Frühling im Banking: Zeit für Ärger mit den neuen Kollegen

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Nachdem die Boni gezahlt worden sind, der Schnee geschmolzen ist, steigen auch die Temperaturen auf dem Arbeitsmarkt. In den nächsten Monaten wird so mancher neuer Kollege zum Team stossen. Und nicht immer ist die Person willkommen.

Während meiner Karriere habe ich vor allem Neuankömmlinge fürchten gelernt, die dem Team von seinem Manager untergeschoben wurden, die „geheimen Neueinstellungen“ des Managers.

Offensichtlich ist ein gewisses Mass an Vertraulichkeit angebracht. Wenn eine Bank jemanden einstellt, dann muss der Prozess diskret behandelt werden. Doch der Umfang der Geheimniskrämerei hängt vom Leiter des Teams ab. Einigen Managern kommt überhaupt nichts über die Lippen. Andere verhalten sich offener. Einige Banken wie z.B. Goldman Sachs stellen den potenziellen Mitarbeiter dem Team vor, bevor sie ihm ein Angebot unterbreiten. Andere entscheiden sich einfach für einen neuen Mitarbeiter, ohne irgendein Feedback einzuholen.

Falls so etwas passiert, dann sorgt das für reichlich Ärger bei den Kollegen. Ein besonders schleimiger ehemaliger Vorgesetzter von mir hat einen befreundeten Sales-Manager von seiner ehemaligen Bank eingestellt. Ein Recruiter hat mir davon erzählt und 15 Minuten, nachdem dieser Kerl gekündigt hatte, bin ich zu meinem Vorgesetzten gegangen und habe ihm sarkastisch gesagt: „Glückwunsch zu der Neueinstellung.“ Er fragte mich, woher ich davon wüsste. Meine Antwort lautete: Ich arbeite in Sales, ich weiss alles.

Das war drei Monate, bevor der neueingestellte Kollege tatsächlich seine Stelle antrat. Während dieser Zeit entspannte sich der Mann bei bezahlter Auszeit. Wir dagegen mussten hart arbeiten und ärgerten uns. Denn das Team hatte keinen Bedarf an einem Freund des Managers. Sobald er anfing, fiel er negativ auf: Er war arrogant, hat jedem die Hand geschüttelt, ist herumgeschlichen und schwebte auf einer Wolke des Dünkels.

Er sass auch noch neben mir und ihm wurde jeder Wunsch erfüllt. Das heisst: Er hat unsere bestehenden Kunden angerufen und sich mit ihnen über unsere Dienstleistungen unterhalten. Anschliessend haben mich meine Kunden zurückgerufen und gefragt, wer dieser Typ sei und wieso er sie anrufe, obgleich ich doch für sie zuständig wäre. Das Ganze entwickelte sich übel. Einige meiner besten Kunden lehnten höflich ab. Einige meiner Kollegen haben ihre Kunden vorgewarnt und sie gebeten, ihm die kalte Schulter zu zeigen.

Schliesslich wurde klar, dass der Lieblingsmitarbeiter des Managers einen klaren Plan verfolgte. Da dies oft der Fall ist, muss man darauf achten. Er ist zu uns gewechselt, weil er bei seinem ehemaligen Arbeitgeber nicht befördert wurde und er wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Daher war er nicht nur unglaublich arrogant, sondern auch aggressiv. Er wollte die besten Kunden für sich erobern und den Rest von uns schwach erscheinen lassen. Falls irgendwer in den kommenden Jahren zum Managing Director befördert werden sollte, dann wollte er das sein. Es handelte sich um einen Alptraum-Kollegen.

Schliesslich wurde die Angelegenheit unerträglich. Die Kunden reagierten verwirrt, beschwerten sich und uns blieb keine andere Möglichkeit, als mit unserem Vorgesetzten zu sprechen. Uns wurde Besserung versprochen und der neue Kollege mässigte sich. Drei Jahre später ist er immer noch nicht befördert worden, noch wurde er in den inneren Kreis unseres Teams aufgenommen. Er startete als Aussenseiter und blieb es. Dies sollte allen Managern eine Lehre sein, die ihre Freunde anheuern.

Simone Bougie ist das Pseudonym für eine Sales-Mitarbeiterin in London.

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