Rückblick 2010 - eine Bilanz des ersten Nachkrisenjahres in der Schweiz

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Die Aufsteiger...

UBS - das Stehaufmännchen

Als wahres Stehaufmännchen hat sich die UBS in 2010 erwiesen. So kehrte der Schweizer Branchenprimus in den ersten neun Monaten des Jahres kraftvoll in die schwarzen Zahlen zurück und generierte einen Vorsteuergewinn von 6,2 Mrd. Franken; im Vorjahreszeitraum hatte die damals strauchelnde Grossbank noch einen Verlust von 3,5 Mrd. Franken verkraften müssen.

Die Kehrtwende schaffte vor allem das Investmentbanking. Nach einem Verlust von 6,4 Mrd. Franken in den ersten neun Monaten 2009 konnte die Sparte im gleichen Zeitraum 2010 einen Gewinn von 2,1 Mrd. Franken generieren. Um wieder ein grösseres Rad in den Branche drehen zu können, stockte die UBS ihr Personal in 2010 um mehr als 1000 Investmentbanker auf. Ob diese Investition sich auszahlt, muss sich erst noch erweisen. Denn im dritten Quartal fiel die Sparte mit einem Verlust von gut 400 Mio. Franken in die roten Zahlen zurück.

Auch im Wealth Management geht es wieder bergauf. So wurde der Staatsvertrag mit den USA über die Herausgabe von UBS-Kundendaten im Sommer vom Bundesrat abgenickt und vor allem konnte der Schweizer Branchenprimus im dritten Quartal erstmals seit langem wieder einen Nettoneugeldzufluss von 1 Mrd. Franken verzeichnen.

Damit scheint der jetzige UBS-Chef Oswald Grübel erfolgreich die Trendwende geschafft zu haben, nachdem der 67jährige zur UBS-Sanierung aus dem Ruhestand zurückberufen werden musste. Nach der Kehrtwende scheint die UBS mit dem Neuzugang Sergio Ermotti einen Nachfolger für Grübel aufbauen zu wollen.

Die Hedgefonds kommen - Good Bye London, Bonjour Genève

Während der Finanzkrise musste die britische Regierung gleich mehrere Grossbanken mit Steuergeldern vor dem Zusammenbruch bewahren und hat sich damit gemessen am Bruttoinlandsprodukt ein zweistelliges Staatsdefizit eingehandelt. Um sich das Geld u.a. von den Bankern zurückzuholen, wurde der Spitzensteuersatz für Einkommen über 150.000 Pfund auf 50 Prozent heraufgesetzt.

Doch was hat dies alles mit der Schweiz zu tun? Sehr viel, denn so mancher von Steuern bedrohte Hedgefondsmanager hat die Schweiz als Zufluchtsort entdeckt. So haben beispielsweise die Londoner Branchengrössen Bluecrest Capital und Brevan Howard erhebliche Teile ihrer Aktivitäten nach Genf verlagert. Die Hedgefonds-Flüchtlinge werden übrigens auch in Zürich mit offenen Armen empfangen.

Und die Rohstoffhändler sind schon da - Glencore und Co.

Die Weltwirtschaft brummt wieder und die Rohstoffpreise zeigen kräftig nach oben. So konnten im Herbst neue Allzeithochs bei Gold und Kupfer vermeldet werden. Damit klingeln auch die Kassen der Rohstoffhändler in der Schweiz, die sich immer mehr zur Drehscheibe des physischen Rohstoffhandels entwickelt.

Bestes Beispiel hierfür ist das nach Umsatz grösste Schweizer Unternehmen Glencore mit Sitz in Baar. Der nicht-börsennotierte Konzern erwirtschaftete nach eigenen Angaben in der ersten Jahreshälfte einen Umsatz von 70 Mrd. Dollar, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 55 Prozent entspricht. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern um Abschreibungen (EBITDA) legte indes um 69 Prozent auf 2,6 Mrd. Dollar zu. Glencorechef Ivan Glasenberg hat übrigens im Dezember die Schweizer Staatsangehörigkeit erhalten.

Absteiger...

Bankgeheimnis

Laut dem Volksmund leben Totgesagte bekanntlich länger. Nach der Herausgabe von UBS-Kundendaten an die US-Steuerdaten und dem wiederholten Verkauf von CDs mit Kundendaten an die deutschen Steuerbehörden galt das ehrwürdige Schweizer Bankgeheimnis mancherorts schon als Geschichte.

Doch nach den Eckpunkten des neuen Doppelbesteuerungsabkommens mit Deutschland scheint das Bankgeheimnis ein unerwartetes Comeback zu feiern. Demnach werden keine Kundendaten an die deutschen Steuerbehörden ausgehändigt, vielmehr soll eine Abgeltungssteuer für die deutschen Steuerbürger in Höhe von voraussichtlich 25 bis 30 Prozent von den Schweizer Banken an den deutschen Fiskus abgeführt werden.

Doch für das bekannte Sprichwort gibt es auch eine andere Version: "Der König ist tot, es lebe der König", das für die gefundene Regelung eher zutreffen dürfte. Denn mit dem Doppelbesteuerungsabkommen fällt ein wichtiger Wettbewerbsvorteil der Schweizer Banken gegenüber einer Onshore-Anlage in den Herkunftsländern weg. Fortan können die Schweizer Häuser nicht mit stillschweigender Steuerverschonung punkten, sondern sie müssen mit besserer Leistung um Kunden werben. Mithin werden die Anforderungen an die Private Banker in der Schweiz deutlich steigen.

Die Credit Suisse - der Glanz verblasst

Von einem Absteiger lässt sich bei der Credit Suisse eigentlich nicht sprechen, vielmehr verblasst der Glanz des Vorjahres. So ist das Vorsteuerergebnis in den ersten neun Monaten des Jahres von 7,2 Mrd. Franken in 2009 auf 5,5 Mrd. Franken in 2010 gesunken. Damit sackte die Credit Suisse sogar unter die UBS ab und ist damit lediglich die Nummer zwei am Paradeplatz.

Im Wealth Management purzelte das Vorsteuerergebnis um 6,6 Prozent auf knapp 2 Mrd. Franken; im Investmentbanking halbierte sich der Vorsteuergewinn sogar fast auf 3,2 Mrd. Franken. So setzte die Credit Suisse im August sogar 75 Investmentbanker vor die Tür.

Damit dürften auch die üppigen Bonuszahlungen bei der Credit Suisse, die zu Jahresbeginn noch für Furore sorgten, empfindlich sinken. Beispielsweise hatte Credit Suisse-Chef Brady Dougan im Frühling eine Vergütung von über 70 Mio. Franken eingestrichen.

UBP zahlt 500 Mio. Franken für die Madoff-Opfer

Wieder einmal zwingt eine drohende Klage vor einem US-Gericht eine Schweizer Bank in die Knie. Die Genfer Bank Union Bancaire Privée (UBP) einigte sich mit Irving Picard, dem Treuhänder der Opfer des US-Finanzbetrügers Bernard Madoff auf eine Entschädigung von 500 Mio. US-Dollar. Damit handelt es sich um die bislang grösste Summe, die Picard bei einer Bank eintreiben konnte. Die UBP generierte mit ihren rund 1200 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2009 einen Gewinn von lediglich 163 Mio. Franken.

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