GASTBEITRAG: Wie Investmentbanker Ihre Beziehung retten

eFC logo
GASTBEITRAG: Wie Investmentbanker Ihre Beziehung retten

Schon wieder ist eine Beziehung einer meiner Freundinnen aus dem Investment Banking zerbrochen. Mich wundert das überhaupt nicht: Bei fast jedem, den ich kenne, ist seine Beziehung in seinem ersten Jahr im Investment Banking zerbrochen. Die Schwierigkeit, eine Beziehung zu pflegen, stellt eine der unbeabsichtigten Nebenwirkungen einer Investment Banking-Karriere dar. Die meisten Leute wissen das auch, aber sie glauben, dass ihnen das nicht widerfahren werde – bis es eintritt.

Das erste ist das schwierigste Jahr

Wer im Investment Banking anfängt, muss sich auf drastische Veränderungen seines Lebensstils gefasst machen. Oft ist dies mit einem Umzug, mit einem neuen sozialem Umfeld und vor allem einem vollständigen Umsturz Ihres Tagesablaufes verbunden. Den Jüngsten im Team fällt es besonders schwer, ihre Beziehungen aufrechtzuerhalten. Denn Sie sind nicht länger Herr Ihrer eigenen Zeit. Vielmehr müssen Sie mit einer Arbeitszeit von 80 bis 100 Stunden in der Woche zurechtkommen.

Sicherlich versuchen Sie, beides unter einen Hut zu bekommen. Sicherlich versuchen Sie auch täglich über Telefon und E-Mail mit Ihrem Partner in Kontakt zu bleiben. Doch dies fällt nicht so leicht, wie Sie vielleicht denken. Wenn Sie eng beieinander sitzen, dann wollen Sie nicht ständig am Telefon gesehen werden. Und wenn Sie dafür von Ihrem Arbeitsplatz verschwinden, werden viele annehmen, dass Sie sich einen anderen Job suchen. Aus diesem Grund können Sie keine regelmässige Kommunikation mit Ihrem Partner aufrechterhalten. Sie beginnen ihren Partner zu ungewöhnlichen Zeiten wie etwa nach Mitternacht anzurufen. Die meisten Leute schreiben dann irgendwann nur noch E-Mails, weil das zumindest so aussieht, als würden sie arbeiten.

Was Sie auch immer versuchen, Ihre bessere Hälfte wird Ihnen irgendwann erzählen, dass Sie sich verändert hätten. Sie seien ständig müde, oft gestresst und unglücklich und dass Sie nicht länger die gemeinsame Zeit geniessen. Ihr Partner beginnt sich zu beschweren, dass Sie ständig Verabredungen und sogar Urlaube absagen und dass Sie nur wenige Stunden im Voraus planen können.

Nach einigen Monaten beginnen Sie, sich auseinanderzuleben. Ihr Partner wird sich auch über mangelnde Kommunikation, Zuwendung und Intimität beklagen und einen dutzend Gründe vorbringen, wieso sie sich unglücklich fühlen. Inzwischen fühlen Sie sich ausgelaugt. Irgendwann werden Sie nur noch an sich selbst denken und wollen keinen unglücklichen Partner mehr.

Doch nicht alle Beziehungen scheitern so

Die wenigen jungen Investmentbanker, die ihre Beziehungen behaupten konnten, scheinen einen ähnlichen Ansatz verfolgt zu haben. Auf jeden Fall gibt es Möglichkeiten, um die aufgezeigten Probleme abzumildern.

Erstens müssen Sie die Erwartungen managen. Ihr Partner muss verstehen, dass sich Ihre Pläne rasch ändern können und welche Anforderungen die Arbeit an Ihre Zeit und Energie stellt. Die beste Taktik besteht darin, „weiche Pläne“ zu schmieden und nichts „auf jeden Fall“ zuzusagen und sicherzustellen, dass Ihr Partner das auch versteht.

Zweitens müssen Sie jeden Tag 10 bis 20 Minuten mit Ihrem Partner zur gleichen Zeit telefonieren. Ausserdem sollten Sie sich vornehmen, wenigstens einmal in der Woche gemeinsam auszugehen. Dabei sollten Sie jedoch erwähnen, dass die Verabredung im letzten Moment abgesagt werden kann. Falls Ihr Partner nicht im Investment Banking arbeitet, dann können Sie ihn auch bitten, Sie von Ihrem Arbeitsplatz abzuholen und irgendwo in der Nähe auszugehen. Die Dinner nahe am Arbeitsplatz sind zwar selten romantisch, aber immer noch besser als nichts. Wenn Sie am Wochenende von zuhause aus arbeiten müssen, dann kann Ihr Partner vielleicht bei Ihnen sitzen. Das klingt reichlich traurig, doch es funktioniert, wenn sich Ihr Partner auch auf etwas konzentrieren muss wie etwa auf die Vorbereitung einer Prüfung.

Darüber hinaus müssen Sie Ihrem Partner signalisieren, dass Sie sich weiterhin an der Beziehung und ihn selbst interessieren. So können Sie beispielsweise Ihrer Freundin einmal im Monat Blumen schicken oder ein kleines Geschenk kaufen. Das sollte ganz zufällig erfolgen und nicht gerade, wenn Sie sich mit Ihr gestritten haben. Es muss gar nicht extravagant ausfallen. Vielmehr geht es lediglich um eine Geste, mit der Sie Ihre Wertschätzung ausdrücken. Schliesslich fällt es Ihr auch nicht leicht, mit den unvorhersehbaren Planungsänderungen und Ihrem neuen müden, gestressten Selbst auszukommen. Nicht zuletzt: Wenn Sie einmal Zeit für einander haben, dann möchte Ihr Partner ganz bestimmt nicht übers Investmentbanking sprechen.

Eine Möglichkeit besteht weiter darin, für andere Analysten einzuspringen. Dann sollten diese ebenfalls bereit sein, das Gleiche für Sie zu tun. Es handelt sich schon um einen gewaltigen Vorteil, wenn Sie sagen: „Ich schulde Dir noch etwas und das nächste Mal werde ich für Dich einspringen.“ Sie müssen klarstellen, dass es sich um keine Einbahnstrasse handelt. Ansonsten werden Sie kaum mehr für Sie einspringen.

Viel Glück! Die ersten drei bis sechs Monate sind besonders anstrengend. In diese Zeit scheinen 90 Prozent der Trennungen zu fallen. In jedem Fall wird das Investment Banking Ihre Beziehung auf eine harte Probe stellen, doch diese Probleme sollten gemeinsam gelöst werden können. Eine Hand wäscht bekanntlich die andere.

Mai Le arbeitete als Investment Banking Associate für Goldman Sachs, bevor sie sich mit Vietnam Inbound (vietnamincound.com) selbständig gemacht hat. Neben ihrem eigenen Blog (lequynhmai.com) betreibt sie eine Datenbank für Lebensläufe (coverletterlibrary.com).

Ähnliche Artikel

Beliebte Berufsfelder

Loading...

Jobs suchen

Artikel suchen

Close
Loading...