Fünf Gründe, wieso eine Fusion von Deutscher Bank und UBS blanker Unsinn ist

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Deutsche Bank Q2

Immer wieder machen Fusionsgerüchte in Frankfurt die Runde. Das neueste ist ein Zusammengehen von Deutscher Bank und dem Schweizer Rivalen UBS. Wie das Handelsblatt von Insidern erfahren hat, habe die Deutsche Bank nicht nur das Zusammengehen mit der Commerzbank, sondern auch mit der UBS einem „deep dive“ unterzogen, einer eingehenden Analyse also. Demnach habe die Deutsch-Schweizer Allianz deutlich besser als die rein deutsche Fusion abgeschnitten.

Es stellt sich allerdings die Frage, wieso die Schweizer UBS die Deutsche Bank kaufen sollte. Denn die Zürcher sind von der Börsenkapitalisierung her zweieinhalbmal grösser als ihr Frankfurter Rivale. Während die UBS aktuell 54,2 Mrd. Euro wert ist, kostet die Deutsche Bank schmale 21,3 Mrd. Euro – Peanuts für eine Bank dieser Grössenordnung. Leider gibt es dafür gute Gründe. Und das sind zum grossen Teil die gleichen Gründe, wieso es für die Schweizer unklug wäre, sich auf einen solchen Deal einzulassen:

1. Miserable Profitabilität

Nur das Prinzip Hoffnung könnte eine Übernahme der Deutschen Bank durch die UBS rechtfertigen. Denn nach den aktuellen Profitabilitätszahlen würden sich die Schweizer schlechter stellen: Während die Deutsche Bank im ersten Halbjahr einen Vorsteuergewinn von 1,1 Mrd. Euro einfuhr, waren es bei der UBS 3,7 Mrd. Franken (3,2 Mrd. Euro). Während die Deutschen für jeden Euro Ertrag 90,2 Cent auf den Tisch legen mussten, waren es bei den Schweizern für jeden Franken nur 75,8 Rappen. Vor allem aber erzielte die Deutsche Bank eine Eigenkapitalrendite von 1,8 Prozent und die UBS von 10,9 Prozent. Die Deutschen sind also nicht einmal in der Lage, ihre eigenen Eigenkapitalkosten zu erwirtschaften.

2. Mieses Geschäft im Investment Banking

Ein Blick in die einzelnen Geschäftsbereiche bietet ein ähnliches Bild. Tatsächlich ergänzen sich UBS und Deutsche Bank im Investment Banking recht gut. Während die Deutschen im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren stark sind, sind es die Schweizer im Aktienhandel. Dafür gibt es allerdings ebenfalls einen guten Grund: Nach seinem Antritt hat der damals neue UBS-Chef Sergio Ermotti erkannt, dass die UBS im Fixed Income-Geschäft nicht mit den grossen US-Banken mithalten kann und kurzerhand tausende von Mitarbeitern vor allem in London vor die Tür gesetzt. Wenn die UBS die Deutsche Bank übernehmen würde, würde sie sich also genau jene Geschäftsbereiche einkaufen, die sie aufgegeben hat, was einer Rolle rückwärts in der Strategie gleichkäme.

Dabei zeigt die Ertragsentwicklung in fast allen Segmenten des Investment Banking der Deutschen Bank wie der Schwanz eines geprügelten Hundes nach unten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum purzelten die Erträge in Equity Origination um 32 Prozent auf 183 Mio. Euro, in Fixed Income und im Equity Sales and Trading ging es um 16 Prozent auf 3,3 bzw. um 15 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro bergab. Im Advisory-Geschäft verzeichnete die Deutsche Bank ein Minus von 4 Prozent auf 241 Mio. Euro.

Ganz anders bei der UBS: Die Zürcher konnten ihre Erträge in ihrem Aktienhandel um 15 Prozent auf 2,1 Mrd. Franken steigern. Das Geschäft mit Devisen, Zinsen und Krediten (der Rest von FICC) legte immerhin um 9 Prozent auf 902 Mio. Franken zu. Im Advisory-Geschäft kletterten die Erträge um 7 Prozent auf 352 Mio. Franken und in Debt Capital Markets um 5 Prozent auf 409 Mio. Franken. Lediglich in Equity Capital Markets musste die UBS ein Minus von 11 Prozent auf 482 Mio. Franken verkraften – bei der Deutschen Bank waren es aber 32 Prozent. Kurz: In jedem der genannten Sektoren schneidet die UBS besser als die Deutsche Bank ab. Dies ist umso erstaunlicher, als es sich immer noch um das Kerngeschäft der Deutschen handelt.

