Schon vor einer möglichen Fusion verlassen Credit Trader die Commerzbank

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Commerzbank Deutsche Bank merger

Wieder einmal wird von einer möglichen Fusion von Commerz- und Deutscher Bank geunkt. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe der umstrittene Aufsichtsratschef der Deutschen Bank Paul Achleitner über eine solche Fusion mit wichtigen Aktionären und Regierungsstellen gesprochen. Nichts ist bestätigt, nichts steht kurzfristig an, dennoch wird das Projekt dadurch zumindest ein wenig wahrscheinlicher. Unterdessen verlassen einige Trader die Commerzbank.

Zuletzt ist Brian Jensen, Head of European corporate credit flow trading gegangen, der erst 2015 von Mizuho gekommen war. Er soll am vergangenen Freitag gekündigt haben. Insidern zufolge ist er zu Toronto Dominion ebenfalls in London gewechselt, wo er das Credit Trading-Geschäft ausbauen soll. Seine Nachfolge soll Michael Reeb antreten. Reeb war erst vor einigen Monaten von der Landesbank Baden-Württemberg gekommen.

Falls eine Fusion tatsächlich anstehen sollte, dann halten Branchenbeobachter vor allem das Trading mit festverzinslichen Wertpapieren für bedroht. Allerdings ist der Credit-Handel eher klein dimensioniert. Es soll lediglich vier Trader in Frankfurt, vier Emerging Market Trader in London und New York und einen Corporate Bond Trader in London geben.

Die Commerzbank hat der britischen Hauptstadt bereits vor dem Brexitreferendum den Rücken gekehrt. Schon 2015 hat das Unternehmen angekündigt, 340 Jobs nach Frankfurt zu verlagern, darunter etwa 80 Devisen- und Anleihehändler. Laut Commerzbank sollen die Jobs für strukturierte Wertpapiere zumeist noch in London angesiedelt sein, während der Flow-Handel in Frankfurt konzentriert ist. Die Ankunft von Jensen spricht dafür, dass nicht alles nach Plan gelaufen ist. Headhuntern zufolge hätten einige Trader, die nach Frankfurt umgezogen sind, die Bank frustriert verlassen, da der Handel in Deutschland immer noch vergleichsweise wenig digitalisiert sei.

Doch Jensen ist nicht der einzige Trader, der abgemustert ist. Der ehemalige Global head of credit trading Arran Rowell hat die Bank im November 2016 verlassen und ist als Partner zur Boston Consulting Group gewechselt. Etwa zu gleichen Zeit gingen zwei auf Schwellenländer spezialisierte Trader zu BNP Paribas und Nomura.

„Die besten Leute sind gegangen“, erzählt ein Londoner Headhunter. „Was zurückbleibt, ist nur eine sehr bescheidene Ausstattung im Credit Trading.“

In anderen Bereichen sind die Angestellten zuversichtlicher. So dürften die Mitarbeiter des Sales und Tradings mit Aktienderivaten von der geplanten Übernahme des Aktien- und Devisengeschäfts (EMC) durch die Société Générale betroffen sein. „Wir sind eher an den Ausgang dieser Gespräche interessiert als an irgendetwas mit der Deutschen Bank“, erzählt ein Commerzbank-Mitarbeiter aus dem Vertrieb strukturierter Wertpapiere. „Dennoch sprechen alle über eine mögliche Fusion mit der Deutschen Bank“, ergänzt er. „Es macht Sinn und wir fragen uns alle, wann das passiert.“

Mit dieser Meinung steht er nicht allein dar. „Es würde viel Sinn machen“, erzählt ein anderer Investmentbanker aus Frankfurt. „Deutschland muss einen nationalen Bankenchampion aufbauen, der in allen Sektoren mit den europäischen und amerikanischen Banken konkurrieren kann.“

„Während die Deutsche Bank über Jahre ihren Heimatmarkt für ihre globalen Ambitionen geopfert hat, kann die Commerzbank ihre Stärke in Deutschland beitragen“, ergänzt er. Unter dem seinerzeit neuen Chef Martin Zielke hat die Commerzbank bereits versucht ihr Geschäft jenseits des Mittelstands auszubauen.

Unterdessen zählt das Leveraged Finance-Geschäft zu den Kronjuwelen der Commerzbank. „Sie besitzen eine exzellente Mid Market Leveraged Finance-Plattform“, erzählt ein Londoner Headhunter. Das Unternehmen beschäftige etwa 100 Leveraged Finance-Spezialisten in Deutschland und rund 40 in London. In den meisten Geschäftsbereichen ist die Deutsche Bank allerdings deutlich grösser als der heimische Rivale.

Doch nicht alle halten eine Fusion von Deutschlands grössten Banken für eine kluge Idee. „Zwei Betrunkene zusammenzubringen, macht sie nicht stabiler“, kommentierte Roy Smith, ehemals Management-Professor der New York University gegenüber Bloomberg.

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