Deutsche Bank: Trotz Dauerkrise verlässt niemand das sinkende Schiff

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Sinking ship in B&W

Die Krise kann noch so lange anhalten, von einem Exodus der Deutsche Bank-Mitarbeiter in Frankfurt kann keine Rede sein. Bei einschlägigen Investment Banking-Headhuntern klingeln die Telefone jedenfalls nicht häufiger als sonst. „Wir wundern uns schon lange, wieso wir nicht mehr Anfragen von Mitarbeitern der Deutschen Bank erhalten“, erzählt Headhunter Jan Graffelder von Look & Graffelder in Frankfurt kopfschüttelnd. Bei ähnlich schlechter Nachrichtenlage würden die Mitarbeiter anderer Banken schneller zum Telefon greifen. „Dann bekommen wir mehr Anrufe nach dem Motto: Wenn Sie etwas Passendes haben, dann denken Sie an mich.“

Mit dieser Erfahrung steht er nicht allein dar. „Wir registrieren nicht mehr Anrufe von Mitarbeitern der Deutschen Bank. Die Mitarbeiter warten lieber ab, wie sich das entwickelt“, bestätigt eine andere Frankfurter Headhunterin, die lieber anonym bleiben möchte.

Laut Graffelder sind viele Investmentbanker seit vielen Jahren bei der Deutschen Bank und warten lieber ab. „Wenn die Investmentbanker zehn oder mehr Jahre dabei sind, dann dominiert das Sicherheitsdenken“, meint Graffelder.

Dabei gebe es jedoch signifikante Unterschiede zwischen deutschen und Auslandsbanken. „Wenn sich die schlechten Nachrichten häufen, dann sind die Mitarbeiter von Auslandsbanken eher bereit, den Arbeitgeber zu wechseln“, beobachtet Graffelder. „Das macht auch Sinn. Banken machen an ausländischen Standorten gerne einmal einen Desk dicht, wenn das Geschäft nicht läuft.“

Dagegen würden die Banken auf ihren Heimatmärkten nicht so schnell Geschäftsgebiete aufgeben. „Zumindest in M&A, Equity Capital Markets und Debt Capital Markets ist die Deutsche Bank hierzulande immer oben mit dabei, auch wenn die US-Banken sie hier zunehmend unter Druck setzen“, erläutert Graffelder. „Eine Deutsche Bank macht nicht einmal so schnell ihr M&A-Geschäft in Deutschland dicht.“

Tatsächlich hat sich die Deutsche Bank in den zurückliegenden Quartalen vor allem im Ausland aus Märkten und Produktsegmenten zurückgezogen, während sie an ihrem Heimatmarkt festhält. „Von daher ist das Verhalten der Deutsche Bank-Mitarbeiter durchaus rational“, kommentiert Graffelder.

Nicht zuletzt würden langjährige Mitarbeiter der Deutschen Bank bei eigener Kündigung auf hohe Abfindungszahlungen verzichten. Dies spiegelt auch der Personalbericht der Deutschen Bank für 2017 wider. Demnach haben die Arbeitnehmerkündigungen bei der Deutschen Bank zwischen 2014 und 2017 von 6,5 auf 7,8 Prozent zugenommen, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen fallen gewaltig aus.

So kletterte die Zahl der Arbeitnehmerkündigungen in Asien von 15,2 auf 16,8 Prozent, in Nord- und Südamerika von 11,8 auf 13 Prozent und in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (ohne Deutschland) von 7 auf 8,5 Prozent. Ganz anders in Deutschland. Hier legten die Eigenkündigungen zwar auch zu, aber nur von 1,5 auf 2 Prozent. Bei der Fluktuation sieht es kaum anders aus. Sie kletterte in Deutschland lediglich von 5,5 auf 7 Prozent, während sie im übrigen Europa, dem Mittleren Osten und Afrika von 11,5 auf 12,7 Prozent zunahm. In diesen Zahlen ist der jüngste Kahlschlag nicht einmal enthalten.

Darüber hinaus zahlt die Deutsche Bank immer noch sehr gut. „Auch wenn da einmal ein paar Jahre der Bonus geringer ausfällt, nagt da keiner am Hungertuch“, kommentiert Graffelder. Ausserdem seien die Ausstiegsmöglichkeiten begrenzt. „Wenn Sie zu einer Auslandsbank wechseln, gehen Sie ein höheres Risiko ein, dass der Geschäftsbereich irgendwann wieder dichtgemacht wird.“

Doch nicht jeder will so lange abwarten. Zumindest einige langjährige Managing Directors der Deutschen Bank haben dem Konzern in der jüngsten Vergangenheit den Rücken gekehrt. So ist nach fast fünf Jahren bei der Deutschen Bank Sabine Röder zur Bank of America Merrill Lynch in Frankfurt gewechselt, wo sie das Geschäft mit Equity und Investable Indices Structuring verantwortet. Erst zu Monatsbeginn ist wiederum Rainer Polster nach über 20 Jahren bei der Deutschen Bank zur Oldenburgischen Landesbank gegangen, wo er das internationale Firmenkundengeschäft verantwortet.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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