Wie Ihre Ehe die Arbeit im Banking übersteht

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Die Ehe mit einem Investmentbanker stellt gewiss kein Bett aus Rosen dar. Umgekehrt gestaltet sich auch die Partnersuche für Investmentbanker schwierig. Doch manchmal findet sich das Liebesglück: Einsame Analysten, die sich über ihren Sklavenhalter-Vorgesetzten beschweren, verwandeln sich in verheiratete Vice Presidents, die sich über ihre nichtsnutzigen Analysten beklagen. Doch die wirklichen Probleme stellen sich erst für verheiratete Vice Presidents ein.

Dabei befinden sich Investmentbanker in mancherlei Ehefragen sogar in einer Pole Position. Da die meisten Beziehungen in den ersten Analystenjahren beginnen, gibt es langfristig bei den Erwartungen weniger Missverständnisse. Weil die meisten Leute ihre Partner erst während ihres Arbeitslebens kennenlernen, wissen sie, was sie erwartet. Verpasste Verabredungen, Telefonkonferenzen am Wochenende und ständige Müdigkeit stellen für viele aus verständlichen Gründen ein Problem dar. Doch wen so etwas stört, sollte keinen Investmentbanker heiraten. Die richtige Zeit, um sich darüber zu beschweren, ist bevor man die Ringe austauscht.

Obgleich viele Partner wissen, dass mit den grossen Gehältern von Investmentbankern ein notorischer Zeitmangel einhergeht, heisst das noch lange nicht, dass ihnen das gefällt. Denn je mehr Zeit man für sich verbringt, desto höher fällt das Risiko aus, dass man sich auseinanderentwickelt – wenn man nicht vorsichtig ist. Das schlimmste was Beschäftigten in den Finanzdienstleistungen widerfahren kann, ist es gleich nach der Arbeit zuhause ins Bett zu gehen – gleich wie voll Ihr Terminplan auch ist. Wenn es sich bei Ihrem Partner um einen Kunden handelt, würden Sie sich ja auch mehr anstrengen. Sie würden nicht bloss freundlich fragen, wie ihr Tag gewesen ist. Und wenn Sie einen Finanzchef nur schmallippig und schlecht gelaunt begrüssen würden, dann wird Ihr Advisory- und Kapitalmarktgeschäft nicht lange florieren.

So erzählt beispielsweise Elly, die selbst einen Banker geheiratet hat, wie ihre Ehe bestand hat, obgleich sein Job sehr fordernd ist: „Mein Mann arbeitet unchristliche Stunden. Er telefoniert mit Kunden am Freitagabend, hat Telefonkonferenzen am Sonntagmorgen und -abend und sogar inmitten des familiären Abendessens.“

Ein Ehepartner eines Bankers muss also einiges ertragen. Doch auch die Ehen mit Ärzten funktionieren, die ebenfalls lange und unter Druck arbeiten müssen. Abgesehen von besessenen M&A-Bankern verbringt sogar mancher LKW-Fahrer mehr Zeit weg von zuhause. Sogar Soldatenfamilien funktionieren unter einem noch viel ernsterem Stress und unter Lebensgefahr.

Doch worin bestehen die Unterschiede? Dabei handelt es sich nicht einmal um die tatsächlichen Bedingungen. Vielmehr würde niemand seinen Partner deswegen kritisieren, weil er als Arzt einen Patienten spät behandelt oder weil er als Soldat einen „Business Trip“ nach Afghanistan unternimmt. Entscheidend für eine funktionierende Ehe ist vielmehr, dass beide vom Sinn der Tätigkeit überzeugt sind. Wer indes nur Sklave seiner Arbeit ist, wird mit dem Klagen beginnen, wenn sein Job sein Familienleben beeinträchtigt. Sobald Ihr Partner aber Ihre Ambitionen und Werte teilt, fällt ihnen das Verständnis für die damit verbundenen Opfer leichter.

Bei funktionierenden Ehen versteht der Partner also, dass es für das „grössere Ziel“ Opfer zu bringen gilt.

Auch dies erklärt Elly: „Sein Job setzt voraus, dass er immer für seine Kunden da ist. Auch wenn mich das stört, verfügt sein Kunde doch über eine Menge Geld und mit dem verdienten Geld lassen sich die Steuern und Rechnungen bezahlen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich hasse diese Anrufe auf den Tod. Aber Sie helfen meiner besseren Hälfte bei seiner Karriere und dabei irgendwann einmal zum Managing Director aufzusteigen. Also finde ich mich damit ab. Mein Abendessen kann kalt werden und er meinen Geburtstag verpassen, wenn irgendetwas bei der Arbeit schiefläuft. Das macht mich zwar traurig, doch solange er mit seinem Job zufrieden ist, bin ich es auch.“

Es klingt ein wenig nach Masochismus und vielleicht ist es das sogar. Allerdings wird dieser Masochismus durch das Geld ein wenig abgemildert.

Doch wie bei anderen Beziehungen auch stellen sich die ernsten Herausforderungen erst ein, wenn Kinder hinzukommen. Erst dann stellen Sie fest, wie rücksichtsvoll sich Ihr Managing Director Ihnen gegenüber verhalten hat und wie er Ihren Schlaft respektierte. An diesen Punkt scheint der beste Ratschlag zu lauten, ein wenig des verdienten Geldes fürs Babysitting auszugeben. Es handelt sich um einen Luxus, der sich wirklich bezahlt macht.

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