlung des Finanzplatzes am Genfer See fördern. Die Stiftung engagiert sich namentlich für die Stärkung der Fachkenntnisse und der Kompetenzen der Mitarbeiter am Finanzplatz, indem sie die berufliche und akademische Fortbildung sicherstellt. Hier ein Interview von eFinancialCareers.ch mit Bernard Droux, der seit dem 1. Juni Präsident der Stiftung ist.

eFC: Welches sind heute die Herausforderungen des Finanzplatzes Genf? Was wollen Sie während Ihrer Amtszeit konkret in Angriff nehmen?

Bernard Droux: Ich werde meine Aufgaben im Herzen des Finanzplatzes Genf ausüben. Bevor ist mich hierzu äussere, möchte ich den Kurs mit dem Stiftungsrat abstimmen.

eFC: Anlässlich der Veröffentlichung der Konjunkturstudie 2009/10 hat ihr Vorgänger Ivan Pictet daran erinnert, dass die grossen Genfer Finanzdienstleister ihre Mitarbeiterzahl verringert haben - allerdings nur sehr moderat im Vergleich zur Ergebnisentwicklung. Welches sind die jüngsten Tendenzen im Jahr 2010?

Bernard Droux: Nach dem Erscheinen der Konjunkturstudie im kommenden Oktober werde ich besser in der Lage sein, Ihre Frage zu beantworten. Dennoch stelle ich fest, dass sich die Zahl der Bankbeschäftigten in Genf bei etwa 20.000 stabilisiert. Ausserdem hat sich die Zahl der arbeitslosen Banker seit Juli 2009 um mehr als 20 Prozent verringert.

eFC: Bonussteuer in Grossbritannien, Eurokrise...: Haben diese Entwicklungen zu einem weiteren Zulauf von Bankspezialisten am Finanzplatz Genf geführt?

Bernard Droux: Genf hat seine Attraktivität nicht verloren, da sich wichtige Abteilungen britischer Hedgefonds hier angesiedelt haben und weil es keinerlei Abwanderung von Banken zu anderen Finanzplätzen gibt.

eFC: Zürich und Genf leisten sich oft ein Kopf-an-Kopf-Rennen in internationalen Rankings (Global Financial Centres Index, Worldwide Quality of Living Survey ...). Was unterscheidet die beiden Finanzplätze heute voneinander?

Bernard Droux: Zürich ist ein bedeutenderer Finanzplatz als Genf - namentlich bei den Mitarbeiterzahlen. Zürich verfügt über einen sehr entwickelten Versicherungs- und Rückversicherungs-Sektor, über den Genf nicht verfügt. Das Gewicht der beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS ist überdies ausschlaggebend in Zürich.

Bei Genf handelt es sich um einen Finanzplatz, an dem die verschiedenen Bankarten ausgewogener vertreten sind und der internationaler ist, was die Zahl und die Qualität der ausländischen Banken anbetrifft. Genf besitzt ein höheres Ansehen als Zürich im internationalen Private Banking. Ausserdem verfügt Genf über eine ungleich bessere Stellung im Handel und der Finanzierung von Rohstoffen.

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