3. Wealth Management: Welt- gegen Provinzklasse

Während die früheren Deutsche Bank-Chefs Josef Ackermann und Anshu Jain konsequent aufs Investment Banking setzten, hat sich die UBS seit dem gezwungenen Abgang von Oswald Grübel auf das Wealth Management konzentriert. In dem Bereich verdiente die Bank im ersten Halbjahr vor Steuern knapp 2,2 Mrd. Franken (1,9 Mrd. Euro) und damit mehr als die Deutsche Bank im Gesamtkonzern. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stellte dies ein Plus von 19 Prozent dar.

Leider hat die Deutsche Bank ihr Global Wealth Management in ihren Geschäftsbereich Private & Commercial Bank konsolidiert, weshalb nicht die gleichen Daten wie bei der UBS zur Verfügung stehen. Klar ist jedoch: Während die UBS in ihrem Global Wealth Management Erträge von knapp 8,4 Mrd. Franken (7,4 Mrd. Euro) generierte, waren es bei der Deutschen Bank nur 896 Mio. Euro. Binnen Jahresfrist kletterten die Erträge bei der UBS um 5 Prozent, während sie bei der Deutschen Bank um 21 Prozent einbrachen.

4. Selbst im Filialgeschäft liegt die UBS weit vorn

Im Filialgeschäft spielen UBS und Deutsche Bank in verschiedenen Ligen. Während die UBS lediglich in der kleinen Schweiz tätig ist, macht die Deutsche Bank Geschäfte im zehnmal grösseren Deutschland und sogar darüber hinaus. Das Dumme dabei: Die allseits bekannte „Geiz ist geil“-Kultur der Deutschen drückt gewaltig auf die Renditen. In ihrem Geschäftsbereich Personal & Corporate Banking, dem Schweizer Filialgeschäft, hat die UBS im ersten Halbjahr bei Erträgen von knapp 1,9 Mrd. Franken (1,7 Mrd. Euro) die Kleinigkeit von 787 Mio. Franken vor Steuern verdient.

Leider sind auch hier die Zahlen der Deutschen Bank nicht ganz vergleichbar. Denn die Frankfurter haben in ihrem Private & Commercial Banking, wie gesagt, ihr weltweites Wealth Management konsolidiert. Insgesamt hat die Deutsche Bank in den ersten sechs Monaten des Jahres hier knapp 5,2 Mrd. Euro erwirtschaftet, wovon knapp 3,5 Mrd. auf das deutsche und 749 Mio. Euro auf das internationale Filialgeschäft entfielen. Der Bereich ist also weitaus grösser als sein Pendant bei der UBS. Bei der Profitabilität ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Der Vorsteuergewinn purzelte um fast ein Viertel auf 586 Mio. Euro. Die Deutsche Bank verdiente hier also nur etwa ein Drittel vom Vorsteuergewinn der UBS.

5. UBS-Aktionäre müssten schon risikobesessen sein

Für die Aktionäre ist natürlich vor allem eines interessant: Wie entwickelt sich der Kurs? Die Aktie der Deutschen Bank schloss am gestrigen Dienstag (25. September) bei 10,32 Euro, womit sie nur noch ein Drittel von vor fünf Jahren wert war. Auch die UBS-Anleger kamen nicht ungeschoren davon. In den fünf Jahren bis zum gestrigen Schlusskurs von 15,93 Franken mussten sie ein Minus von 16 Prozent verkraften.

Mit einer Übernahme der kriselnden Deutschen Bank würden die bereits gebeutelten UBS-Aktionäre also ein hohes Risiko eingehen. Vor diesem Hintergrund scheint es sich beim „deep dive“ der Deutschen Bank-Analysten eher um einen Wunschtraum als um ein reales Szenario zu handeln – zumal auch Aufseher und Politik bei einem solchen Wagnis ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hätten.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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