Immer weniger europäische Finanzprofis wollen nach London

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Brexit bankers applying for jobs in London

Obgleich die Verhandlungen über das künftige Verhältnis Grossbritanniens zur EU noch nicht einmal richtig angefangen haben, scheint die Attraktivität der Londoner City für Kontinentaleuropäer rasant abzunehmen. Denn immer weniger Bewerbungen aus der EU gehen in der britischen Hauptstadt ein.

Eine Analyse der Bewerbungen aus den drei grössten kontinentaleuropäischen Ländern Deutschland, Frankreich und Italien auf Jobs, die bei eFinancialCareers ausgeschrieben waren, ergab, dass sie in den zurückliegenden beiden Jahren um 43 Prozent eingebrochen sind. Demnach haben sich im ersten Halbjahr 2016 annähernd 80.000 Personen aus den drei grössten europäischen Volkswirtschaften auf Jobs in London beworben; im ersten Halbjahr 2018 waren es 43 Prozent weniger.

Das Hauptproblem scheint also weniger darin zu bestehen, dass die Europäer in London ihre Koffer packen und heimwärts ziehen, als dass London sukzessiv vom europäischen Talentpool abgeschnitten wird. Dies gilt besonders für das Verhältnis zu Deutschland, von wo 55 Prozent weniger Bewerbungen in London eingingen.

Das Problem wird mit wachsender Berufserfahrung virulenter. Während immer weniger junge Berufstätige aus Europa nach London kommen, ist der Talentfluss bei Arbeitskräften mit langjähriger Berufserfahrung fast versiegt. So sind die Bewerbungen von jungen Bewerbern aus Deutschland nur um 37 Prozent zurückgegangen. Dagegen sind sie bei Bewerbern mit sechs bis zehn Jahren Berufserfahrung um die Hälfte eingebrochen. Denn noch immer sind viele Einstiegs- und Traineeprogramme in London angesiedelt. Dies bestätigt Personalberater Michael Ohana von AlumnEye, der französischen Studenten beim Berufseinstieg in die Finanzdienstleistungen hilft. Seine Klientel sei immer noch stark auf London fokussiert. „Die Praktikums-Geographie wird sich erst ändern, wenn die Teams umgezogen sind“, erzählte er kürzlich.

Allerdings scheint langsam Bewegung in die Jobverlagerung zu kommen. So soll die Bank of America ihr Vertriebspersonal für festverzinsliche Produkte in diesem Sommer nach Paris verlegen. Auch von Morgan Stanley gehen Gerüchte um, die Bank wolle ihre Vertriebsleute für Aktienprodukte verlegen. Insider warnen indes, die Gerüchte könnten verfrüht sein. Unterdessen stellt Goldman Sachs bereits für ihr Geschäft mit Aktienderivaten in Paris ein und hat angekündigt, eine zweistellige Zahl Londoner Jobs nach Paris zu verschieben.

Langfristig kann sich diese Entwicklung zu einer ernsthaften Bedrohung für die Londoner City auswachsen. Sinkende Bewerberzahlen und die wachsende Zahl an Stellenverlagerungen stellen nur ersten Anzeichen für einen Braindrain dar. Wer erst einmal nach Paris, Frankfurt oder Mailand umgezogen ist, wird kaum nach London zurückkehren.

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