GASTBEITRAG: Spielt der MBA für Bankenjobs keine Rolle mehr?

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Foto: Getty Images

2002 begann ich meine Karriere mit einem Graduiertenprogramm im Investmentbanking. Da ich nur einen Bachelor mitbrachte, landete ich in der Analystenklasse. Neben mir sassen einige Trainees mit einer Promotion in Mathematik. Einer hatte sogar schon mehrere Aufsätze zur Preisfindung von Optionen veröffentlicht. Die renommiertere Associate-Klasse blieb der wahren Elite der MBA-Absolventen vorbehalten.

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Die diesjährige Analystengeneration besuchte noch den Kindergarten, als ich im Investmentbanking anfing. Während sie aufwuchsen, hat der MBA seine Bedeutung im Banking verloren.

Um das zu verstehen, müssen wir uns vor Augen führen, weshalb der MBA einst so wichtig war. Die Stichworte lauten: Relevanz, Inhalt, Signalwirkung, Filter und Networking.

Wieso der Inhalt eines MBA einst für Banken wichtig war?

So mancher mag annehmen, dass angehende Banker einen MBA absolvieren, um ihren Job zu lernen. Tatsächlich war dies einst sogar fast der Fall. Denn in der Vergangenheit stellte das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen – inklusive Börsengängen – die Königsdisziplin im Banking dar. Gute M&A-Dealmaker benötigten damals wie heute allgemeine BWL-Kenntnisse, die zum Brot-und-Butter-Geschäft der MBA-Studiengänge zählen.

Schon vor zwei Jahrzehnten gingen nicht sämtliche MBA-Absolventen ins M&A. Einige verschlug es auch in die Aktienanalyse, wo ihre Hauptaufgabe darin bestand M&A-Deals anzupreisen. Das wichtigste Quantitative Instrument im Aktienresearch besteht in den Bewertungsmethoden wie der Discounted Cash Flow-Analyse (DCF). Ein mathematisch versierter MBA-Student kann leicht genügend Kenntnisse des Financial Engineerings erwerben, um damit einen Corporate Treasurer zu beeindrucken.

Doch als ich nach dem Platzen der New Economy-Blase ins Banking ging, befand sich die Bedeutung des Geschäfts mit Fusionen, Übernahmen und Börsengängen bereits auf dem absteigenden Ast. Dieser Trend sollte sich bis heute fortsetzen. Sicherlich kann das M&A-Geschäft auf ein exzellentes viertes Quartal 2018 zurückblicken, aber heute können viele Unternehmen in privater Hand leicht Fremdkapital aufnehmen und die börsennotierten Unternehmen nutzen ihr Cash vermehrt für Aktienrückkäufe. Unterdessen stellt die EU-Richtlinie MiFID II den letzten Sargnagel in den Erdmöbeln der Aktienanalysten dar.

Das wirkliche Problem lautet: Banken und Hedgefonds brauchen keine Business-Generalisten mehr. Die Elite in den heutigen Analystenklassen sind die Leute, die Programmieren und Maschinenlernen beherrschen. Immer mehr Trader bringen Master oder Promotion in hochquantitativen Fächern mit. Einfach nur eine Cash-Flow-Analyse anzustellen, genügt schon länger nicht mehr.

Wieso sollten Banker überhaupt noch Top-MBAs machen wollen?

Abgesehen von Rechnungslegung und Jura haben die meisten Studienabschlüsse recht wenig mit dem zu tun, was Studenten letztlich beruflich machen. Wieso sollte man sich also damit beschäftigen? Weil sie ein Signal für jeden Arbeitgeber darstellen, dass man einstellenswert ist.

So signalisiert beispielsweise ein MBA, dass der potenzielle Mitarbeiter vom Banking überzeugt ist. Ein MBA ist oft anstrengend und langweilig – wie viele Jobs im Banking auch. Darüber hinaus schlagen sie zu Buche – sowohl was Gebühren als auch Lebenshaltungskosten betrifft. Ein Mitarbeiter mit einem MBA muss also wirklich Banker werden wollen.

Banken erhalten für jede offene Stelle oft hunderte oder gar tausende von Bewerbungen. Kein gestresster Hiring Manager verschwendet seine Zeit darauf, sich die passenden Leute für ein Vorstellungsgespräch herauszupicken. An dieser Stelle kommt die Filter-Funktion eines MBA ins Spiel. Ein einfacher Personaler fischt einfach die Bewerbungen heraus, die die Mindestanforderungen erfüllen.

Einen MBA ins Anforderungsprofil einer Stelle hineinzuschreiben, erleichterte faulen Unternehmen lange, die Zahl der Bewerbungen für eine genauerer Sichtung zu reduzieren. Damit wird der Job, gute Leute zu finden, gewissermassen an die Eingangsprüfungen der Business Schools ausgelagert. An einer renommierten Business School angenommen zu werden, stellt keinen Zuckerschlecken dar. Wer das geschafft hat, den lohnt es sich wahrscheinlich zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen.

Auch heute noch nutzen Arbeitgeber Filter, die meisten sind jedoch automatisiert. Ein Master in Finance, Financial Engineering oder Ökonometrie macht oft ähnlich viel wie ein MBA her. Auch sie erfüllen die Signalfunktion. Darüber hinaus sind sie auch noch für die Banker von heute relevant.

Lohnt sich ein MBA fürs Networking?

Den grössten Vorteil eines MBA stellte einst wohl die Chance zum Networking dar, die mit ihm einherging. Wer ins M&A oder Sales Trading ging, für den waren Karteikästen mit den Kontaktdaten künftiger Geschäftsführer und Finanzchefs Gold wert.

Persönliche Kontakte helfen heute immer noch, einen Fuss in die Tür zu bekommen. Für den Abschluss eines Geschäfts reichen sie allerdings nicht. Die Zeiten des „Vitamin B-Bankings“ sind passé. Aufgrund der Regulierung und des Kostendrucks muss jemand schon einen sehr guten Grund vorbringen, dass nicht einfach der beste Deal genommen wird.

Ist das Ende des MBA nah?

Kandidaten mit einem MBA werden in Zukunft seltener zum Zuge kommen, verschwinden werden sie aber nicht. Viele Business Schools modernisieren ihre Kurse, indem sie Module wie Maschinenlernen oder Programmieren aufnehmen, während das Generalistenprogramm beibehalten wird.

Wichtig ist dabei: Die Arbeit bei Unternehmen ohne Background-Vielfalt macht wenig Spass und das Gruppendenken kann sogar verheerende Folgen zeigen. Wer zu viele MBAs beschäftigt, die alle das gleiche denken, ist schlecht dran. Doch ein Team zu beschäftigen, welches ausschliesslich aus promovierten Physikern besteht, wäre ebenso verheerend. Ich würde sogar sagen, dass das Gruppendenken der Promovierten seinen Teil zur Finanzkrise von 2008 beigetragen hat.

Robert Craver hat früher im Investmentbanking und Assetmanagement gearbeitet und mit exotischen Optionen gehandelt. So hat er früher das Geschäft mit festverzinslichen Anleihen beim Hedgefonds AHL geleitet. Er besitzt Bachelor und Master, aber keinen MBA. Carver ist Autor von „Systematic Trading“ und „Smart Portfolios“.

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