GASTBEITRAG: Wieso Quants schlecht bezahlt werden und was sie dagegen unternehmen können

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Mehr denn je handelt es sich bei Finance um eine Welt aus Zahlen. Fast der gesamte Aktienhandel wird mittlerweile von quantitativen Tradern oder den von ihnen entwickelten Algorithmen bewältigt. Auf der Buy-Side wiederum nutzen die weltgrössten Hedgefonds systematische Modelle. Unterdessen bedeutet der Siegeszug passiver Anlagestrategien, dass immer weniger Anleger den traditionellen „Stock Pickers“ trauen.

Diese Trends machen einige Leute überaus reich. Die geschäftsführenden Eigentümer einschlägiger quantitativer Hedgefonds wie James Simons (Renaissance Technologies), Ray Dalio (Bridgewater) und David Harding (Winton) verdienen regelmässig hunderte von Millionen – manchmal sogar Milliarden.

Leider kann dies von den meisten Quants nicht gesagt werden, die sich für deutlich weniger abrackern müssen. Nahezu niemand kommt jemals in den Genuss sieben- oder achtstelliger Vergütungspakete, die Senior Trader und Portfoliomanager als gerechte Entlohnung verstehen.

Dieses Missverhältnis beginnt bereits früh in ihrer Karriere. Quants beginnen meist wie MBA-Absolventen auf dem Associate-Level. Dies bedeutet auch, dass die Banken Leute mit einem einjährigen MBA-Studium, welches intellektuell nicht einmal besonders anspruchsvoll ist, als gleichwertig mit Leuten betrachten, die in einem dreijährigen Promotionsverfahren tatsächlich geforscht haben. Damit sind Quants vom Beginn an unterbewertet und es kommt noch schlimmer. Die anfänglichen Grundgehälter von Quants entsprechen üblicherweise denen von Juniors, die für reine Front Office-Jobs wie Sales und Trading eingestellt wurden. Doch nach einigen Jahren erhalten Quants einen deutlich niedrigeren Bonus und werden langsamer befördert.

Doch wie konnte es so weit kommen? Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens werden Quants vom Rest des Geschäfts unterbewertet. Zweitens beschweren sie sich nicht über ihre unzureichende Bezahlung. Quants werden als entbehrlich und leicht ersetzbar betrachtet. Wenn hingegen ein Trader oder Investmentbanker mit seinem Abgang droht, behauptet er oft, er sei unersetzlich. Wer verfügt schon über die gleiche Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen, wenn er traded oder regelmässig mit dem Vorstandsvorsitzenden des grössten Kunden der Bank Golf spielt?

Diese Einstellung scheint noch vor einigen Jahrzehnten angemessen gewesen zu sein, doch heute wirkt sie nur noch altmodisch. Denn ein Quant kann beweisen, welchen Mehrwert seine Trading-Strategie generiert, während sich die Anzeichen mehren, dass Trader mit ihrem Bauchgefühl lediglich Glück hatten. Den Vorstandschef des grössten Kunden der Bank scheren persönliche Beziehungen wenig, wenn er günstiger Traden kann als bei einer anderen Bank dank eines innovativen Trading-Algorithmus oder eine höhere Verzinsung seiner Kapitalrücklagen erzielt, weil ein Quant ein neues Investmentprodukt entwickelt hat.

Quants müssen sich besser verkaufen. Sicherlich fällt dies vielen nicht leicht, vor allem wenn sie dem Stereotyp der sozial unbeholfenen Persönlichkeit entsprechen, die häufig solche Jobs ausüben. Jeder sollte sich aber klarmachen: Die meisten Firmen zahlen einem möglichst wenig Geld, solang man sich nicht beschwert. Dies stellt auch den Grund dar, wieso die lautstärksten und aggressivsten Vertriebsleute üblicherweise mehr verdienen.

Dass das Front Office-Personal eher bereit ist, den Arbeitgeber zu wechseln, stellt einen weiteren Grund dafür dar, dass sie traditionell mehr verdienen. Oftmals fällt es leichter, den Arbeitgeber zu wechseln, um eine Gehaltserhöhung zu bekommen als seinen Vorgesetzten davon zu überzeugen. Dies ist immer noch der Fall, obgleich Antritts- und Garantieboni der Vergangenheit angehören. Vielleicht sind Sie auch mit Ihrem bisherigen Job zufrieden, doch ein Testen Ihres Marktwertes stellt einen grossen Vorteil dar, wenn es um das Aushandeln von Gehaltsaufschlägen oder Beförderungen geht.

Um einen Überblick über ihr Verdienstpotenzial zu bekommen, sollten sich Quants auch ausserhalb der Finanzdienstleistungen umschauen. Vor 2008 stellten Banken noch eine besonders attraktive Wahl für Quants dar. Obgleich sie dort weniger als ihre Kollegen verdienten, kassierten sie doch mehr als anderswo.

Doch heute ist das längst nicht mehr der Fall. Die Nachfrage nach technisch versierten Wissenschaftlern, die sich in Gebieten wie Maschinenlernen oder künstlicher Intelligenz auskennen, ist massiv und auch andere Branchen kämpfen um die besten Talente. Dadurch zahlen sie ähnlich gut oder sogar besser als Banken.

Viele dieser Jobs sind überdies interessanter als die Arbeit für Finanzdienstleister. Auf jeden Fall sollten Quants einen kräftigen Aufschlag verlangen, wenn sie bei einer eher langweiligen Bank oder einem Hedgefonds arbeiten. Schliesslich verzichten sie auf eine Menge Spass anderswo.

Robert Carver ist stolz darauf, ein Quant zu sein. Er hat sowohl auf der Sell-Side (als Trader exotischer Optionen) als auch auf der Buy-Side gearbeitet. So hat er das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren beim Hedgefonds AHL geleitet. Carver hat die Bücher „Systematic Trading“ und „Smart Portfolios“ verfasst.

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