In Zürich müssen die M&A-Profis jetzt Schwyzerdütsch sprechen

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Schwyzerdütsch

Nicht nur auf dem deutschen Markt, sondern auch in der Schweiz sind M&A-Analysten heiss begehrt. So sucht beispielsweise die US-Investment Banking Boutique Lazard derzeit einen „Senior Analyst“ mit zwei bis vier Jahren Berufserfahrung. Nach ihrer eigenen Website beschäftigt Lazard in Zürich zehn Banker. Bewerber müssen die klassischen Kompetenzen wie profunde Kenntnisse im Financial Modelling mitbringen. Daneben erwartet der Schweizer Ableger des US-Unternehmens nicht nur gute Kenntnisse des Schweizer Marktes, sondern auch Schwyzerdütsch.

Kein Einzelfall. Auch die Personalberatung Kessler.Vogler in Zürich sucht derzeit für einen Kunden einen M&A-Junior mit Kenntnissen in Schwyzerdütsch. „Schweizerdeutsch ist für diese Stelle von Vorteil, aber keine Voraussetzung“, erzählt Headhunter Emanuel Kessler. „Es kommt allerdings sehr selten vor, dass Arbeitgeber ausdrücklich Schweizerdeutsch verlangen. Das ist nur der Fall, wenn die Kunden des Unternehmens sehr Schweizerisch sind oder wenn ausländische Player besonders Schweizerisch auftreten wollen.“ Dies könne z.B. bei Sales-Rollen der Fall sein, die sich auf sehr Schweizerische Kundengruppen wie etwa die Pensionskassen konzentrieren. Generell sei aber das Investment Banking in der Schweiz sehr international. „Es gibt hier auch Investmentbanker, die nur Englisch sprechen“, versichert Kessler.

„Wir beobachten, dass ‚Swissness‘ eine immer grössere Rolle spielt“, bestätigt unterdessen Headhunter Stephan Surber von Page Executive in Zürich. Derzeit sucht Surber einen Experten für Debt Capital Markets mit 8 bis 15 Jahren Berufserfahrung für eine ausländische Investmentbank, die nach Zürich kommt. „Die wollen einen Schweizer haben“, sagt Surber. Durch Schwyzerdütsch liessen sich leichter Termine mit Kunden arrangieren, es herrsche in Gesprächen eine vertraulichere Atmosphäre und Informationen würden eher preisgegeben.

„Eine noch wichtigere Rolle spielt aber das Netzwerk“, betont Surber. Wer Geschäfte anbahnen will, müsse sich in Zürich und der Schweiz gut auskennen. Aus diesen Grund wundert es den Personalberater nicht, dass ausländische Boutiquen bereits von einem Associate „Swissness“ verlangen. Schon die Associates sollten in der Lage sein, mit den Kunden zu kommunizieren. Ausserdem wollten viele Arbeitgeber ihre Juniors weiterentwickeln.

Surber registriert eine verstärkte Nachfrage nach Investment- und Corporate Bankern, weil u.a. mehr Investmentoutiquen nach Zürich kommen. Ähnlich wie in Deutschland herrsche in Bereichen wie dem M&A in Zürich ein Juniormangel.

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