GASTBEITRAG: Wieso ich von London nach Frankfurt gegangen bin

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Brexit

In Frankfurt geht es gelassener als in London zu.

Unser neuer Gastautor hat in Deutschland Wirtschaftswissenschaften studiert und einige Jahre bei einer Investment Banking-Boutique in London gearbeitet. Mittlerweile arbeitet er in Frankfurt.

In der Vergangenheit war die Sache ganz einfach: Wer eine erfolgreiche Karriere in Finance anstrebte, musste nach London gehen. Da angesichts des Brexits die Bedeutung Frankfurts als Finanzzentrum zulegen dürfte, fällt die Entscheidung heute gar nicht mehr so leicht.

Nachdem ich einige Jahre in London gelebt und gearbeitet habe, bin ich kürzlich nach Frankfurt gewechselt. Dies sind meine Gründe:

1. Die Mieten fallen in Frankfurt deutlich geringer aus

Für das gleiche Geld, das ich in London für eine kleine Wohnung auf den Tisch blättern musste, kann ich mir in Frankfurt ein luxuriöses Apartment leisten. In Frankfurt bekommt man noch etwas für sein Geld.

2. Die Sprachbarriere

Da ich wie so mancher andere Deutsche gut Englisch spreche, fällt die Sprachbarriere in London relativ niedrig aus. Dennoch fällt es mir natürlich leichter, in meiner eigenen Muttersprache zu kommunizieren. Man kann sich einfach viel besser ausdrücken. Dies stellt keinen kleinen Vorteil dar, wenn man mit Kunden kommunizieren und in der Bank oder Boutique Karriere machen möchte. Wenn man hingegen in einem Londoner Team mit nur englischen oder amerikanischen Kollegen zusammenarbeitet, befindet man sich sprachlich nicht auf derselben Augenhöhe, was besonders beim Small Talk einen Nachteil darstellt. Dabei spielen auch kulturelle Unterschiede eine Rolle. In Deutschland ist es beispielsweise viel üblicher, einfach zu sagen, was man denkt.

3. Die Konkurrenz fällt in Frankfurt geringer aus

In London konkurrieren Sie mit den hellsten Köpfen aus der gesamten Welt. Auch in Deutschland sind die Leute intelligent und gut ausgebildet. Allerdings konkurriert man nur auf nationalem, nicht auf internationalem Niveau. So treffen Sie in Deutschland nur selten auf die Absolventen von Harvard oder den Business Schools der amerikanischen Ivy League-Universitäten. Der Grund dafür liegt in der Sprache. Deutsch zu lernen stellt für Ausländer keinen Zuckerschlecken dar.

4. Der Luxus der einstündigen Mittagspause

In Deutschland können Sie Ihre einstündige Mittagspause ganz nach den eigenen Vorlieben nutzen: Sie können ins Fitness-Studio gehen oder sich mit Kollegen oder Bekannten von anderen Unternehmen zum Mittagessen treffen. In London dagegen schlingen die meisten Leute ihr Lunch am Arbeitsplatz herunter.

5. Das Networking mit aktuellen und potenziellen Kunden fällt in Frankfurt leichter

Für Investment Banking-Analysten in ihrem ersten Jahr mag dies noch keine Rolle spielen. Doch im Verlauf der Karriere wird das Networking immer wichtiger. In Frankfurt fällt es leicht, Leute von anderen Banken, Private Equity-Häusern oder sogar aus anderen Branchen zu treffen. Dies erleichtert es, eine Basis potenzieller Kunden aufzubauen und diese zu pflegen.

6. In Frankfurt geht es entspannter zu

In Frankfurt geht es deutlich gelassener zu und die Stadt bewahrt sich noch einen guten Teil ihres kulturellen Erbes. Vor allem aber ist sie klein, viel kleiner als London. Wenn man Leute treffen möchte, stellt dies einen kaum zu überschätzenden Vorteil dar.

Sicherlich wird London niemals seine Attraktivität verlieren. Der Vorsprung zu Frankfurt wird aber immer kleiner. Hinzu kommt noch: Da Frankfurt im Trend liegt, wird die Stadt für junge Finanzprofis immer spannender und attraktiver.

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